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6.2 Zusammenleben

Für das Zusammenleben im Lager sind zahlreiche Aspekte zu beachten.

6.2.1 Lagerregeln – Grundsätzliches

Ein Lager braucht eine gute Vorbereitung und Regeln, damit die gemeinsame Zeit des Zusammenlebens für alle Beteiligten gut erlebt wird. Die Regeln betreffen sowohl das Verhältnis des Leitungsteams untereinander, von Leitung und Teilnehmenden wie auch der Teilnehmenden untereinander. Das Leitungsteam braucht klare Grundregeln und Entscheidungshierarchien. Eine Grundlage für gute Zusammenarbeit ist die konsequente Handhabung der Regeln. Besonders sensibel sind die Themen „Umgang mit Suchtmittel“. Dazu gehören die klassischen Suchtmittel wie

  • Tabak, Alkohol und Drogen;

aber auch der Umgang mit

  • elektronischen Medien,
  • Handys,
  • Spielkonsolen,
  • Kleidung,
  • Intimität/Sexualität,

geben immer wieder Anlass zu Diskussionen.

Regeln müssen vor Beginn des Lagers kommuniziert werden, bei Kindern und Jugendlichen auch gegenüber den Eltern. Grundsätzlich gilt, dass zu Regeln Konsequenzen im Falle von Regelbrüchen gehören. Die Wirksamkeit von Regeln ist nur durch konsequente Anwendung zu gewährleisten. Die gesetzlichen Grundlagen werden zwingend eingehalten. Eine Vorgehensweise wird in der rpg-Verordnung §§ 45 – 47[1] aufgezeigt.

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6.2.2 Festlegung von Lagerregeln

Regeln sollten im Leiterteam gemeinsam für das Zusammenleben im Lager festgelegt werden. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, zu überlegen, wo die Kinder und Jugendlichen mitentscheiden können. Durch die Mitbestimmung können sie in die Verantwortung eingebunden werden. Es hilft, wenn die Regelfindung transparent gestaltet wird, Entscheidungen begründet sind und die Mitbestimmung demokratisch erfolgt.

Mögliche Mitbestimmungsfelder  sind

  • das Tages- und Abendprogramm,
  • die Spielauswahl,
  • die Höhe des Taschengeldes,
  • Rituale.

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6.2.3 Regelverstösse & Massnahmen

Die Aufsichts- und Durchsetzungspflicht über die Regeln hat die Lagerleitung.

Grundsätzlich ist es möglich, Kinder und Jugendliche, die das Lager erheblich stören oder die Lagerregeln nicht beachten, nach Hause zu schicken. Ein gewisses Fehlverhalten muss toleriert werden und führt nicht zur Auflösung des Lagervertrags.

Kinder und Jugendliche dürfen nie unbegleitet nach Hause geschickt werden. Dies resultiert aus der Aufsichtspflicht der Lagerleitung. In Absprache mit der Kirchenpflege sollte die Lagerleitung vor dem Lager ein Notfallszenario entwickeln und dieses den Eltern mitteilen. Bei den vorgesehenen Massnahmen ist immer die Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen.

Falls ein Kind oder Jugendlicher wegen eines schwerwiegenden Regelverstosses nach Hause geschickt werden muss, ist es zwingend, vorgängig mit den Eltern Kontakt aufzunehmen. Die Lagerleitung informiert ebenfalls die Kirchenpflege. Sind z.B. die Eltern nicht erreichbar oder in den Ferien, so dass sie ihr Kind nicht in Obhut nehmen können, muss eine andere Lösung gefunden werden. Entstehen dadurch den Verantwortlichen Mehrkosten (z.B. durch Extrabetreuung) können sie bei den Eltern eingefordert werden.

Ein Züchtigungsrecht besteht nicht. Im Gegenteil: Betreuungspersonen machen sich durch Züchtigungshandlungen strafbar und werden von Amts wegen verfolgt.

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6.2.4 Suchtmittel

Wir empfehlen[2], für Lager mit Teilnehmenden, die noch die obligatorische Schule besuchen, sich an der  Zürcher Volkschulverordnung[3] zu orientieren. Diese verbietet generell in §54 das Rauchen, Alkohol und andere Suchtmittel für Schülerinnen und Schüler an schulischen Anlässen. Das Disziplinarreglement für Mittelschulen[4] verbietet in §9 den Tabakkonsum bis und mit dem 9. Schuljahr, der Alkoholkonsum ist an Schulveranstaltungen nach §9, Abs. 2 ebenfalls verboten.

