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Ja zu Kirchgemeindeparlament

Die Kirchensynode hat der Schaffung eines Parlamentes in Kirchgemeinden grundsätzlich zugestimmt.

Das Zürcher Gemeindegesetz sieht für die politischen Gemeinden mit mindestens 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit vor, anstelle der Gemeindeversammlung ein Gemeindeparlament einzurichten. Für die Kirchgemeinden fehlt diese Möglichkeit im Kirchengesetz. Es handelt sich dabei weder um ein gesetzgeberisches Versehen noch um ein qualifiziertes Schweigen: Die Einführung eines Kirchgemeindeparlamentes wurde während der Erarbeitung des Kirchengesetzes vor zehn Jahren aufgrund der damaligen Situation gar nicht in Erwägung gezogen.

In der Zwischenzeit hat sich die Situation verändert. Im September 2014 entschieden die reformierten Stimmberechtigten in der Stadt Zürich, die bisherigen 33 Kirchgemeinden des Stadtverbandes zu einer einzigen Kirchgemeinde zusammenzuführen. Damit wird eine Kirchgemeinde mit rund 80'000 stimmberechtigten Mitgliedern entstehen. Aufgrund des Projekts «KirchGemeindePlus», das die Zusammenlegung von Kirchgemeinden anstrebt, werden sich zudem in den kommenden Jahren weitere Kirchgemeinden mit über 10'000 Mitgliedern bilden.

Die Erfahrungen zeigen, das die Durchführung einer Kirchgemeindeversammlung in einer mitgliederstarken Gemeinde vor zahlreiche Probleme stellt. Wird die Versammlung hingegen nur von einer kleinen Minderheit der Stimmberechtigten besucht, so liegt mangelnde Repräsentativität der Versammlung vor. Insgesamt ist deshalb bei den grösseren politischen Gemeinden eine klare Entwicklung weg von der Versammlungs- hin zur Parlamentsdemokratie festzustellen.

Dieser Trend spricht dafür, den Kirchgemeinden in der Gemeindeorganisation dieselben Möglichkeiten zu gewähren wie den politischen Gemeinden. Andrea Widmer Graf, Zürich Wollishofen, und weitere Synodale gaben zwar zu bedenken, die Details seien noch zu wenig bekannt und die Folgen eines Parlamentes für das kirchliche Leben unabsehbar. Dennoch beauftragte die Kirchensynode den Kirchenrat ohne Gegenstimme, dem Regierungsrat einen entsprechenden Antrag zu unterbreiten. Die kirchlichen Verantwortungsträger in der Stadt Zürich verfolgen das ambitionierte Ziel, bereits ab 1. Januar 2019 in einer neuen Struktur arbeiten zu können.

Geordnet sparen statt im Hauruck-Verfahren

Im vergangenen Dezember hat die Kirchensynode den Sparvorschlag des Kirchenrates für das Budget 2015 von 3 Mio. Fr. auf 4,5 Mio. Fr. erhöht. In der kurzen Zwischenzeit bis zur Märzversammlung der Kirchensynode war es dem Kirchenrat nicht möglich, eine verbindliche Vorlage zu erarbeiten. Eine ausführliche Information und Diskussion erfolgt dann im Rahmen der Abnahme der Rechnung 2014 in der Kirchensynode vom 30. Juni. Dennoch war es dem Kirchenrat ein Anliegen, kurz über den Zwischenstand der Sparbemühungen zu berichten.

Der für die Finanzen zuständige Kirchenrat Fritz Oesch Oesch erläuterte drei finanzpolitische Ziele, die den Kirchenrat grundsätzlich leiten: eine ausgeglichene Rechnung, ein gestärktes Eigenkapital sowie ein für die Kirchgemeinden massvoller Zentralkassenbeitragssatz. Auf dieser Basis gliedert der Kirchenrat die nötigen Sparbemühungen in drei Teilaufträge: Sofortmassnahmen, mittelfristige Anpassungen im Zuge des Prozesses „KirchGemeindePlus“ sowie drittens einen vertiefteren Umbau der Kirche, der die strategisch-politischen Ziele der kommenenden Legislaturperiode und die Kirchengesetzgebung im Blick hat.

