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Kirchensynode: Investieren in Palliative Care

Die Kirchensynode will das Engagement der Reformierten Kirche im Bereich Palliative Care stärken. Das reformierte Kirchenparlament hat einer entsprechenden Postulatsantwort des Kirchenrates am 29. September zugestimmt. Sie bewilligt ausserdem die Finanzierung des Lehrstuhls «Spiritual Care» mit 600 000 Franken für weitere sechs Jahre.

Mediencommuniqué vom 29. September 2020

Die Bedeutung der Kirche rund um die letzten Fragen und ihr seelsorgliches und diakonisches Handeln zugunsten von schwerstkranken und sterbenden Menschen ist wichtig und gesellschaftlich anerkannt, hielt der Kirchenrat fest. In seinem Bericht zeigt er auf, welche Massnahmen seit 2014 ergriffen worden sind und welche es weiterzuführen gilt. Auf grosses Interesse stiessen beispielsweise die in vielen Kirchgemeinden durchgeführten «Letzte-Hilfe-Kurse», die Basiswissen zum Thema Lebensende und Tod vermitteln und den Teilnehmenden Unterstützungsmöglichkeiten von Sterbenden und Angehörigen aufzeigen. Die Kurse tragen mit dazu bei, dass auch im ambulanten Bereich Palliative Pflege ermöglicht wird.

Dazu müsse die Kirche auch genügend Ressourcen bereitstellen, empfahlen Andrea Widmer Graf, vorberatende Kommission, und weitere Synodale in der Debatte. Kirchenrat Andrea Bianca begrüsste die Unterstützung der Kirchensynode, wies aber darauf hin, dass angesichts der wenig verheissungsvollen finanziellen Aussichten mit bestehenden Ressourcen zu arbeiten sein werde.

Im stationären Bereich ist Palliative Care unter Mitwirkung von Spitalseelsorgerinnen und
-seelsorgern im Kanton Zürich bereits gut verankert. Diesen Bereich gilt es gemäss Kirchenrat ebenso zu stärken wie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem medizinischen Personal. Auch die Forschung in diesem Bereich unterstützt die Reformierte Kirche: Seit 2015 finanziert sie zusammen mit der Katholischen Kirche einen Lehrstuhl für «Spiritual Care» an der Universität Zürich. Dieses Engagement an der Schnittstelle von Medizin und Theologie will die Kirchensynode weiterführen. Sie bewilligte die Finanzierung des Lehrstuhls mit insgesamt 600 000 Franken für weitere sechs Jahre.

Über Gott reden

Die Kirchensynode nahm in der Folge die Legislaturziele 2021 – 2024 des Kirchenrates zustimmend zur Kenntnis. «Sorgsam und innovativ» will die Kirche in den nächsten vier Jahre agieren und dies mit einem Fokus auf sechs Bereiche: Über Gott reden, Junge Mitglieder stärken, Umweltbewusst handeln, Sorge tragen, Digitalen Wandel gestalten und Innovation fördern. Alle Schwerpunkte sind mit Massnahmen unterfüttert. Eine der Massnahmen, um vermehrt über Gott zu reden, sieht der Kirchenrat beispielsweise in einer öffentlichen Verständigung über Gott in Anlehnung an die Disputation zu Zwinglis Zeiten, die sich 2023 zum 500. Mal jährt.

Im Umweltbereich setzt sich die Kirche zum Ziel, das Umweltmanagement in den Kirchgemeinden voranzutreiben und verbindlicher zu machen und die theologischen Grundlagen und Bildungsangebote zur Bewahrung der Schöpfung sicherzustellen.

Auch wenn die Kirchensynode sich hinter die formulierten Ziele stellte, setzte sie doch da und dort Frage- und Ausrufezeichen: Christian Meyer, Evangelisch-kirchliche Fraktion, plädierte dafür, als Kirche nicht «über» Gott, sondern vor allem «mit» und «von» ihm zu sprechen – und dabei die Vielfalt der theologischen Zugänge offen zu halten. Matthias Reuter, Fraktionspräsident der Religiös-sozialen Fraktion, nutzte die Diskussion zum Engagement der Kirche im Umweltbereich, um die Frage aufzuwerfen, inwieweit sich die Kirche gerade jetzt in den Abstimmungskampf um die Konzernverantwortungs-Initiative einschalten soll. Er kritisierte dabei den aus seiner Sicht zurückhaltend agierenden Kirchenrat und dessen Hinweis auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben für die Beteiligung öffentlich-rechtlicher Institutionen bei politischen Abstimmungen.

Entscheidung zum Finanzausgleich vertagt

Die Landeskirche will den Finanzausgleich unter den Kirchgemeinden neu ordnen. Eine entsprechende Teilrevision ist in Vorbereitung. Noch bevor die Kirchensynode darüber beraten hat, beauftragte sie den Kirchenrat 2017 mittels Postulat, zu prüfen, den künftigen Finanzausgleich so auszugestalten, dass die Steuerfüsse der Kirchgemeinden stärker angeglichen werden und die «Solidarität» zwischen reichen und ärmeren Kirchgemeinden verstärkt wird. Der Bericht des Kirchenrats zu diesem Vorstoss zeigt unter anderem auf, wie gross die Unterschiede bei den von den Kirchgemeinden festgelegten Steuerfüssen tatsächlich sind: 156 von 171 Kirchgemeinden hatten im untersuchten Zeitraum (2017) einen Steuerfuss zwischen 10 und 14 % festgesetzt. Nur 15 Kirchgemeinden lagen darunter oder darüber. Die Synodalen gingen allerdings nur teilweise materiell auf die Postulatsantwort ein, sondern wiesen sie nach kontrovers geführter Eintretensdebatte an den Kirchenrat zurück. Mehrere Votanten hatten vom Kirchenrat gefordert, erst den neuen Finanzausgleich selbst vorzulegen. Erst dann könne das Postulat abgeschrieben werden. Diese Argumentation fand eine Mehrheit.

Nachfolge von Kirchenrat Daniel Reuter

Für den auf Ende Jahr zurücktretenden Kirchenrat Daniel Reuter empfahl dessen Evangelisch-kirchliche Fraktion ihren Kandidaten für den freiwerdenden Sitz: Oliver Madörin, Pfarrer in Hinwil und Mitglied der Kirchensynode, will am 24. November für das Amt in der siebenköpfigen Exekutive der Zürcher Landeskirche kandidieren. Fraktionspräsident Willi Honegger empfahl ihn bereits jetzt zur Wahl.