Bei Lagern mit Jugendlichen über dem Schutzalter lässt sich ein generelles Verbot von Suchtmitteln nicht durchsetzen. In diesem Fall sind Regeln gemeinsam festzusetzen.

Grundsätzlich muss das Leitungsteam für sich auch klären, wie es selbst mit Suchtmitteln umgehen will. Für einen Verzicht sprechen die Vorbildfunktion von Leitungspersonen und die Aufsichtspflicht. Die Verantwortlichen müssen dieser jederzeit nachkommen können.

Wichtige Informationen zur Suchtprävention bieten folgende Webseiten:

Im Ausland gelten andere Regeln.

Auskunft geben die Webseiten:

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6.2.5 Tabak

Es gibt keine gesamtschweizerische Gesetzesgrundlage, welche die Abgabe und den Konsum von Tabak regelt. Auf kantonaler Ebene ist der Verkauf von Tabak ab 16 Jahren erlaubt bzw. ab 18 Jahren. Für den Kanton Zürich gilt ein Abgabeverbot an Jugendliche unter 16 Jahren.

Übersicht über die aktuellen kantonalen Regelungen

Gemäss o.g. Empfehlung ist das Rauchen im Lager zu verbieten. Bei Jugendlichen, die älter als 16 Jahre sind und jungen Erwachsenen sollten die Nichtraucher geschützt werden.

Das Leitungsteam hält sich an die gleichen Regeln. Für den Fall, dass dem Leitungsteam das Rauchen gestattet ist für die Teilnehmenden jedoch nicht, so ist zu gewährleisten, dass die Teilnehmenden vom Tabakkonsum der Leitungspersonen nicht beeinträchtigt werden. Auch hier sollten die Raucherzonen klar gekennzeichnet sein und die o.g. Bedingungen erfüllen.

Zusammen gefasst:

  • Wer darf rauchen, wer nicht?
  • Wann darf geraucht werden?
  • Wo darf geraucht werden?

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6.2.6 Alkohol

Die Abgabe von alkoholischen Getränken ist gesamtschweizerisch geregelt. Vergorene Getränke (Bier, Wein, Most) dürfen nicht an Jugendliche unter 16 Jahren verkauft oder ausgeschenkt werden. Gebrannte Wasser dürfen nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft oder ausgeschenkt werden.

Bei Teilnehmenden ist nur dann der massvolle Konsum zu gestatten, wenn alle Teilnehmenden über der Altersgrenze von 16 bzw. 18 Jahren liegen.

Art. 136 StGB[5] stellt die Abgabe von alkoholischer Getränke sowie anderer Stoffe in gesundheitsgefährdender Menge an Jugendliche unter 16 Jahren unter Strafe.

Personen in Leitungs- noch Aufsichtsfunktionen sollen keine alkoholischen Getränke konsumieren, um jederzeit ihren Verpflichtungen nachkommen zu können.

Weitere Informationen zum Thema durch das BAG.

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6.2.7 Betäubungsmittel

Der Konsum, Besitz, Anbau oder Handel von Stoffen und Präparaten wie Heroin, Kokain, Ecstasy und Cannabis ist verboten. Sie fallen unter das Betäubungsmittelgesetz.

Die Stadtpolizei Zürich führt dazu auf ihrer Internetseite (abgerufen am 5.3.2019) aus:

Die Meinung, dass man kleine Mengen illegaler Drogen zwecks Eigenkonsums auf sich tragen darf, ist nicht zutreffend. Jeglicher Besitz von Substanzen (auch Cannabisprodukte), die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, ist grundsätzlich verboten. Die verbotenen Drogen werden von der Polizei sichergestellt und es wird eine Anzeige wegen Besitzes und/oder Konsums von Betäubungsmitteln – mit Ausnahme des Besitzes von bis zu 10 Gramm Cannabis – an die zuständige Strafbehörde erstattet, die aber in jedem Fall die Einziehung und Vernichtung der Betäubungsmittel anordnet.

