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7.6 Verantwortung

7.6.1   Aufsichtspflicht

Minderjährige Lagerteilnehmer sind durch den Lagervertrag in die Obhut der Lagerleitenden gegeben. Durch den Lagervertrag wird dem Lagerleitenden durch die Eltern vorübergehend die elterliche Verantwortung übertragen (Art. 331 – 333 ZGB[1]), allerdings nur soweit sie die alltäglichen Lebensbereiche betrifft. Damit hat der Leitende das Aufsichts- und Weisungsrecht sowie die Pflege- und Aufsichtspflicht.

Die Leitungsperson trägt die Verantwortung für das Programm des Lagers und hat die Entscheidungskompetenz für die Durchführung im Einzelnen. Er erteilt zur Durchführung des Programms Anweisungen.

Aus der Pflege- und Aufsichtspflicht ergeben sich

  • die Festlegung einer Hausordnung
  • die Sorge um die Wertsachen der Teilnehmenden
  • die Sorge um die Gesundheit der Teilnehmenden
  • die Sorge um Unterkunft
  • die Sorge um Verpflegung.

„Der Umfang der Beaufsichtigung richtet sich immer nach den konkreten Umständen und nicht nach allgemeinen Vorschriften.

Dabei spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Alter der Lagerteilnehmenden
  • Ausbildung und Fähigkeiten der Teilnehmenden
  • Zusammensetzung der Gruppe
  • Gelände, Umgebung, Tageszeit, Jahreszeit, Wetter
  • Art des Programms.“

(Zitat aus: Alles was Recht ist. Rechtshandbuch für Jugendarbeitende. okaj zürich, Kantonale Kinder- und Jugendförderung (Hg.), 4. überarb. Aufl. 2017, Zürich, orell füssli Verlag, S. 38.)

Die Aufsichtspflicht beginnt mit dem gemeinsamen Reiseantritt am vereinbarten Treffpunkt. Bis zum Treffpunkt unterstehen die Teilnehmenden der Aufsichtspflicht ihrer Eltern.

Die Aufsichtspflicht endet, wenn die Gruppe den angekündigten Entlassungsort erreicht (Kirchgemeindehaus, Bahnhof etc.). Es sollte klar kommuniziert sein, ab wann die Kinder und Jugendlichen wieder in der Verantwortung der Eltern sind.

Bei unplanmässiger Rückkehr muss die sichere Heimkehr der Teilnehmenden ebenfalls gewährleistet sein.

7.6.2   Sorgfaltspflicht

Die Sorge um die Gesundheit der Teilnehmenden umfasst auch die Pflicht zu verhindern, dass die Teilnehmenden im Lager einen Schaden erleiden. Daher ist darauf zu achten, dass

  • das Programm dem Alter und den Fähigkeiten der Teilnehmenden angepasst ist
  • das Programm an Gelände, Umgebung, Tageszeit, Jahreszeit, Wetter angepasst ist
  • die Teilnehmenden über die richtige Ausrüstung verfügen
  • das Leitungspersonal über die entsprechende Ausbildung verfügt.

So werden Kenntnisse in Erster Hilfe bei Leitenden vorausgesetzt, auch wenn ein Nothelferkurs nicht zwingend vorgeschrieben ist. Auch braucht man kein Lebensrettungsbrevet, um mit einer Gruppe Schwimmen zu gehen. Doch gibt es für diesen Bereich Empfehlungen, z.B. durch J+S oder das Volksschulamt, die im Schadensfall herangezogen werden, auch wenn man kein J+S-Lager durchgeführt hat.

Zur Sorgfaltspflicht gehört auch das rechtzeitige und zeitnahe Rekognoszieren von Wegen und Umgebung.


[1] Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB) SR 210