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Dank an Notter und Reich

Alt Kirchenratspräsident Ruedi Reich gratuliert seinem Nachfolger Michel Müller zur Wahl.

Die reformierte Kirchensynode hat an ihrer heutigen Versammlung Regierungsrat Markus Notter und alt Kirchenratspräsident Ruedi Reich verabschiedet. Weiter gab der Kirchenrat den Ausstieg aus dem Aidspfarramt bekannt.

Der Vormittag der heutigen Versammlung der Kirchensynode stand ganz im Zeichen der Wahl des neuen Kirchenratspräsidenten Michel Müller (vgl. separates Communiqué). Im Anschluss daran verabschiedete die Kirchensynode Regierungsrat Markus Notter und den vormaligen Kirchenratspräsidenten Ruedi Reich.

Synodepräsident Peter Würmli würdigte den auf Ende Amtsdauer zurücktretenden Direktor der Justiz und des Inneren als wichtigen Partner der Kirchen. Notter habe in seiner 15jährigen Amtsdauer wesentlich dazu beigetragen, dass das Verhältnis zwischen Kirchen und Staat auf eine für beide Seiten zufriedenstellende Weise neu geregelt werden konnte.

Markus Notter bestätigte vor der Kirchensynode, dass er sich diesem Thema mit vollem Engagement gewidmet habe und dass das Finden von tragenden Lösungen und die konstruktive Zusammenarbeit mit den Kirchen zum Erfreulichen seiner Amtszeit gehöre. Notter betonte einmal mehr, dass der Staat von Voraussetzungen lebe, die er nicht selber leisten könne, und dass die Leistungen des Staates an die Kirchen auch von Menschen mitgetragen werden könnten, die nicht dem christlichen Glauben angehören.

Anschliessend würdigte der Synodepräsident die lange und erfolgreiche Präsidentschaft von Ruedi Reich, der im März 1993 ins Amt des Kirchenratspräsidenten gewählt worden ist und Ende 2010 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Im Vordergrund stand dabei ebenfalls die Neuregelung des Verhältnisses zwischen Kirchen und Staat. Reich habe hier als Brückenbauer gewirkt. Würmli betonte aber inbesondere auch Ruedi Reichs Verdienste als Theologe, der sich für die Bewahrung und Erneuerung des reformierten Erbes eingesetzt habe.

Ruedi Reich gab daraufhin seiner Freude Ausdruck, sich persönlich von der Kirchensynode verabschieden zu können. Er rekapitulierte die gesundheitlichen Gründe, die ihn zu seinem vorzeitigen Rücktritt gezwungen haben und dankte der Kirchensynode und auch Markus Notter für die aufbauende und respektvolle Zusammenarbeit.

Landeskirche beendet Mitarbeit im Aidspfarramt

Im Weiteren informierte Kirchenrätin Irene Gysel die Mitglieder der Kirchensynode, dass der Kirchenrat seine Mitarbeit im ökumenischen Aidspfarramt am 30. September 2011 beendet. Das Pfarramt wurde 1986 von der Landeskirche eingerichtet. Gemäss Kirchenrätin Gysel wusste man damals wenig über die Ansteckungswege von Aids. Die Erkrankten seien daher faktisch von der Gesellschaft ausgeschlossen worden und einsam gestorben: «Das Aidspfarramt stand ihnen und ihren Angehörigen bei und leistete vor allem Sterbebegleitung.» Nach einigen Jahren schloss sich die katholische Kirche an, seither teilen sich die beiden Kirchen die Aufgabe.

Unterdessen hat sich die Situation laut Irene Gysel verändert: «Die überwiegende Mehrheit der HIV-Positiven ist gut in die Gesellschaft integriert. Medikamente erlauben ein annähernd normales Leben. Die Dringlichkeit, dass die Landeskirche heute ein Pfarramt ausschliesslich für HIV-positive Menschen führt, ist nicht mehr gegeben.» Der Kirchenrat sei deshalb zur Überzeugung gelangt, dass die Arbeit des Aidspfarramtes reduziert werden könne. Er begrüsse es aber, dass die katholische Kirche bereit ist, die Seelsorge- und Beratungsstelle in kleinerem Umfang weiterzuführen. Seinerseits wolle der Kirchenrat mit den ihm aus der Hilfskasse des Aidspfarramts noch zustehenden Mittel einen Fonds äufnen, aus dem Projekte finanziert werden, die sich der Betreuung von Aidskranken widmen.

Auf der anderen Seite gibt es gemäss Kirchenrätin Gysel immer mehr psychisch Kranke, die in Vereinsamung und Verwahrlosung geraten und von der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden: «Durch den Bettenabbau in den psychiatrischen Kliniken und die schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt seien viele, die Unterstützung und Seelsorge brauchen, auf sich selber gestellt.» Die Landeskirche werde prüfen, ob sich hier eine neue Aufgabe stellt.

Vorsicht bei Sponsoring

Schliesslich legte der Kirchenrat die Antwort auf eine Interpellation von Karl Stengel, Meilen, vor, welche dieser vor dem Hintergrund eines Konfliktes in der Kirchgemeinde Winterthur Seen eingereicht hatte. Der Kirchenrat hält in seinem Bericht fest, dass eine Zusammenarbeit mit kirchennahen und gemeinnützigen Institutionen sinnvoll sein könne, da die Landeskirche ihren Auftrag so besser wahrnehmen könne.

Allerdings sei eine solche Zusammenarbeit nicht unbeschränkt zulässig. Es gelte, den kirchlichen Auftrag und das Verständnis der Kirche als Volkskirche zu beachten. In Bezug auf Fremdfinanzierungen gibt der Kirchenrat zu bedenken, dass Sponsoring zu unerwünschten Abhängigkeiten führen könne.