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500 Jahre Reformation

Die Kirchensynode will das Reformationsjubiläum 2019 für eine Standortbestimmung nutzen.

500 Jahre Reformation sind nicht genug

 2019 jährt sich die Reformation in Zürich zum 500. Mal. Die reformierte Kirchensynode legte in der letzten Versammlung der zu Ende gehenden Amtsdauer grossen Wert darauf, dass dieses Jubiläum nicht nur gefeiert, sondern auch zum Anlass für einen umfassenden Reflexionsprozess genommen wird.

2019 wird die Zürcher Landeskirche auf 500 Jahre Reformation zurückblicken. Wie soll ein solches Jubiläum begangen werden? Wie will sich die Landeskirche dannzumal präsentieren? Damit nicht nur gefeiert wird, sondern die Gelegenheit auch zur «vertieften Auseinandersetzung mit Fragen von Glaube, Auftrag und Rolle in der Gesellschaft» wahrgenommen wird, hat der Elgger Synodale Matthias Rüsch 2009 ein Postulat eingereicht. Nachdem sich die Kirche in den letzten Jahren im Rahmen der Kirchenordnung mit den Strukturen befasst habe, sei es an der Zeit, sich inhaltlichen Fragen zu stellen. Rüsch wünschte sich einen Prozess mit breiter Beteiligung.

In seiner Antwort weist der Kirchenrat darauf hin, dass mit dem Bekenntnis-Projekt und einer zurzeit laufenden «Milieu-Studie» bereits zwei Prozesse in Gang sind, die es erlauben, sich mit dem persönlichen Glauben und dem gesellschaftlichen Auftrag der Kirche zu befassen. Die Studie will mit einer Analyse der Vielfalt der Lebensstile einer Milieu-Verengung der Kirche entgegenwirken. Das Bekenntnis-Projekt will mit Referenztexten eine zeitgemässe theologische Profilierung erreichen. Daneben sind zahlreiche weitere Projekte und Veranstaltungen vorgesehen. Und schliesslich wird sich auch der Schweizerische Evang. Kirchenbund mit dem Jubiläum befassen.

Der vorbereitenden Kommission, der Religiös-sozialen Fraktion und einzelnen Synodalen, darunter der Postulant, war dies aber zu wenig. Sie vermissten Visionen und Perspektiven und einen breiteren Einbezug der Kirchenmitglieder. Die Mehrheit der Kirchensynode teilte diese Sichtweise und gab dem Synodebüro den Auftrag, die Bildung einer Kommission zu prüfen, obschon der Kirchenrat vor einem Parallelprozess warnte, beispielsweise zu den Legislaturzielen. Aufgabe der Kommission wäre es, «eine Zusammenschau der kirchlichen Arbeit» zu erstellen und «Initiativen zur gesellschaftlichen Position der Landeskirche im Hinblick auf ihren Auftrag» zu entwerfen. Erster möglicher Meilenstein könnte eine Aussprachesynode 2013 sein.

Kloster Kappel: Nach dem Umbau ist vor dem Umbau

Mit grossem Mehr genehmigte die Kirchensynode die Schlussabrechnung zum Projekt «Spiritualität und Gastlichkeit» im Kloster Kappel. Sie schliesst mit rund 8,73 Mio. Fr. knapp 110'000 Fr. unter dem gewährten Kredit ab. Die Ziele des Umbau-Projekts wurden erreicht. Neben baulichen Sanierungen standen insbesondere Massnahmen zur Dämpfung von Lärmimmissionen durch den betrieblichen Verkehr im Vordergrund. Neu erstellt wurden ein Lift und ein Meditationskursraum. Erfreulicherweise erzielte das 2008 unter dem neuen Namen Kloster Kappel wiedereröffnete Bildungshaus der Landeskirche trotz eingeschränktem Betrieb auch in den Umbaujahren Rekordumsätze.

Gleichzeitig sprach die Kirchensynode einen neuen Kredit über 2,88 Mio. Fr. für den Ersatz der Hotelküche im Kloster Kappel. Die heutige Küche ist fast 30 Jahre alt. Sie und daran angeschlossene Räumlichkeiten entsprechen den Vorschriften für Brandschutz, Hygiene und Arbeitssicherheit nicht mehr.

Keine öffentliche Diskussion von Prioritäten

Aus Sorge, wie die landeskirchlichen Angebote bei schwindenden Mitteln zu finanzieren seien, wollten die Geschäftsprüfungs- und die Rechnungsprüfungskommission den Kirchenrat verpflichten, einen Prioritätenkatalog vorzulegen. In seiner Antwort zeigt der Kirchenrat auf, dass er eine solche Priorisierung im Rahmen eines Controllings-Konzepts bereits installiert habe. Er sehe es zudem nicht als zweckmässig an, eine solche Aufstellung öffentlich zu diskutieren.

Männerarbeit soll weitergeführt werden

Während rund 15 Jahren hat Pfarrer Christoph Walser in den Gesamtkirchlichen Diensten der Landeskirche die Männerarbeit aufgebaut und damit eine Pionierleistung erbracht. Männer sind grundsätzlich die kirchlich schwieriger anzusprechende Zielgruppe als Frauen. Walser hat aber gezeigt, dass mit geeigneten Angeboten auch Männer zu kirchlichem Engagement motiviert werden können. Seit dem Weggang von Walser ist die Stelle aus Spargründen vakant. Mit einem Postulat wollte der Synodale Gerold Gassmann darum erreichen, dass die bisher aufgebaute Arbeit nicht wegbricht. In seiner Antwort zeigt der Kirchenrat, dass ihm die Bedeutung der Männerarbeit bewusst ist und dass er Massnahmen prüfen will, wie das Engagement in diesem Bereich weitergeführt werden kann.

Anhaltendes Interesse an den Wurzeln der Täufer

Sieben Jahre nach dem Versöhnungstag mit Täufern in Zürich stattete der 82jährige Mennonit John Ruth Landis aus Pennsylvania der Kirchensynode einen Besuch ab. Sichtlich bewegt vom Schicksal seiner Schweizer Vorfahren berichtete der Autor mehrerer Bücher vom anhaltenden Interesse seiner Landsleute an den Wurzeln der Täuferbewegung und der Reformation. „Ihr Zwingli ist auch unser Zwingli“, rief er den Synodalen zu.

Ende der Amtsdauer

Synodepräsident Peter Würmli verabschiedete schliesslich die zurücktretenden Kirchenrätinnen Helen Gucker und Jeanne Pestalozzi sowie jene Synodemitglieder, die aus dem landeskirchlichen Parlament ausscheiden. Die Kirchensynode wird sich – von 180 auf 120 Mitglieder verkleinert – am 20. September 2011 neu konstituieren.