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Abstimmung Kirchenordnung: Eine zukunftsfähige Grundlage für die Landeskirche

Am Abstimmungssonntag vom 23. September befinden die stimmberechtigten Mitglieder der reformierten Landeskirche über die Teilrevision ihrer Kirchenordnung. Im Vordergrund stehen dabei eine stärkere Mitgliederorientierung und neue Regelungen für die Pfarrerinnen und Pfarrer. Anlässlich einer Medienkonferenz wurden die wichtigsten Änderungen vorgestellt.

 

Am 23. September stimmt die reformierte Landeskirche über die Teilrevision der Kirchenordnung ab. Damit kommt ein fast dreijähriger Prozess, der eine breite Vernehmlassung und eine Reihe von Parlamentsdebatten umfasste, zu einem vorläufigen Abschluss. Kirchenratspräsident Michel Müller betonte am Dienstag vor den Medien, dass mit der revidierten Kirchenordnung eine zukunftsfähige Rechtsgrundlage vorliege, die den Auftrag der Landeskirche im Dienste der Menschen und der Gesellschaft unterstütze und fördere.

Die Überarbeitung der Kirchenordnung war einerseits nötig geworden, weil Anpassungen ans übergeordnete Recht – insbesondere das revidierte Kirchengesetz und das neue Gemeindegesetz – vorgenommen werden mussten. Anderseits brauchte es neue Rahmenbedingungen für jene Kirchgemeinden, die sich im Zuge des Prozesses «KirchGemeindePlus» zu grösseren Einheiten zusammenschliessen. Und nicht zuletzt wurde die Teilrevision auch genutzt, um Teile der kirchlichen Praxis besser an die Lebenswirklichkeit der Mitglieder anzupassen.

Während die meisten Revisionspunkte unbestritten sind, wurde die Frage der künftigen Pfarrstellenzuteilung in den parlamentarischen Debatten intensiv diskutiert. Die neue Regelung sieht vor, dass die Kirchgemeinden im Verhältnis zur Mitgliederzahl in Zehnprozent-Schritten Pfarrstellen zugeteilt bekommen, wobei ein Minimum von 50 Stellenprozenten garantiert ist. Durch dieses lineare Vorgehen wird die Zuteilung ingesamt fairer und transparenter; der Kirchenrat gibt Ermessensspielraum zugunsten der Kirchgemeinden und der Pfarrschaft ab.
Kirchenratspräsident Michel Müller räumte ein, dass dadurch ein Ausgleich zugunsten der bislang schlechter gestellten grösseren Gemeinden erfolge. Er betonte aber zugleich, dass es durch den Mitglieder- und damit Ressourcenverlust der Landeskirche unklug sei, einfach alles beim Alten zu lassen: «Durch den Mitgliederverlust von einem Drittel in den letzten Jahrzehnten haben wir ein fundamentales Strukturproblem. Die Teilrevision der Kirchenordnung schafft den Raum dafür, dass inhaltlich Neues entwickelt und Bewährtes erhalten werden kann.»


Margrit Hugentobler, Präsidentin der Finanzkommission der Kirchensynode und Kirchenpflegepräsidentin in Pfäffikon, unterstrich die Dringlichkeit von Massnahmen zur Finanzsteuerung. Die Pfarrstellenzuteilung sei dafür ein wichtiges Mittel: «Die Synode hat in den vergangenen Jahren im Rahmen der Budgetdebatten immer wieder eine ‹Reformation› der ganzen Pfarrstellenzuteilung gefordert ‒ im Blick auf absehbare oder unberechenbare Ereignisse, welche die Finanzströme beeinflussen werden.»

Margrit Hugentobler betonte auch, dass die Kirchensynode in dieser Hinsicht ihre Verantwortung wahrgenommen und sich nicht von Einzelinteressen haben leiten lassen. Der Auftrag zur Teilrevision sei letztlich vom Parlament gekommen und der vorliegende Entwurf, der eine zeitgemässe Grundlage darstelle, sei mit deutlichem Mehr gutgeheissen worden.

Der Mitgliederverlust stellt die Landeskirche aber nicht nur bezüglich Ressourcen vor grosse Herausforderungen, sondern auch im Blick auf ihre gesellschaftliche Relevanz und ihr Selbstverständnis als Volkskirche. Kirchenrat Andrea Marco Bianca zeigte auf, dass im Rahmen der Teilrevision deshalb auch Anpassungen vorgenommen wurden, welche die Bedürfnisse der Mitglieder betreffen. So erhalten die Pfarrerinnen und Pfarrer mehr Ermessensspielraum bei der Gestaltung von Taufen, Trauungen und Abdankungen. Eine Trauung beispielsweise könne künftig auch an einem Ort ausserhalb der Kirche stattfinden. «Die Kirche hat in den letzten Jahren im Bereich Kasualien und Rituale breite Konkurrenz von privater Seite erhalten, was nicht zuletzt auf die starke Fokussierung auf das Kirchengebäude zurückzuführen ist. Selbstverständlich liegt es dann in der Verantwortung der Pfarrerinnen und Pfarrer, dass solche Feiern nicht einfach zu ‹Events› verkommen, sondern ihren Charakter als reformierter Gottesdienst behalten», betonte Bianca.

In Richtung stärkere Mitgliederorientierung geht gemäss Bianca auch, dass die Kirchgemeinden aufgrund eines Vorstosses aus der Kirchensynode künftig verpflichtet werden, die Zeitung «reformiert» allen Mitgliedern unentgeltlich zuzustellen. Zudem werden die Kirchgemeinden verpflichtet, Initiativen von Gemeindemitgliedern zu fördern: «Das Ziel ist, unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Lebenswelten zu ermutigen, das Gemeindeleben aktiv und nach ihren Vorstellungen mitzugestalten. Ihre Initiativen tragen zur Vielfalt des kirchlichen Lebens bei. Nur wenn es der Kirche gelingt, diese Vielfalt und damit die Vielfalt der ganzen Gesellschaft in die Kirche zu integrieren, wird sie auf eine florierende Zukunft zugehen. Die neue Kirchenordnung ist wichtiger Meilenstein auf diesem Weg.»

Daten Informationsveranstaltungen

Flyer zur Abstimmung

Die wichtigsten Änderungen – ein Argumentarium