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Empfehlungen an die Kirchgemeinden für den Winter 2022/23

Derzeit ist nicht absehbar, wie der Winter 2022/23 verlaufen wird. Ungewiss ist, welche Konsequenzen der Krieg in der Ukraine für das Leben der Menschen in der Schweiz haben wird. Die Preise für Gas und Strom sind bereits gestiegen und könnten noch weiter steigen, was sich generell auf Betriebskosten und auf die Lebenshaltungskosten auswirkt sowie für Einzelne das Armutsrisiko erhöht. 

Vor allem im Spätwinter 2023 könnte eine Energiemangellage eintreten, die für die Bevölkerung und die Wirtschaft je nach Ausprägung einschneidende Folgen hat. Hinzu kommt, dass aufgrund der massiven Zerstörungen der zivilen Infrastruktur in der Ostukraine die Zahl der Flüchtlinge witterungs- und kältebedingt wieder zunehmen könnte.

Ausserdem kann es im Herbst und Winter wieder zu einem Anstieg der Covid-19-Erkrankungen und damit zu einer erneuten Belastung des Gesundheitssystems kommen. Dies könnte die staatlichen Behörden erneut veranlassen, geeignete Schutzmassnahmen zu ergreifen.

Diese Faktoren werden die Kirchgemeinden u.U. herausfordern und es anspruchsvoller machen, die Tätigkeiten und Angebote (den "Betrieb") aufrechtzuerhalten. Zugleich wird die Kirche als Ganzes in diakonischer und seelsorglicher Hinsicht stärker gefragt sein.

Vor diesem Hintergrund hat die Evang.-ref. Kirche Schweiz EKS eine neue Task Force eingerichtet, um die Bedrohungslage aus thematisch übergreifender Perspektive zu bearbeiten. Die EKS ist auch mit Bundesstellen in Kontakt. Dort wird zurzeit an einem Stufen-Plan bez. Gas- und Strommangellage gearbeitet. Grob gefasst sind dies folgende vier Stufen: 1. Sparappelle, 2. Einschränkung nicht zwingend benötigter Geräte und Anlagen, 3. Kontingentierung, 4. Netzabschaltungen.

Auch die Kantone erarbeiten zurzeit Notfallpläne, so auch der Kanton Zürich. Wie schon im Falle der Pandemie erachtet es der Kirchenrat deshalb als zweckmässig, ebenfalls einen «Krisenstab Winter 2022/23» einzurichten, um auf kantonaler Ebene schnell und flexibel agieren zu können. Von Seiten des Kirchenrates nehmen Kirchenratspräsident Michel Müller und Kirchenrätin Margrit Hugentobler darin Einsitz. Dem Krisenstab gehören zudem die Mitglieder der Geschäftsleitung an. Bei Bedarf werden weitere Mitarbeitende der Gesamtkirchlichen Dienste oder Personen aus anderen Behörden beigezogen.

Der Kirchenrat empfiehlt den Kirchgemeinden, sich in den Behörden und Gremien bereits heute mit möglichen Szenarien auseinanderzusetzen. Sie erhalten dazu eine Reihe von Empfehlungen zu einzelnen Themenbereichen (s. unten).

Noch ist wie erwähnt unklar, wie sich die Situation entwickeln wird. Es ist auch möglich, dass die Schwierigkeiten weniger gross sein werden, als heute mancherorts vermutet wird. Der Kirchenrat dankt den Behörden und Mitarbeitenden in den Kirchgemeinden aber, wenn sie gleichwohl vorausschauend agieren, sich auf mögliche Eventualitäten vorbereiten, die Auswirkungen der verschiedenen Faktoren bedenken und mögliche Vorkehrungen schon jetzt treffen.

Auch wenn die Schweiz in den kommenden Monaten wirtschaftlich stärker vom Ukraine-Krieg betroffen sein wird als bisher,  soll nicht vergessen werden, dass andere Länder – insbesondere im globalen Süden – noch viel mehr unter den Folgen des Konflikts zu leiden haben und mit Hungersnöten konfrontiert sind – oder wie zurzeit Pakistan mit anderen Katastrophen zu kämpfen haben. Auch in schwieriger Zeit wollen wir als Kirche die Solidarität mit der Welt im Blick behalten.


