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Ja zu Gemeindefusionen

Die Kirchensynode stimmt zu, in den kommenden Jahren Kirchgemeinden zusammenzulegen.

Nach langer Debatte stimmte die reformierte Kirchensynode an ihrer Versammlung vom 18. September 2012 dem Vorschlag des Kirchenrates zu, den Bestand der Kirchgemeinden in den kommenden Jahren zu reduzieren, um neuen Handlungsspielraum zu gewinnen.

Im November 2010 überwies die reformierte Kirchensynode ein Postulat von Kurt Stäheli. Der Marthaler Synodale und die Mitunterzeichnenden wollten wissen, wie der Kirchenrat die Zusammenarbeit der Kirchgemeinden zu fördern beabsichtige. Die Postulanten gingen bei ihrem Vorstoss davon aus, dass ein sinnvolles Zusammenwirken die kleinen Kirchgemeinden stärken und so den Druck auf Fusionen verringern würde.

Der Kirchenrat hält in seiner Postulatsantwort fest, dass er die Sorge um kleine Kirchgemeinden teilt und dass das Ziel aller Veränderungen optimale Verhältnisse für lebendige Gemeinden sein müsse. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er Fusionen für die beste Form der Zusammenarbeit hält. Grundsätzlich sieht er vier mögliche Formen des Zusammenwirkens: themenspezifische Formen, eine Pfarrunion, ein Zweckverband oder eben Zusammenlegungen.

Der Kirchenrat geht bei seinen Überlegungen vom Faktum aus, dass die Landeskirche in den letzten 40 Jahren von rund 625‘000 Mitgliedern auf eine Mitgliederzahl von 475‘000 geschrumpft ist, die Strukturen aber immer noch dieselben sind. Der Kirchenrat versteht, dass allfällige Gemeindefusionen Ängste auslösen. Er ist aber der Auffassung, dass wichtige Handlungsoptionen verspielt würden, wenn man einfach am bisherigen Strukturprinzip festhalte. Der Erhalt kleiner Gemeinden um jeden Preis könne nicht das vorrangige Ziel sein.

Dem Kirchenrat schwebt gemäss Bericht vor, den heutigen Bestand an Kirchgemeinden bis 2018 auf die Hälfte bis einen Drittel zu reduzieren. Dadurch würden grössere Gemeinden von 5‘000–7‘000 Mitgliedern entstehen, was Freiräume für zukunftsgerichtete Projekte eröffnen, Ressourcen sparen, qualifizierte Stellen ermöglichen und die Besetzung der Behördensitze erleichtern würde. Wichtig ist dem Kirchenrat aber bei alledem, dass das sogenannte «Feinverteilnetz», die kleinräumige kirchliche Präsenz, erhalten bleibt. «Wenn das Leben unsere Struktur überfordert, dann begrenzen wir nicht das Leben, sondern verändern unsere Struktur», fasste Kirchenratspräsident Michel Müller vor der Kirchensynode zusammen.

 

 Ein mutiges Zeichen

Im Grundsatz unterstützten die Fraktionen der Kirchensynode die Sichtweise des Kirchenrates ebenso wie die vorberatende Kommission. Willi Honegger, Präsident der Evangelisch-kirchlichen Fraktion, sprach von einem befreienden Blick auf die Realität, auch wenn er schmerze. Schon das Eingeständnis der Notsituation sei ein mutiges Zeichen. Für den Kommissions-Präsidenten Thomas Maurer tun Änderungen ebenfalls not, auch er plädierte für adäquate und zeitgemässe Strukturen. Selbst Postulant Stäheli räumte ein, dass er ob dem Bericht des Kirchenrates zuerst erschrocken, in der Zwischenzeit aber zur Erkenntnis gekommen sei, dass es grössere Schritte brauche.

In der Debatte gab es dann zum Ganzen wie zu einzelnen Punkten auch Kritik. Für Huldrych Thomann, Benglen, setzt der Kirchenrat ein falsches Zeichen. Zur inhaltlichen Verunsicherung komme nun noch eine strukturelle. Das Herauslösen aus der politischen Struktur würde die Kirchgemeinden schwächen. Statt deren Vielfalt und letztlich das Gemeindeprinzip überhaupt aufzugeben, müsse man inhaltlich dem Mitgliederverlust entgegenwirken. Für Alfred Vogel, Marthalen, braucht es für eine stärkere Regionalisierung kein Zerschlagen der Gemeindestrukturen. In Frage gestellt wurde auch die anvisierte Kirchgemeindegrösse von 5‘000 Mitgliedern. Die Mitgliederzahl dürfe nicht das einzige Kriterium sein, es müssten auch regionale und lokale Unterschiede und das aktuelle Gemeindeleben berücksichtigt werden.

In der Schlussabstimmung wurde das Geschäft mit 94 zu 5 Stimmen aber deutlich gutgeheissen, obschon rund 20 Synodale nicht explizit zustimmen wollten. Für den weiteren Prozess wünschten sich die Synodalen, dass Behörden und Mitarbeitende nicht nur informiert, sondern aktiv einbezogen werden. Ein solcher Prozess müsse zwar gesteuert werden, aber grundsätzlich habe er von der Basis her zu erfolgen, und dafür brauche es auch Anreize.

Jahresbericht 2011 und eine Schweigeminute

An weiteren Geschäften verabschiedete die Kirchensynode den Jahresbericht 2011 der Landeskirche. Schliesslich hielt die Synode nach einer Würdigung durch Synodepräsident Peter Würmli eine Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen früheren Kirchenratspräsidenten Ruedi Reich ab. Unter den verschiedenen Rücktritten, die Präsident Würmli mitzuteilen hatte, war auch sein eigener: Der Synodepräsident tritt nach neun Jahren auf Ende 2012 von seinem Amt zurück, bleibt aber Mitglied des Kirchenparlaments.