Der Konsum von Betäubungsmitteln wird grundsätzlich mit einer Busse bestraft, unabhängig von der Art der Droge. In leichten Fällen kann die zuständige Strafbehörde gemäss Art. 19a Ziff. 2 BetmG[6] das Strafverfahren einstellen, von einer Strafe absehen oder eine Verwarnung aussprechen. Geht es um blossen Besitz von Drogen zum Zweck des Eigenkonsums kann die zuständige Strafbehörde das Verfahren gemäss Art. 19b BetmG ebenfalls einstellen bzw. von einer Strafe absehen, wenn es lediglich um eine geringfügige Drogenmenge geht. Die Beurteilung der Geringfügigkeit liegt im Ermessen der richterlichen Behörde. Es gibt dafür keine gesetzlichen Grenzwerte. Einzig bei Cannabis gelten seit Oktober 2013 zehn Gramm als geringfügige Menge im Sinne von Art. 19b BetmG.

Weitere Informationen zum Thema Cannabis durch das BAG.

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6.2.8 Fotos

Fotos[7] und Filme können heute überall in guter Qualität mit Smartphones gemacht werden. Der Weg vom Smartphone ins Internet ist kurz. Zu beachten ist dabei das Recht am eigenen Bild. Dies bedeutet, dass die abgebildeten Personen in der Regel darüber entscheiden, ob und in welcher Form ein Bild aufgenommen und veröffentlicht werden darf. Aus diesem Grund dürfen Fotos meist nur dann veröffentlicht werden, wenn die darauf Abgebildeten ihr Einverständnis gegeben haben. Das gilt sowohl für Fotos, die die Teilnehmenden untereinander machen, um sie dann z.B. auf Instagram oder einer anderen Plattform zu veröffentlichen, als auch für Fotos, die die Lagerleitung von Teilnehmenden macht, um sie später auf der Webseite der Kirchgemeinde zu veröffentlichen oder im Jahresbericht zu verwenden.

Mehr Informationen dazu auf der Seite des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten.

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6.2.9 Handys

Handys können auf Wanderungen und Exkursionen hilfreich sein. Handys können das Lagerleben aber auch massiv stören. Die Lagerleitung entscheidet im Voraus, ob Handys ins Lager mitgenommen werden dürfen. Wenn ja, wird ein Zeitfenster pro Tag bestimmt, während dem das Handy benutzt werden darf. Die Kinder und Jugendlichen dürfen und sollen nicht jederzeit Freunde und Eltern anrufen können. Es ist auch eine Option, die Handys über Nacht einzuziehen. Die getroffenen Regeln zum Handygebrauch sollten begründet und die Eltern darüber im Vorfeld informiert werden.
Wird eine generelles Verbot von Handys im Lager aufgestellt, muss den Eltern eine Notfalltelefonnummer abgeben werden, unter der sie die Lagerleitung jederzeit erreichen können.

Weitere Informationen und Unterstützungsangebote rund um das Thema Medienkompetenz und Präventionen bieten:

Einen Leitfaden zu Digitalen Medien in der offenen Jugendarbeit hat der Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz veröffentlicht.

6.2.10 Hausordnung

Lagerhäuser haben eine eigene Hausordnung, die zu beachten ist. In ihr ist der Umgang mit der Einrichtung, das Verhalten in der Umgebung, Nachtruhe usw. geregelt. Diese Ordnung ist durch alle Lagerteilnehmende zu beachten. Mit der Unterschrift der Lagerorganisation unter den Mietvertrag sind diese Regeln akzeptiert. Darüber hinaus kann die Lagerleitung weitere Regeln festlegen.

6.2.10.1 „Ämtli“

Die Leitung kann festlegen, welche Kinder und Jugendliche welche Aufgaben übernehmen. Auch aus pädagogischer Sicht ist es sinnvoll, die Teilnehmenden in die Verantwortung für das Gelingen des Lagers einzubinden. Dabei ist zu beachten, dass die Kinder und Jugendlichen mit den übernommenen Aufgaben nicht überfordert werden. Selbstverständlich ist, dass die Überwachung der „Ämtli“ Zeit und Personal erfordert. Beim „Hausputz“ ist es eine Frage der zur Verfügung stehenden Zeit und des Budgets, ob die Endreinigung selbst vorgenommen wird oder durch den Vermieter erledigt wird.

