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Hohe Ziele für Legislatur

Der Kirchenrat hat der Synode am 14. Juni seine Ziele für die Legislatur 2016-2020 präsentiert.

Das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation und die Reform hin zu einer zukunftsfähigen Kirche stehen in den nächsten vier Jahren zuoberst auf der To-do-Liste der reformierten Zürcher Landeskirche. Die Kirchensynode unterstützte an ihrer Sitzung vom 14. Juni die Legislaturziele 2016–2020 des Kirchenrates. Ja sagte das Kirchenparlament auch zur Rechnung 2015 und zu einem Vorstoss für die Entwicklung einer zentralen Mitgliederdatenbank.

Ohne Gegenantrag nahm das Kirchenparlament zustimmend Kenntnis von den neu formulierten Legislaturzielen des Kirchenrates für die kommenden vier Jahre bis 2020. Unter dem Leitmotiv «Kirche der Zukunft – nahe, vielfältig und profiliert» nennt der Kirchenrat vier Bereiche, denen sein Hauptaugenmerk gelten soll: Reformationsjubiläum, das Projekt «KirchGemeindePlus», die Anpassung von Leitungs- und Führungsaufgaben in den Kirchen sowie Strategieentwicklungen im Bereich Finanzen und Immobilien. Die Beschränkung auf vier klar definierte Bereiche kam beim Kirchenparlament gut an. Frühere Legislaturen wiesen jeweils eine Vielzahl von Zielen auf, deren Erfüllung nicht immer leicht zu messen und zu überprüfen war.

Zum Schwerpunkt Reformationsjubiläum weist der Kirchenrat auf das «Potenzial der Erneuerung» hin, das seit jeher die reformierte Tradition prägt und zum Jubiläum sichtbar gemacht werden soll. Die historischen Grundlagen der Reformation, ihre Wirkung auf Politik, Wirtschaft und Kultur sowie Werte und Wesen der Kirche sollen in der Öffentlichkeit gezielt vermittelt werden. Auch das zweite Legislaturziel, «KirchGemeindePlus», richtet der Kirchenrat auf ein Grossprojekt aus, das für die Zürcher Landeskirche bereits die letzten Jahre prägend war und bei dem nun entscheidende Weichenstellungen anstehen. Bereits an der nächsten Sitzung der Kirchensynode, am 5. Juli, nimmt das Kirchenparlament erneut Stellung zur geplanten Strukturreform, die die Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden zu grösseren Einheiten voranbringen will. Die konkreten Pläne dafür hat der Kirchenrat bereits Ende Mai präsentiert.

Das dritte und vierte Legislaturziel folgen aus den Veränderungen, die der Prozess «KirchGemeindePlus» auslösen wird. Eine veränderte Gestalt der Kirche ruft nach Klärung von Aufgaben und Zuständigkeiten. So will sich der Kirchenrat eine neue Geschäftsordnung geben und einen Vorschlag erarbeiten, wie Landeskirche und Kirchgemeinden künftig zusammenarbeiten. Im Bereich Finanzen und Immobilien will der Kirchenrat einen «Masterplan» erarbeiten und den Finanzausgleich neu gestalten. Ausserdem soll ein Inventar über sämtliche Liegenschaften der Landeskirche erstellt und deren Nutzung optimiert werden.

Rechnung 2015 mit Ertragsüberschuss

Die Kirchensynode genehmigte nahezu diskussionslos die Jahresrechnung 2015 der Zentralkasse. Sie schloss mit einem Ertragsüberschuss von gut 1,3 Millionen Franken, der dem Eigenkapital gutgeschrieben wird. Margrit Hugentobler, Präsidentin der Finanzkommission, und die für das Finanzressort zuständige Kirchenrätin, Katharina Kull-Benz, wiesen darauf hin, dass die Stärkung des Eigenkapitals weiterhin nötig sei, um für finanzpolitische «Stresssituationen» gerüstet zu sein und Ausfälle auffangen zu können. Als drohende Gewitter am Finanzhimmel nannte Margrit Hugentobler die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform, den Mitgliederschwund und die rückläufigen Staatsbeiträge.

Pfarrerinnen und Pfarrer an der Urne wählen

Auf der Traktandenliste standen neben Rechnung und Legislaturzielen weitere Vorstösse aus der Kirchensynode. Thomas Illi, Wolfhausen, und Mitunterzeichnende verlangten mittels einer Motion, das Urnenobligatorium für die Bestätigungswahlen der Pfarrerinnen und Pfarrer aufzuheben. Diese Regelung wurde mit der Kirchenordnung von 2009 eingeführt. Der Motionär begründete seinen Vorstoss damit, dass es bei Wahlen nach diesem Modus «zu nicht voraussehbaren und objektiv unbegründeten Zufallsentscheidungen» kommen könne. Es dürfe nicht sein, dass verdiente und unbescholtene Pfarrpersonen öffentlich mit solchen Resultaten blossgestellt würden. Der Modus sei ausserdem kostspielig und stosse bei den Stimmberechtigten auf Unverständnis, weil nur die von der Kirchenpflege vorgeschlagenen Kandidaten gewählt werden könnten. Die Motion fand die Unterstützung sowohl der Kirchensynode wie auch des Kirchenrates.

Ihre Zustimmung gab die Kirchensynode ausserdem zu einem Bericht des Kirchenrates zur Entwicklung einer zentralen Mitgliederdatenbank, deren Schaffung der Synodale Bernhard Neyer, Volketswil, 2014 mittels Postulat angeregt hatte. Das Projekt will die Zürcher Kirche nicht im Alleingang angehen, sondern in Zusammenarbeit mit anderen Landeskirchen.

Kein Bleiberecht für eine Flüchtlingsfamilie

Kirchenrat Bernhard Egg informierte die Kirchensynode über die Rolle der Kirche im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfamilie, die bis vor Kurzem im Pfarrhaus der Kirchgemeinde Kilchberg beherbergt und am 9. Juni nach langen Verhandlungen nach Russland und Tschetschenien ausgeschafft wurde. Die Kirchgemeinde hat der Familie mehrere Wochen Unterkunft im Pfarrhaus gewährt und sich zusammen mit weiteren Personen für ein Bleiberecht eingesetzt. Dies sei «im besten Sinn als Dienst an den Nächsten» geschehen und ganz im Sinn der Aktion «Fluchtpunkt», die das Engagement der Landeskirche und ihrer Kirchgemeinden für Flüchtlinge angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise hochhalten und verstärken will. Den Bemühungen in Kilchberg sei ein rechtskräftiges Verfahren gegenübergestanden, das schliesslich die Wegweisung der Familie zur Folge hatte. Dies müsse man zur Kenntnis nehmen. «Von Akzeptanz möchte ich nicht sprechen», sagte Bernhard Egg und plädierte als Konsequenz für ein Asylrecht, das mehr Ermessensspielraum zulässt und Härtefälle wie diesen als solche taxiert. Die Kirche habe im Fall von Kilchberg viel getan und deeskalierend gewirkt. Dafür dankte der Kirchenrat den involvierten Personen und machte Mut, sich auch weiterhin für die Menschen einzusetzen: «Das ist Aufgabe und Herausforderung der Kirche.»