Message

Christenverfolgung im Irak

Christenverfolgung durch Extremisten des „Islamischen Staat“ hat im Irak einen Höhepunkt erreicht.

Die Christenverfolgung durch die Extremisten des „Islamischen Staates“ (IS) hat am 19. Juli im Irak einen traurigen Höhepunkt erreicht. Mit Flugblättern wurde den noch verbliebenen Christen in der Millionenstadt Mossul ein Ultimatum gestellt: „Flieht, ohne Gepäck, nur mit der Kleidung am Leib, oder wählt aus drei Optionen: Konversion zum Islam, Sondersteuer oder Exekution durchs Schwert.“ Hals über Kopf haben deshalb am Wochenende die letzten 2000 christlichen Familien Mossul verlassen.

Heute ist die zweitgrösste Stadt im Irak „christenfrei“. Erstmals seit 1800 Jahren findet am Sonntag in Mossul (dem ehemaligen Niniveh) kein Gottesdienst mehr statt. Die IS-Terroristen haben die Kreuze demonstrativ von den Kirchenkuppeln entfernt. Einzelne Kirchen wurden zu Moscheen umgewandelt. Andere wurden demoliert oder werden nun als Waffenlager genutzt. Und die Geschäfte und Häuser der Christen wurden geplündert.

Sogar das legendäre Grab des Jona, den die Muslime als Prophet verehren, wurde mit Vorschlaghämmern zerstört. Der Terror scheint keine Grenzen zu kennen und richtet sich auch gegen Schiiten und gemässigte Sunniten.

Die Region um Mossul gilt seit Jahrhunderten als das Zentrum des Christentums im Irak. Vor zehn Jahren lebten im Irak noch eineinhalb Millionen Christen, davon über 50.000 in Mossul. 2013 waren es nur noch 300.000 im gesamten Irak, davon etwa 25.000 in Mossul.

Internationale Proteste

International hat die Vertreibung der Christen aus Mossul heftige Proteste ausgelöst. Der Patriarch der Syrisch-orthodoxen Kirche, Ignatius Aphrem II., appellierte an die internationale Gemeinschaft, "diesen rechtswidrigen Handlungen ein Ende zu setzen". Auch der Weltkirchenrat zeigte sich tief besorgt über die Vertreibung. Der Exodus sei eine Tragödie für Christen und Muslime im Irak. Der Papst hat seinerseits auf dem Petersplatz in Rom zum Gebet für die Christen im Irak aufgerufen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Christenverfolgung scharf verurteilt und als mögliches "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" eingestuft. Aber auch unter Muslimen hat das Vorgehen von IS Abscheu und Empörung ausgelöst. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) nannte die Verfolgung der Christen im Irak ein "unerträgliches Verbrechen" und bot humanitäre Hilfe für die Vertriebenen an.

Flucht in die kurdischen Provinzen

Unter der Schreckensherrschaft leiden aber auch viele andere. Hunderttausende (gemässigte Sunniten, Schiiten, Yeziden, Christen) sind deshalb in die relativ sicheren kurdischen Provinzen geflüchtet. Aber nun droht dort eine humanitäre Katastrophe. „Unsere Region kann die Ankunft von so vielen Flüchtlingen kaum mehr bewältigen, sagt der Ministerpräsident der Regionalregierung Kurdistan.

Weitere Auskünfte: Philippe Dätwyler; Tel. 044 258 92 65; philippe.daetwyler@zh.ref.ch

Petition an die UNO und an die Arabische Liga