6.2.10.2 Nachtruhe

Sofern die Nachtruhe durch die Hausordnung des Lagerhauses vorgeschrieben ist, darf diese durch die Leitung nicht überschritten werden. Dies ist besonders zu beachten, wenn der Vermieter und der Hauswart im gleichen Gebäude wohnen. Im öffentlichen Raum gilt an den meisten Orten eine generelle Nachtruhe von 22.00 – 7.00 Uhr. Sie wird durch die Gemeinden geregelt. Auch sonst ist dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche ausreichend Schlaf erhalten, da dies u.a. das Unfallrisiko verringert.

6.2.10.3 Geschlechter getrennte Schlaf- und Waschräume

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes ist es angezeigt, Geschlechter getrennte Schlaf- und Waschräume[8] zu bezeichnen oder allenfalls den Aufenthalt in den Waschräumen zeitlich Geschlechter getrennt zu regeln. Empfehlenswert ist zudem, den Kindern und Jugendlichen zu verbieten, sich in den Schlafräumen des anderen Geschlechts aufzuhalten.  (s.a. Sexualität im Lager). Zur Kontrolle ist es angebracht, die Zimmer der Leitungspersonen entsprechend zu wählen und die Kontrolle durch eine Leitungsperson des entsprechenden Geschlechts durchführen zu lassen.

6.2.10.4 Aufenthalt in Räumen

Leitende sollten sich grundsätzlich nicht allein mit Kindern und Jugendlichen in einem Raum aufhalten.[9] Jedoch kann es immer wieder zu Zweiersituationen von Leitenden und Teilnehmenden kommen. Das Leitungsteam sollte miteinander klären, wie es mit solchen Situation umgeht. So können

  • nur bestimmte Räume für Einzelgespräche vorgesehen werden,
  • bestimmte Personen jederzeit Zugang zu Einzelsituation haben,
  • Gespräche bei geöffneter Tür stattfinden.

Bei Kontrollgängen oder Aufsuchen der Schlafräume durch Leitungspersonen ist auch zu beachten, dass diese nicht unangemeldet die Räume betreten, sondern mindestens Anklopfen. Auch das Sitzen auf dem Bett z.B. für ein Gute-Nacht-Ritual oder eine Geschichte sollte vorher im Leitungsteam thematisiert werden.

Waschräume und Garderoben werden nur betreten, wenn es aus Aufsichtsgründen notwendig ist (Gewalt, Sachbeschädigung, Unfall o.ä.).

Weitere Information: Leitartikel 2017 „Risikosituationen transparent gestalten“ limita.ch

6.2.10.5 Freizeit, Ausgang

Die Lagerleitung hat die Kompetenz, Regelungen zu Freizeit und freiem Ausgang zu erlassen. Die Regelungen können auch gemeinsam vorgängig mit den Kindern und Jugendlichen erarbeitet werden. Sofern den Kindern und Jugendlichen ein freier Ausgang zugestanden wird, ist es sinnvoll, einen Bereich und allenfalls auch die Einrichtungen zu bezeichnen, die besucht werden dürfen. Besichtigt man z.B. im Rahmen eines Lagers eine Stadt, so kann den Kinder und Jugendlichen erlaubt werden, in Gruppen sich frei zu bewegen. Dabei sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen (siehe Verantwortung).

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6.2.11 Heimweh

Je nach Alter sind manche Kinder das erste Mal längere Zeit ohne Eltern unterwegs. Plötzlich stellt sich Heimweh in Form von Bauchweh und Fieber ein. Oft sind es ganz kleine Dinge, die das Heimweh auslösen: die ungewohnte Umgebung, unvertraute Geräusche, das Schlafen in Mehrbettzimmern etc.
Manchmal sind es auch die Eltern selber, die Mühe haben, dass ihr Kind zum ersten Male weg ist. Sie telefonieren unter Umständen täglich. Es ist deshalb sinnvoll, Telefonregeln und -zeiten einzuführen. Mit Aufmerksamkeit und Zuwendung (vor allem am Abend, wenn die Kinder ins Bett müssen und die alltäglichen Rituale fehlen) kann dem Kind geholfen werden, das Heimweh zu überwinden. (siehe auch Handys, Aufenthalt in Räumen)

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6.2.12 Hygiene

Da der Lagerleitung die Gesundheitsvorsorge übertragen ist, kann sie Vorgaben über die Hygiene machen. So ist es zulässig z.B. Regeln aufzustellen, wie oft die Kinder und Jugendlichen duschen müssen.[10]

