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Empfehlungen an die Kirchgemeinden für den Winter 2022/23

Allgemeine Lage in den verschiedenen Bereichen

Stand 23. November

Energieknappheit
Von Bund und Kantonen gab es in diesem Bereich bisher noch keine generelle Entwarnung. Die Situation bleibt ungewiss und die weitere Entwicklung ist abzuwarten. Dennoch gehen die Einschätzungen der Behörden zurzeit dahin, dass die schlimmsten Befürchtungen mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht eintreffen werden und nicht mit einer Energiemangellage grösseren Ausmasses gerechnet werden muss. Der landeskirchliche Krisenstab geht zurzeit davon aus, dass kontrollierte Abschaltungen, sofern sie überhaupt notwendig werden, mit organisatorischen Massnahmen gut bewältigt werden könnten. Ein Risiko bleiben hingegen unkontrollierte, länger dauernde Stromausfälle (Blackouts). Für diesen Fall wird in den Gesamtkirchlichen Diensten zurzeit evaluiert, welche Geschäftsprozesse auch in einer solchen Situation unbedingt aufrechterhalten werden müssen. Der Krisenstab empfiehlt den Kirchgemeinden, diese Vorkehrung auch für sie selber zu treffen (vgl. auch Empfehlungen unten hinsichtlich Priorisierung der Aufgaben).

Diakonische Hilfe
Selbst wenn keine Energiemangellage eintritt, können die teils markant gestiegenen Energiepreise jene Personen, die bereits zuvor in finanziell prekären Verhältnissen lebten, in ernsthafte Bedrängnis bringen. Wie bereits in den Empfehlungen vom September erwähnt, haben die Kirchgemeinden gute Möglichkeiten, betroffenen Menschen Entlastungs-Angebote zu machen. Aus diakonischer Perspektive empfiehlt es sich, achtsam hinzuschauen, die Situation vor Ort sorgfältig einzuschätzen und bei Bedarf gut vernetzte Unterstützungsmöglichkeiten bereitzustellen. Der Kirchenrat weist dazu auf ein Merkblatt der Evangelischen Kirche Schweiz EKS hin, das entlang dem Vierschritt «Vorbereitet sein – Hinschauen – Vernetzen – Beraten und unterstützen» konkrete Empfehlungen zum Bereich «Diakonische Handlungsmöglichkeiten für Kirchgemeinden angesichts der drohenden Energiemangellage» gibt.

Flüchtlingssituation
Der Krieg in der Ukraine ist nach wie vor im Gange, ein Ende ist nicht in Sicht. Die insbesondere in der Ostukraine über weite Strecken zerstörte Infrastruktur könnte in den Wintermonate neue Fluchtbewegungen Richtung Westen und damit auch in die Schweiz auslösen. Parallel dazu steigt seit einiger Zeit auch die Zahl der regulären Asylgesuche aus anderen Ländern. Die vom Bund betriebenen Unterkünfte kommen bereits an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Bund hat darum seit Ende Oktober die Zuweisungen an die Kantone beschleunigt. Mit einer Verzögerung von einigen Wochen und Monaten werden auch die Gemeinden mit der Aufnahme von neuen Geflüchteten rechnen müssen. Der Kirchenrat lädt die Kirchgemeinden deshalb erneut ein, sich mit den politischen Behörden in der Gemeinde zu vernetzen und sich zu überlegen, welchen Beitrag die Kirchgemeinde mit Hilfe von Freiwilligen bei der Aufnahme und Begleitung von Geflüchteten leisten können.

Covid-19
Die überaus warmen Temperaturen der vergangenen Wochen haben die zunächst befürchtete Herbstwelle ausbleiben lassen. Auch wenn die wirklich kalten Monate erst bevorstehen, gibt es zurzeit keine Anzeichen für erneute Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Geistliche Unterstützung
Die sich derzeit überlagernden (internationalen) Krisen verursachen vielen Menschen ein Gefühl der Ohnmacht und der Niedergeschlagenheit, auch wenn sie selber nicht direkt von einer Notlage betroffen sind. Anderen Menschen in dieser Situation so weit möglich beizustehen, hilft nicht nur diesen, sondern kann einem auch selber mit Hoffnung und Zuversicht erfüllen. Hilfreich ist aber auch Zuspruch von aussen, sei es in direkten Gesprächen, im Gottesdienst oder durch Lektüre. In diesem Sinne weist der Kirchenrat gerne auf die folgenden, teils bestehenden, teils kommenden Angebote hin, für sich selber, aber auch – ggf. adaptiert – zur Weiterverbreitung in Ihrer Gemeinde:

