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Den Beginn eines Lebens feiern

Verkündigung & Gottesdienst

Ein neues Leben feiern, es Gott anvertrauen und mit guten Wünschen begleiten. Was die Taufe jungen Eltern bedeutet.

Dass Eltern ihre Kinder zur Taufe in die Kirche bringen, ist heute keine unhinterfragte Selbstverständlichkeit mehr. Trotzdem tun es jedes Jahr weit über 2000 reformierte Eltern im Kanton Zürich. Sie feiern den Beginn des Lebens ihres Kindes mit dem jahrtausendealten christlichen Sakrament der Taufe, einige auch mit einer Segensfeier in der Kirche. Was bewegt die Eltern, was wissen sie über die Bedeutung der Taufe – und was gibt die Kirche ihnen und ihren Familien mit auf den Weg?

Kinder unter Gottes Schutz stellen

«Sie haben das Grundbedürfnis, die Geburt ihres Kindes als markante Lebenserfahrung in einem schönen Rahmen mit Familie und Verwandtschaft zu feiern», sagt Bernhard Botschen, Pfarrer in Geroldswil. Dieser Wunsch sei bei den meisten Eltern verbunden mit einer Offenheit gegenüber christlichen Anliegen und für das Angebot, ihr Kind segnen und unter Gottes Schutz stellen zu lassen. Sogar ausgesprochen Kirchenferne und Glaubensdistanzierte seien in diesem Moment ihres Lebens bereit, dem Kind eine christlich geprägte Tradition zu vermitteln.

Viele Eltern nähmen wahr, dass mit der Geburt ihres Kindes in ihrem Leben «etwas Wichtiges geschieht, das in die Tiefe führt». Es sei ein Moment, «in dem Menschen für den Glauben und für Sinnfragen offener sind».

Dieses Bedürfnis will der Pfarrer ernst nehmen, auch wenn ihm klar ist, dass dem elterlichen Versprechen «Ja, mit Gottes Hilfe» während der Taufzeremonie nicht ein explizit christliches Familienleben folgen wird. Pfarrer Botschen weiss, dass manche Eltern und oft auch Paten und Patinnen sich nicht für «gläubig» halten oder einräumen, dass sie mit Kirche nicht viel anfangen können. Trotzdem sind sie herzlich zur Taufe willkommen, und keine Pfarrperson käme auf den Gedanken, ihr Ansinnen abzulehnen. Gleichzeitig will er die Eltern ermutigen, ihren Kindern den Zugang etwa zum kirchlichen Unterricht zu ermöglichen, damit sie die christlichen Inhalte kennen lernen.

Zerbrechlichkeit des Lebens

Den seelsorglichen Aspekt der Taufe betont auch Sabine Schneider, Pfarrerin in Illnau-Effretikon. «Mit der Geburt ihres Kindes empfinden die Eltern eine grosse Verantwortung, auch gegenüber der Zerbrechlichkeit des Lebens», sagt sie. In dem Wunsch nach der Taufe drückten sich viele Wünsche aus: dass dem Kind nichts passiert, dass es gut aufwächst, dass es im Leben seinen Weg gut gehen kann und auch, dass sie als Eltern ihr Kind unterstützen. Das ist für Pfarrerin Schneider «nahe der Gefühlslage der Mütter, die möchten, dass Jesus ihre Kinder segnet». Daher ist für sie die Taufe «ein ausdrucksstarkes Zeichen für den Glauben und das Leben».

Verbundenheit mit der Kirche

Als Zeichen der Verbindung zwischen Kirche und Eltern wird an den «Taufblütenbäumen» in den beiden Kirchen Illnau und Effretikon für jeden Täufling eine hölzerne Taufblüte angebracht. Einmal im Jahr findet ein Taufblütenfest für die Täuflinge des vergangenen Jahres statt. Neben den gottesdienstlichen Taufen gibt es jährlich einen Waldgottesdienst mit Taufen; dieser werde gerne angenommen, auch von Menschen, die nicht mehr viel mit der Kirche verbindet. Zudem können sich ebenfalls einmal im Jahr Jugendliche und Erwachsene in einem nahegelegenen See taufen lassen oder die eigene Taufe dort erinnern. Diese Erwachsenentaufen oder Tauferneuerungsfeiern bieten sich an als Rituale oder Zeichen für eine persönliche Glaubensentscheidung. In landeskirchlichen Gemeinden bleiben sie selten; jährlich lassen sich etwa 25 bis 30 Erwachsene taufen.

Taufe am See?

Taufen ausserhalb eines Kirchengebäudes sind nach der teilrevidierten Kirchenordnung möglich, wenn der Wunsch für eine solche Taufe begründet werden kann. So geben Eltern beispielsweise einen besonderen familiären Bezug zu einem Ort oder zur Natur an. Gegenüber einem sonntäglichen Gemeindegottesdienst können in einem solchen Setting auch Eltern, Paten und Gäste liturgisch mehr eingebunden werden. Allerdings bedeutet dies einigen Mehraufwand und werde daher eher eine Ausnahme bleiben, schätzt Bernhard Botschen, der selber schon am Ufer des Katzensees getauft hat. Denn die kirchliche Infrastruktur werfe weder Witterungsfragen noch liturgische oder musikalische Grundsatzfragen auf.

In Geroldswil finden manche Taufen im modernen Monatsgottesdienst «Rejoice» statt. Die Tauffamilien sind meist angetan von den mitreissenden Liedern mit Band, ebenso von der unkonventionellen Liturgie und vom geselligen Beisammensein, sagt Botschen. Für ihn ist es zentral, «dass Eltern von Täuflingen mit der Kirche gute Erfahrungen machen und sich bei uns wohl fühlen». Denn mit jeder guten Erfahrung und mit positiven Erinnerungen an die Kirche steige die Chance, dass Menschen später einmal, in schwierigeren Zeiten, auf kirchliche Institutionen oder christliche Angebote zurückkommen.

2126 Kinder Erwachsene wurden 2019 in den reformierten Kirchgemeinden des Kantons Zürich getauft.
Die Taufe macht die Liebe und Nähe Gottes zu den Menschen sichtbar und erfahrbar.