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Gemeinsam stark sein! Dank an Benno Schnüringer

Nach elf Jahren tritt Benno Schnüriger als Präsident des Synodalrats (Exekutive der Zürcher Katholikinnen und Katholiken) ab. Eine Würdigung von Kirchenratspräsident Pfr. Michel Müller.
Benno Schnüriger half mir, mein eigenes Amt als Kirchenratspräsident der reformierten Kirche besser zu verstehen. Zunächst, weil er schon da war, vier Jahre bereits im Amt, und ich als Neuling für jede Person dankbar war, die mich wohlwollend und hilfsbereit ins Amt einführte. Dann wurde ich immer wieder als sein reformierter Amtskollege vorgestellt, was stimmte und auch wieder nicht.

Unsere Titel sind nicht nur verschieden, weil die Reformierten bei der Erarbeitung des neuen Kirchengesetzes den Katholiken nicht denselben Titel zugestehen wollten. Sondern weil es eben auch nicht das gleiche Amt ist. Unsere Kirchen sind anders aufgebaut. Immer wenn es theologisch oder geistlich wurde, wenn ich mich als Pfarrer und Theologe erst richtig auf vertrautem Gelände fühlte, übergab Benno das Thema an den Generalvikar, den Vertreter des Bischofs.

Benno wusste zu unterscheiden zwischen theologischen und organisatorisch-juristischen Themen, bei denen er sich als «Apparatschik», wie er sich immer wieder selbstironisch bezeichnete, zu Hause fühlte. Ich dagegen musste mich jeweils auf beiden Gebieten bewegen, weil unsere Kirche nicht der lokale Teil einer Weltkirche ist, sondern sich ganz als eigenständige Kirche versteht, sozusagen «autokephal». Der Kirchenrat, den ich präsidiere, ist gewissermassen Bischof und Synodalrat zusammen, wobei dann bei uns Reformierten die Kirchensynode noch ein gewichtiges theologisches und organisatorisches Wort mitredet, oder sogar die zentralen Rahmenbedingungen im Auftrag des Kirchenvolks beschliesst.

Manchmal kommt sich da die reformierte Zürcher Kirche schon ganz wichtig vor, wo umgekehrt sich eben Benno Schnüriger bewusst war, dass auch Zürich nur Teil der weltweiten Christenheit ist. Ausgerechnet er, der selber ja ein echter Zürcher ist, wiederum im Unterschied zu mir, der ich zwar ein echter Reformierter bin, aber zugleich aus dem reformierten Kanton Baselland eingewandert. So verköpern wir die Gegenwart, die nicht mehr von eindeutigen Zuschreibungen lebt wie die Schweiz noch vor 50 oder 150 Jahren.

Ich sah also bei Benno, dass man ein Amt ernst nehmen und mit grossem Engagement ausüben kann, aber zugleich bescheiden bleibt in der Einschätzung der eigenen Bedeutung. Mit seiner eigenen Leidenschaft und seinen eigenen Gaben wollte er der Kirche dienen, als Jurist und Organisationsberater, genau so, wie er in der Combo-Band im Hintergrund als Bassist spielt.

Und das war für die Ökumene gerade dann sehr hilfreich, wenn wir uns gemeinsamen Herausforderungen stellen mussten, etwa bei der Abstimmung über die juristischen Kirchensteuern. Gemeinsam waren wir stark, und das hatte auch etwas mit seiner pragmatischen Haltung zu tun. Bei ihm ging es nicht immer sogleich ums Grundsätzliche, wie ich es bei Reformierten oft erlebe, die alles theologisch grundsätzlich hinterfragen müssen.

Das Grundsätzliche überliess er grosszügig der Weltkirche. Überhaupt blieb er grosszügig bei vielen Diskussionen. Das hatte natürlich auch damit zu tun, dass er während unserer ersten gemeinsamen Jahre von der Umverteilung der Staatsbeiträge von der reformierten Kirche zur Römisch-katholischen Körperschaft profitierte. Er konnte sich die Grosszügigkeit auch erlauben, und tat es. Dass plötzlich die Reformierten da und dort die Bittsteller waren, nutzte er nicht aus, und dafür war ich dankbar, hatte ich doch mit der Kränkung im eigenen reformierten Haus einiges zu tun.

Die Kirche darf ihrem Diener dankbar sein, die katholische, die vielleicht da und dort gar nicht gemerkt hat, wie wertvoll eben gerade einer ist, der die Füsse auf dem Boden hat, seinen eigenen Glauben auch in schweren Zeiten bewahren muss, der zugleich vieles vertrauensvoll der Geistlichkeit überlässt.

Aber auch wir Reformierten, die einen Synodalratspräsidenten als Gegenüber hatten, der aus der Liebe heraus die reformierte Kirche kennt, weil er gewissermassen mit ihr verheiratet ist ...


:: Link zur Würdigungsschrift: http://www.zhkath.ch/infoblatt