Bezüglich der Sofortmassnahmen verwies Oesch auf verschiedene grössere Sparbeträge, die im Budget 2015 realisiert wurden, darunter 1 Mio. Fr. bei den Personalkosten, 400‘000 Fr. bei den Sachkosten und 800‘000 bei Beiträgen und dort insbesondere bei den Baubeiträgen. Oesch zeigte sich überzeugt, mit diesen Massnahmen für 2015 eine ausgeglichene Rechnung erreichen zu können. Grundsätzlich mahnte er jedoch an, keine unüberlegten „Hauruck-Übungen“ durchzuführen, sondern das Sparen und Abbauen geordnet anzugehen.

Nicht deutschsprachige Kirchen integrieren

Neben den drei Kirchgemeinschaften (französische, italienische und spanische), die in der Landeskirche einen Sonderstatus haben, gibt es im Kanton Zürich über 70 evangelische Migrationskirchen. Zwölf davon stammen aus Europa, die anderen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Acht von ihnen haben im Zentrum für Migrationskirchen im Kirchgemeindehaus Zürich Wipkingen eine Heimat gefunden. Dort fördert eine Koordinationsstelle auch die Vernetzung zu den hiesigen Kirchgemeinden. Da die Zahl dieser Kirchen weiter zunehmen wird, die Landeskirche aber vermehrt sparen muss, forderte ein Postulat von Theddy Probst, Wildberg, die Klärung des Verhältnisses zu den nicht deutschsprachigen Kirchen und deren finanzielle Unterstützung.

In seinem Bericht betont der Kirchenrat, dass die Ausweitung des Modells der Kirchgemeinschaften auf die Migrationskirchen keine Option darstelle, ja dass dieses Modell im Zuge des Prozesses „KirchGemeindePlus“ selber überarbeitet werden müsse. Bezüglich der Migrationskirchen sieht der Kirchenrat keinen finanziellen Unterstützungsbedarf, da diese sich durch Abgabe des „Zehnten“ ihrer Mitglieder und viel ehrenamtliche Arbeit weitgehend selber finanzieren.

Im Blick auf die multikulturelle und vielsprachige Realität im Kanton Zürich streicht der Kirchenrat in seinem Bericht aber deutlich heraus, dass es neue Formen der Integration und der Zusammenarbeit braucht. Den Migrationskirchen sei nicht nur unter dem diakonischen Aspekt zu begegnen, sondern auch unter dem ökumenischen. Viele Migrationskirchen würden einen pfingstlich-charismatischen Frömmigkeitsstil pflegen und wollten einen Beitrag zur Erneuerung des Christentums in der Schweiz leisten. Das sei für die hiesigen Kirchgemeinden gleichermassen herausfordernd wie bereichernd.

Reformationsjubiläum statt Stadtakademie

Aufgrund der Anfrage der Synodalen Jacqueline Sonego-Mettner, Meilen, informierte Kirchenrat Thomas Plaz-Lutz über die Hintergründe des kirchenrätlichen Entscheids, das Projekt Stadtakademie nach der letztjährigen Rückweisung des Geschäfts durch die Kirchensynode nicht mehr weiterzuverfolgen. Plaz-Lutz wies einerseits darauf hin, dass in der Rückweisung zu viele Gründe zusammenkamen, um bei einem weiteren Anlauf Aussicht auf Erfolg zu haben. Anderseits habe sich die finanzielle Situation der Landeskirche in der Zwischenzeit derart verschärft, dass das Risiko für einen Neustart zu hoch sei. Thomas Plaz-Lutz betonte aber auch, dass die Anliegen der geplanten Stadtakademie damit nicht vom Tisch seien, sondern v.a. im Zusammenhang des Reformationsjubiläums aufgenommen würden.

Keine Beschränkung für die Zusammensetzung des Kirchenrates

Eine Motion von Willi Honegger, Bauma, die erreichen sollte, dass die Mehrheit der Mitglieder des Kirchenrates nicht Pfarrerinnen oder Pfarrer sein dürfen, wurde von der Kirchensynode nicht überwiesen. Das Kirchenparlament solle in seiner Auswahl frei sein. Der Kirchenrat wird im kommenden September neu gewählt.