Message

Mosaik der Religionen 2022

Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre des Forums der Religionen

Seit 2018 bildet das «Mosaik der Religionen» in Zürich den Abschluss der schweizweit durchgeführten Woche der Religionen. Im Mittelpunkt des vom Zürcher Forum der Religionen am Sonntagabend, 13. November, in der St. Anna-Kapelle durchgeführten Mosaiks stand ein Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre des Forums sowie das Gedenken an den 2020 verstorbenen Initiator Peter Wittwer. Unter seiner Ägide rief die damalige "Koordinationsstelle für Ausländerfragen" der Stadt Zürich das Forum mit dem Auftrag ins Leben, den Dialog und die Zusammenarbeit unter den Angehörigen der verschiedenen Religionen im Raum Zürich zu fördern und das gegenseitige Vertrauen zu stärken. In einfühlsamen Worten würdigten Vertretungen der Mitgliederorganisationen, der Geschäftsstelle und des Präsidiums die Verdienste von Peter Wittwer als Brückenbauer zwischen den Religionen und als Mittler zwischen Religionsgemeinschaften und Behörden.  

Ausdrücklich erwähnt wurde in den Einzelvoten Peter Wittwers Unterstützung bei der Suche nach einem Standort für einen Hindu-Tempel (der schliesslich 1994 in Adliswil gefunden wurde), sein Einsatz für die Schaffung islamischer Grabfelder im Friedhof Witikon (2004), sein Bemühen um Arbeitsbewilligungen für Geistliche, die Organisation einer interreligiösen Feier mit dem Dalai Lama auf dem Münsterhof (2005), sowie seine Rolle als Geburtshelfer der Vereinigung Islamischer Organisationen in Zürich (1995) und des Verbands Orthodoxer Kirchen im Kanton Zürich (2014).

Die Wortbeiträge wurden von berührenden Gesängen, Rezitationen und Gebeten aus unterschiedlichen Religionstraditionen begleitet. In der anschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Christoph Meier von der städtischen Integrationsförderung wurden Peter Wittwers Leistungen und Verdienste – die ihn zum Doyen des interreligiösen Dialogs und der Integration nicht-etablierter Religionsgemeinschaften im Raum Zürich machten – in einem ersten Teil noch einmal hervorgehoben und gewürdigt.

In einem zweiten Teil wurden Herausforderungen und Chancen im interreligiösen Dialog thematisiert und Fragen nach der künftigen Relevanz des Forums der Religionen gestellt. Die Teilnehmenden am Podium (Ruth Gellis, Israelitische Cultusgemeinde Zürich; Sakib Halilović, Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich; Dechen Kaning, Vorstand Tibetisches Kulturzentrum Songtsen House Zürich und Branimir Petković, Verband Orthodoxer Kirchen im Kanton Zürich) waren sich einig, dass der religiöse Frieden nicht einfach gegeben ist, sondern im Alltag immer wieder erarbeitet werden muss. Hier spielt das Forum eine wichtige Rolle, indem es Wissen über Religion vermittelt, Einblicke in Sakralräume ermöglicht und direkte Begegnungen mit Angehörigen anderer Religionen mit dem Ziel fördert, Ängste und Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu stärken.  

Der formelle Teil des Abends wurde mit einem Beitrag von Christoph Sigrist abgeschlossen. Der amtierende Präsident des Zürcher Forums der Religionen trat mit einem jungen Apfelbaum auf die Bühne, der zur Erinnerung an Peter Wittwer in dessen ehemaligem Garten des Pfarrhauses zu Predigern eingepflanzt wird. Die Anwesenden wurden eingeladen, ihre Wünsche für den interreligiösen Dialog und das Gute Zusammenleben auf Karten zu notieren und diese an den Baum zu hängen. Die Äpfel, die dereinst am Baum gedeihen werden, stehen für die Buntheit und Vielfalt in unserer Gesellschaft; sie repräsentieren aber auch die Kraft der Liebe und die Botschaft der Erneuerung und Hoffnung. Mit dem Ritual verband Christoph Sigrist die Hoffnung, dass sich die Mitglieder des Forums dereinst im Schatten des Baums treffen und an den Früchten bedienen und erfreuen können.

Im Anschluss an das eindrückliche Ritual waren alle zu einem reichhaltigen Apéro sowie zu einem «Kafichränzli» mit Vertretungen der im Forum einsitzenden Religionsgemeinschaften eingeladen. In bilateralen Gesprächen bot sich die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und sich unerwartete Perspektiven zu erschliessen.