Message

Teilen, was uns zuinnerst bewegt

Diakonie & Seelsorge

Zuhören und Mut machen.
Was Seelsorge heute bedeutet und warum nicht nur Profis gefragt sind.

Ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte der Menschen, Begleitung und Betreuung in wichtigen und schwierigen Lebensphasen – gerade auch kirchlich nicht gebundene Menschen halten dieses Engagement der Kirche für wertvoll für die ganze Gesellschaft. Was beinhaltet dieser Auftrag genau? Und was zeichnet die reformierte Art der Seelsorge aus? Rita Famos hat als Pfarrerin Antworten aus eigener Erfahrung und als Leiterin der Abteilung Spezialseelsorge mit über 100 Mitarbeitenden den Überblick.

Rita Famos, was heisst für Sie Seelsorge?

Seelsorge passiert, wenn Menschen miteinander teilen, was sie zuinnerst bewegt. Sie geschieht dann, wenn Menschen miteinander ausharren, auch wenn die Situation sie sprachlos macht. Und Seelsorge ereignet sich, wenn Menschen sich gemeinsam herantasten an Möglichkeiten, mit einer fordernden Situation umzugehen, und sich Gott nähern, der der Grund ist, auf dem wir stehen können.

Was leitet Sie als reformierte Pfarrerin bei dieser Aufgabe? Gib es einen reformierten Weg der Seelsorge?

Seelsorge ist dann reformiert, wenn der Glaubensgrund, auf dem der Seelsorger, die Seelsorgerin steht, die reformierte Theologie und Glaubenstradition ist. Sie ist gekennzeichnet durch das altmodische Wort Gnade, das meint: Du bist erst einmal einfach geliebt und geachtet, so wie Du bist. Sie ist gekennzeichnet durch das Priestertum aller Glaubenden, was bedeutet, dass alle ihren Nächsten zu Seelsorgenden werden können. Sie ist reformiert, weil hinter dem Seelsorger die Reformierte Kirche steht, die mit ihrer Gemeinschaft die Seelsorge trägt.

Es könnnen also alle Menschen zeitweilig zum Seelsorger, zur Seelsorgerin werden?

Die Bibel ruft alle Menschen auf, einander die Last zu tragen, oder mit den Fröhlichen zu lachen und mit den Weinenden zu weinen. In diesem Sinn bin ich, egal ob Profi oder nicht, gerufen, mit meinem Mitmenschen zu teilen, was ihn bewegt und mit ihm auf einem gemeinsamen Glaubensweg zu sein. Als Laie weiss ich, dass ich einen Seelsorgeprofi beiziehen kann, wenn die Situation mich überfordert. Dieser wird mit grösserer Erfahrung und einem methodischen Wissen Menschen begleiten. Als Seelsorgeprofi weiss ich umgekehrt, dass hinter mir eine Gemeinschaft von Menschen steht, die Menschen in Not im Alltag begleiten kann. Seelsorge ist nie ein Einzelunternehmen, sie geschieht im Miteinander von Pfarrpersonen, Sozialdiakoninnen und Sozialdiakonen, freiwillig Engagierten und den Gemeindegliedern.

Bei der Seelsorge in Kliniken und anderen Institutionen geht die Zusammenarbeit auch über die reformierte Kirche hinaus…

Ja, da geschehen alle Seelsorgeangebote in ökumenischer Zusammenarbeit. In Spitälern, Psychiatrischen Kliniken, in Gefängnissen, in Asylzentren sowie in der Bahnhof- und Flughafenkirche. Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger sind überdies für Blaulicht-Organisationen rund um die Uhr abrufbar. So stellen wir sicher, dass alle Menschen, die uns brauchen, uns auch finden. Und überall arbeiten unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger auch mit anderen Professionen zusammen: mit Spitex und Hausärzten, mit Pflegefachleuten und Psychologinnen, mit Sozialämtern und Hilfsorganisationen.

Für Menschen da

Die Reformierte Kirche leistet Seelsorge durch Pfarrerinnen und Pfarrer und weitere kirchliche Dienste in allen Kirchgemeinden des Kantons. Zusammen mit den Seelsorgenden der Katholischen Kirche ist sie auch in Spitälern, Psychiatrischen Kliniken, Pflegezentren und Gefängnissen, am Flughafen, am Zürcher Hauptbahnhof oder im Einkaufszentrum «Glatt» für die Menschen da. Zudem sind Notfallseelsorger für Blaulichtorganisationen rund um die Uhr abrufbar.

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