6.2.13 Kleidung

Kleidungsvorschriften sind in den letzten Jahren vermehrt zu einem Thema geworden. Einige Schulen haben diesbezüglich Kleiderordnungen und Empfehlungen erlassen, oftmals in Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern.[11]

Grundsätzlich gilt, dass Kleidung dem Programm des Lagers angemessen sein muss. In der Badi ist Badekleidung zu tragen, auf einer Wanderung muss die Bekleidung entsprechend sein. Besichtigt man Gedenkstätten oder Kirchen ist auch hier auf passende Kleidung zu achten. Zuweilen werden dazu auch an den Orten selbst Vorschriften erlassen. Unbedeckte Schultern, zu kurze Hosen, bauchfreie T-Shirts und Tops und Flip-Flops sind mancherorts unerwünscht. Kappen und Mützen oder die Trainerhose im Unterrichtsraum sind auch immer ein Anlass zu Diskussionen.

Wir empfehlen im Vorfeld, sich darüber Gedanken zu machen, was toleriert werden soll und was nicht. Entsprechend sind Kinder und Jugendlichen zu informieren und das Einverständnis der Eltern einzuholen.

Diesbezüglich aufgestellte Regeln gelten auch für das Leitungsteam.

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6.2.14 Krankheit/ Unfälle

Krankheiten

Die Eltern sollten darauf hingewiesen werden, dass zum Zeitpunkt der Abreise ins Lager, die Kinder frei von akuten und ansteckenden Krankheiten sein sollen, um Epidemien im Lager zu vermeiden. Sollte ein Kind zum Zeitpunkt der Abreise erkrankt sein, so ist die Möglichkeit zu prüfen, ob es ins Lager nachreisen oder gebracht werden kann.

Fieber/Durchfall/Erbrechen

Kinder mit Fieber sollten, wenn möglich, in einem Einzelzimmer untergebracht werden. Sie sollten auch dort nicht ständig Besuch von anderen Lagerteilnehmenden erhalten, um mögliche Ansteckungen zu vermeiden. Das kranke Kind muss überwacht werden. Bei Durchfall und Erbrechen ist genügend Flüssigkeit zu verabreichen. Je nach Lagerort kann das kranke Kind von den Eltern abgeholt werden.

In folgenden Fällen muss ein Arzt gerufen bzw. aufgesucht werden:

  • Wenn sich der fieberhafte Zustand nach einem Tag verschlechtert
  • Wenn die Temperatur am 2. Tag immer noch 39 Grad übersteigt
  • Wenn das Kind länger als zwei Tage Durchfall hat und erbricht
  • Wenn sich die Bauchschmerzen in wenigen Stunden verstärken
  • Fantasieren, Ohnmacht
  • Epidemie
Zecken

Zecken kommen in der ganzen Schweiz bis zu einer Höhe von ca. 1500m über Meer vor. Sie leben vorwiegend in Laubwäldern, an Waldwegen und Waldrändern. Zecken stechen am liebsten an warmen, dünnen Hautpartien wie Achselhöhlen, Schultern, Nacken, Haaransatz, Kniekehle, Armbeuge. Bei Kinder können Zeckenstiche auch am Kopf sein.

Gerade Kinder werden oft von Zecken gebissen, da sie beim Wandern und Spielen an Sträuchern und Büschen entlang streifen.

Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen.

Weitere Informationen dazu bietet die Webseite der Bundesamtes für Gesundheit.

Gefundene Zecken müssen möglichst rasch entfernt werden.

  • Dazu mit einer Pinzette Zecke nahe an der Haut fassen und gerade herausziehen, danach die Haut desinfizieren
  • Keine Substanzen wie Öl oder Klebstoff auf die Zecke streichen
  • Stichstelle, Ort und Datum des Stiches notieren (dies kann auch aus versicherungstechnischen Gründen relevant sein!)
  • Informieren Sie die Eltern über den Zeckenstich und den Ort

Wenn innerhalb von drei Wochen nach dem Stich folgende Beschwerden auftauchen, sollte man einen Arzt aufsuchen:

  • Rötung am Einstichort
  • Grippeartige Beschwerden
  • Schwindel
  • Gelenk- und Kopfschmerzen

Weitere Informationen: Schulärztlicher Dienst der Stadt Zürich

Unfälle

Oberste Priorität hat, Unfällen vorzubeugen, z.B. durch sinnvolle und ungefährliche Routenwahl, Aufsicht, durch angemessene Belastung der Kinder, durch ein abwechslungsreiches Programm und durch ein grosszügiges Zeitbudget.