Empfehlungen an die Kirchgemeinden

Der Kirchenrat empfiehlt den Kirchgemeinden, sich in den Behörden und Gremien im Blick auf den kommenden Winter mit möglichen Szenarien auseinanderzusetzen, indem sie sich mit den nachstehenden Themen befassen und kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen planen:

Sorgsamer Umgang mit Energie

Der Kirchenrat empfiehlt die Prüfung der Energiequellen und die Planung von Massnahmen zur Reduktion des Verbrauchs: Z.B. Umschaltung von Gas auf Öl (falls möglich), Absenkung der Temperatur in Gebäuden (in Kirchen ist wegen Orgeln und Audioanlagen die Luftfeuchtigkeit zu beachten), Schliessung wenig genutzter Gebäudeteile, die Verlegung von Gottesdiensten in Kirchgemeindehäuser, Abschalten der Kirchen- und anderer Aussenbeleuchtungen (auch als Signal an die Bevölkerung), Ausschalten ungenutzter Geräte (kein Stand-by), Kontrolle des Lüftverhaltens (Stosslüften statt Dauerlüften). Spitzt sich die Situation zu, sind auch regionale Gottesdienste denkbar.

Geprüft werden können auch mittel- und längerfristige Massnahmen: Ersatz von fossilen Energieträgern durch erneuerbare, Beschaffung mobiler Solaranlagen, energetische Gebäudesanierungen, automatische Lichtabschaltungen. Zum jetzigen Zeitpunkt könnten solche Vorhaben und auch die zu erwartenden höheren Energiekosten noch im Budget 2023 berücksichtigt werden.

Achtung bei energieabhängiger Infrastruktur

Sollte die Situation temporäre Stromabschaltungen erfordern, ist dies in den Betriebsabläufen zu berücksichtigen. Z.B. lassen sich elektrische Schiebetüren dann ggf. nicht mehr öffnen, Lifte nicht mehr nutzen und Lüftungen nicht mehr bedienen. Auch Lebensmittel in Kühlräumen bleiben bei einem Stromunterbruch nur für eine gewisse Zeit schadenfrei.

Zudem werden Websites, E-Mails und Telefon bei Stromunterbrüchen möglicherweise nicht mehr funktionieren. Es empfiehlt sich deshalb, analoge Mitteilungswege zu planen: Beispielsweise können erforderliche Listen vorsorglich ausgedruckt, Plakatstelen aufgestellt oder Schaukästen intensiver genutzt werden. Sinnvoll ist auch, sich über die Notfalltreffpunkte in der Gemeinde zu informieren (www.notfalltreffpunkt.ch). Falls ein längerer Stromunterbruch auch die elektronische Kommunikation zu Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten einschränkt, sind diese Treffpunkte hilfreich. Der Kirchenrat empfiehlt auch, zur Absprache möglicher Kooperationen mit der politischen Gemeinde Kontakt aufzunehmen.

Angebotsplanung

Wie schon bei der Pandemie hilft das Denken in Szenarien, eine mögliche Priorisierung der Angebote vorwegzunehmen. Der Kirchenrat empfiehlt, sich im Sinne einer Reduktion auf das Wesentliche zu überlegen, welche Angebote und Veranstaltungen unter erschwerten Bedingungen vorübergehend sistiert und welche auf jeden Fall beibehalten oder gar verstärkt werden sollen.

Die steigenden Energiepreise und Lebenshaltungskosten könnten nicht wenige Menschen, die schon heute am Rande des Existenzminimums oder darunter leben, in Schwierigkeiten bringen. Der Bedarf für die diakonische und seelsorgliche Begleitung dieser Menschen könnte in dieser Situation steigen. Die Kirche steht in der Pflicht, in Krisensituationen ihr Möglichstes zu tun, um Schmerz und Not zu lindern. Dazu kann bspw. auch die Einrichtung von zusätzlichen Begegnungsmöglichkeiten oder das Anbieten warmer Mahlzeiten dienen. Grundsätzlich könnte also eine vorsorgliche Massnahme sein, gefährdete Zielgruppen und vulnerable Personen in der Gemeinde zu evaluieren und sich zu überlegen, wie sie erreicht werden können.


:: PDF dieser Empfehlungen des Kirchenrats