-  App from(m)
-  «Wort zum Tag», auch mit Beiträgen aus der Zürcher Landeskirche (www.zhref.ch oder www.wortzumtag.ch)
Büchlein mit Gebeten aus der Ukraine und dem Basler Gebetbuch
-  Online-Adventskalender der EKS, auch einsehbar über die landeskirchliche Website (www.zhref.ch)
-  Weihnachtsbrief des Kirchenrates
-  Neujahrspredigt von Kirchenratspräsident Michel Müller am 1. Januar 2023 im Grossmünster

Empfehlungen an die Kirchgemeinden vom 10. September 2022

Der Kirchenrat empfiehlt den Kirchgemeinden, sich in den Behörden und Gremien im Blick auf den kommenden Winter mit möglichen Szenarien auseinanderzusetzen, indem sie sich mit den nachstehenden Themen befassen und kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen planen:

Sorgsamer Umgang mit Energie

Der Kirchenrat empfiehlt die Prüfung der Energiequellen und die Planung von Massnahmen zur Reduktion des Verbrauchs: Z.B. Umschaltung von Gas auf Öl (falls möglich), Absenkung der Temperatur in Gebäuden (in Kirchen ist wegen Orgeln und Audioanlagen die Luftfeuchtigkeit zu beachten), Schliessung wenig genutzter Gebäudeteile, die Verlegung von Gottesdiensten in Kirchgemeindehäuser, Abschalten der Kirchen- und anderer Aussenbeleuchtungen (auch als Signal an die Bevölkerung), Ausschalten ungenutzter Geräte (kein Stand-by), Kontrolle des Lüftverhaltens (Stosslüften statt Dauerlüften). Spitzt sich die Situation zu, sind auch regionale Gottesdienste denkbar.

Geprüft werden können auch mittel- und längerfristige Massnahmen: Ersatz von fossilen Energieträgern durch erneuerbare, Beschaffung mobiler Solaranlagen, energetische Gebäudesanierungen, automatische Lichtabschaltungen. Zum jetzigen Zeitpunkt könnten solche Vorhaben und auch die zu erwartenden höheren Energiekosten noch im Budget 2023 berücksichtigt werden.

Achtung bei energieabhängiger Infrastruktur

Sollte die Situation temporäre Stromabschaltungen erfordern, ist dies in den Betriebsabläufen zu berücksichtigen. Z.B. lassen sich elektrische Schiebetüren dann ggf. nicht mehr öffnen, Lifte nicht mehr nutzen und Lüftungen nicht mehr bedienen. Auch Lebensmittel in Kühlräumen bleiben bei einem Stromunterbruch nur für eine gewisse Zeit schadenfrei.

Zudem werden Websites, E-Mails und Telefon bei Stromunterbrüchen möglicherweise nicht mehr funktionieren. Es empfiehlt sich deshalb, analoge Mitteilungswege zu planen: Beispielsweise können erforderliche Listen vorsorglich ausgedruckt, Plakatstelen aufgestellt oder Schaukästen intensiver genutzt werden. Sinnvoll ist auch, sich über die Notfalltreffpunkte in der Gemeinde zu informieren (www.notfalltreffpunkt.ch). Falls ein längerer Stromunterbruch auch die elektronische Kommunikation zu Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten einschränkt, sind diese Treffpunkte hilfreich. Der Kirchenrat empfiehlt auch, zur Absprache möglicher Kooperationen mit der politischen Gemeinde Kontakt aufzunehmen.

Angebotsplanung

Wie schon bei der Pandemie hilft das Denken in Szenarien, eine mögliche Priorisierung der Angebote vorwegzunehmen. Der Kirchenrat empfiehlt, sich im Sinne einer Reduktion auf das Wesentliche zu überlegen, welche Angebote und Veranstaltungen unter erschwerten Bedingungen vorübergehend sistiert und welche auf jeden Fall beibehalten oder gar verstärkt werden sollen.

Die steigenden Energiepreise und Lebenshaltungskosten könnten nicht wenige Menschen, die schon heute am Rande des Existenzminimums oder darunter leben, in Schwierigkeiten bringen. Der Bedarf für die diakonische und seelsorgliche Begleitung dieser Menschen könnte in dieser Situation steigen. Die Kirche steht in der Pflicht, in Krisensituationen ihr Möglichstes zu tun, um Schmerz und Not zu lindern. Dazu kann bspw. auch die Einrichtung von zusätzlichen Begegnungsmöglichkeiten oder das Anbieten warmer Mahlzeiten dienen. Grundsätzlich könnte also eine vorsorgliche Massnahme sein, gefährdete Zielgruppen und vulnerable Personen in der Gemeinde zu evaluieren und sich zu überlegen, wie sie erreicht werden können.


:: PDF dieser Empfehlungen des Kirchenrats