Falls sich trotzdem ein Unfall ereignet:

  • Ruhe bewahren, Übersicht gewinnen, nachdenken, handeln ( siehe Nothelferkurs)
  • Es dürfen sich nicht alle Erwachsenen um das verletzte Kind kümmern, die anderen Schülerinnen und Schüler müssen auch beaufsichtigt werden.
  • Ein Leiter oder Leiterin begleitet das Kind ins Spital oder zum Arzt.
  • Eltern benachrichtigen
  • Kinder und Jugendliche ins Lagerhaus zurückführen und beruhigen

Ein Arzt sollte konsultiert werden:

  • bei tiefen Wunden, Bisswunden
  • Verdacht auf Vergiftungen (Notfallnummer 145, Webseite: https://toxinfo.ch/ )
  • Husten, der länger als 3 Tage anhält

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6.2.15 Medikamente

Bei der Abgabe von Medikamenten ist Vorsicht geboten. Grundsätzlich sollten nur die Medikamente verabreicht werden, die von den Eltern mitgegeben werden (s. Info-Blatt TN) oder ärztlich verordnet worden sind. Im Notfall sollten Medikamente nur nach Rücksprache mit den Eltern verabreicht werden, um Unverträglichkeiten auszuschliessen, oder – falls die Eltern nicht erreicht werden können - ein nicht rezeptpflichtiges Medikament verabreicht werden. Idealerweise wird auch hier der Rat eine Fachperson eingeholt und werden Dosierungsanleitungen und Packungsbeilagen beachtet.

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6.2.16 Sexualität im Lager

Auch bei diesem Thema sollten im Leitungsteam klare Regeln abgemacht und kommuniziert sein.[12] So sollten z.B. bestehende Paarbeziehungen im Leitungsteam offengelegt und der Umgang damit besprochen sein.

In der Regel müssen geschlechtergetrennte Schlaf- und/oder Waschräume in einer Unterkunft vorhanden sein. Sind in der Unterkunft gemischte Schlafräume vorgesehen (z.B. Übernachtung in einer Hütte), dann muss dies in der Ausschreibung aufgeführt werden.

6.2.16.1 Strafrechtliche Bestimmungen

Unter 16-jährige stehen im Schutzalter und dürfen keine sexuellen Handlungen vornehmen. Diese bleiben jedoch straflos, wenn beide Parteien weniger als drei Jahre Altersunterschied aufweisen. Alle Formen sexueller Handlungen gegen den Willen von Jugendlichen  oder Erwachsenen sowie sexuelle Belästigungen in Form von Worten oder Handlungen unterstehen dem Strafgesetz[13]. Massgeblich:

  • Art. 187 Sexuelle Handlungen mit Kindern,
  • Art. 188 Sexuelle Handlungen mit Abhängigen,
  • Art. 189 - 191 Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Schändung,
  • Art. 198 Sexuelle Belästigung.

Die Lagerleitung ist verantwortlich, ihre Mitarbeitenden über Prävention und Intervention zu informieren, sowie bei vermutetem oder bestätigtem Verdacht auf sexuelle Ausbeutung Schritte einzuleiten um Kinder oder Erwachsene bestmöglich zu schützen.

6.2.16.2 Meldepflicht

Eine Meldepflicht besteht nach Art. 314d ZGB[14] für folgende Personen, wenn konkrete Hinweise dafür bestehen, dass die körperliche, psychische oder sexuelle Integrität eines Kindes gefährdet ist und sie der Gefährdung nicht im Rahmen ihrer Tätigkeit Abhilfe schaffen:

  1. Fachpersonen aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Pflege, Betreuung, Erziehung, Bildung, Sozialberatung, Religion und Sport, die beruflich regelmässig Kontakt zu Kindern haben;
  1. wer in amtlicher Tätigkeit von einem solchen Fall erfährt.

Die Meldepflicht erfüllt auch, wer die Meldung an die vorgesetzte Person richtet.

Die Meldungen sind zu richten an eine der Stellen der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden im Kanton Zürich (https://www.kesb-zh.ch/ )

Weitere Informationen zum Thema Ausnützung

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6.2.17 Social Media

94% der Jugendlichen haben ein Profil in einem Sozialen Netzwerk. Neben dem generellen Umgang mit Smartphones sollte daher auch der Umgang mit Fotos und Videos und deren Veröffentlichung in den Sozialen Netzwerken thematisiert werden (s. Fotos). Grundsätzlich sollten keine Veröffentlichungen im Internet erfolgen, insbesondere keine Archivierungen von Bildmaterial.

Hinweise dazu gibt die nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenzen jugendundmedien.ch.

WhatsApp für unter 16 Jährige: Wer für Lager einen Gruppenchat einrichten will, sollte beachten, dass in der Schweiz die Eltern für die Einwilligungen zur Nutzung von WhatsApp ihrer Kinder unter 16 Jahren zuständig sind. Falls ein Kind noch kein WhatsApp Profil hat und ein neues eröffnen soll, empfehlen wir eine von den Eltern unterschriebene Einverständniserklärung. Wenn ein Kind bereits WhatsApp nutzt, können die Leiterpersonen davon ausgehen, dass eine Zustimmung der Eltern bereits vorliegt.

6.2.17.1 Cyber-Mobbing, Sexting, Pornographie

Immer wieder machen Meldungen von Cyber-Mobbing in den Medien die Runde. Inzwischen ist an manchen Schulen dieses Thema zum grössten Präventionsthema avanciert.

Cyber-Mobbing ist Mobbing im Internet. Dabei wird eine Person absichtlich, über eine längere Zeit immer wieder über digitale Medien schikaniert – mit SMS, Chat-Nachrichten und Facebook-Einträgen etwa.

Mehr Informationen unter:

Die Wortschöpfung «Sexting» setzt sich aus den englischen Wörtern «sex» und «texting» zusammen. Bei Sexting werden erotische Selbstaufnahmen (Fotos oder Videos) via Handy oder Internet verschickt. Auch das Verschicken von erotischen oder pornografischen Mitteilungen gehört dazu. Die Inhalte werden über Plattformen wie etwa Facebook, Whatsapp und Snapchat an eine Person oder an eine Gruppe gesendet.

Mehr Informationen unter:

https://www.jugendundmedien.ch

Über die digitalen Medien kommen Jugendliche schon früh mit sexuellen Inhalten in Kontakt. Die Studie EU-Kids Online (2013) zeigte, dass 21 Prozent der schweizerischen Jugendlichen zwischen 9 bis 16 Jahren bereits sexuelle Inhalte im Internet gesehen haben.

Strafrechtlich besonders zu beachten ist der Art. 197 StGB[15]. In Ziffer 1 heisst es dort zur Pornographie:

„Wer pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen, Abbildungen, andere Gegenstände solcher Art oder pornografische Vorführungen einer Person unter 16 Jahren anbietet, zeigt, überlässt, zugänglich macht oder durch Radio oder Fernsehen verbreitet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.“

Das heisst: „Strafbar macht sich bspw. also, wer einem 14-jährigen Kind auf dem Mobiltelefon ein pornographisches Bild zeigt, oder der Lagerleiter, der nicht einschreitet, wenn Kinder im Ferienlager pornographisches Material anschauen.“ (Alles was Recht ist, S. 135)

Mehr Informationen unter:

Die Kantonspolizei Zürich bietet Präventionsarbeit zu diesen Themen an.

http://www.kapo.zh.ch

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6.2.18 Taschengeld

Das Mitgeben von Taschengeld kann rechtlich nicht verhindert werden. Eine Möglichkeit ist, mit der Gruppe die Höhe des Taschengeldes für das Lager auszuhandeln oder Empfehlungen auszusprechen. Beides sollte in den Elterninformationen kommuniziert werden.

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[1] Verordnung über die religionspädagogischen Angebote (rpg-Verordnung) LS 181.17

[2] Zu den Punkten 1.4.2.4 – 1.4.2.6 vgl. auch: „Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität“, Ziff. 12 (in Erarbeitung)

[3] Volksschulverordnung (VSV), LS 412.101

[4] Disziplinarreglement der Mittelschule, LS 413.211.1

[5] Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB)  SR 311.0

[6] Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (BetmG) SR 812.121

[7] Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 7

[8] Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 13

[9] Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 10 Abs. 5

[10] Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 4

[11] Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 10 Abs.4

[12] Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 13

[13] Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB)  SR 311.0

[14] Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB) SR 210

[15] Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB)  SR 311.0