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2 Planung

2.1   Bewilligungsverfahren

Die Planung eines Lagers benötigt eine Vorlaufzeit von etwa ein- bis eineinhalb Jahren. Wenn das Lager Teil der verbindlichen Angebote ist, muss darüber rechtzeitig informiert und Kosten budgetiert werden. Gemäss § 13 und § 32 der rpg-Verordnung[1] erlässt die Kirchgemeinde ein Gemeindekonzept, das die Form der verbindlichen Module sowie deren zeitliche und räumliche Gestaltung festhält. Nach § 32 lit. e genehmigt die Kirchenpflege das Jahresprogramm der Module.

Leiterinnen und Leiter eines Moduls planen ihre Module in Absprache mit der Kirchenpflege. 

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2.2   Gestaltung des Programms

Bei der Gestaltung eines Lagertags ist auf eine ausgewogene Mischung aus Programm und freier Zeit zu achten. Ein Lager ist nicht einfach Unterricht an einem anderen Ort, sondern soll auch Möglichkeiten bieten, Kontakte zu intensivieren und sich gegenseitig besser kennenzulernen. Ebenso braucht es Ruhephasen und Rückzugsmöglichkeiten. Nicht nur für die Kinder und Jugendlichen, sondern auch für die Leitenden ist es anstrengend, wenn ein Programmpunkt den nächsten jagt.

Partizipation ermöglichen

Schon in der Vorbereitung des Lagers ist es möglich und empfehlenswert, partizipativ mit den Teilnehmenden zu planen. So können:

  • Erwartungen der Kinder abgeholt werden,
  • für gewisse Bereiche Mitwirkung und Mitbestimmung eingeräumt werden,
  • bestimmte Programmpunkte gemeinsam geplant werden,
  • Regeln gemeinsam erarbeitet werden.

Ziel der vorbereitenden Partizipationsphase ist auch, dass den Teilnehmenden deutlich wird, dass sie für das Gelingen mitverantwortlich sind und das Lager als ihres anerkennen.

 Programmplanung

  • Das Programm des Lagers sollte abwechslungsreich sein. Das gilt im Hinblick sowohl auf die Tätigkeiten, die ganzheitliches Erleben ermöglichen sollen, als auch auf die Örtlichkeiten (drinnen/draussen/auswärts).
  • Schlechtes Wetter ist kein Hindernis. Entsprechende Kleidung, Aufwärm- und Trocknungsmöglichkeiten können als Programmpunkt zum Erlebnis werden. Eine Schlechtwetter-Varianten sollte immer im Voraus eingeplant werden.
  • Für die Freizeitgestaltung sollten die Grenzen des Bewegungsradius der Kinder und Jugendlichen um das Haus und im Ort festgelegt sein und genügend Material für die Gestaltung der freien Zeit zur Verfügung stehen.
  • Ein Lager bietet die Möglichkeit, längere Zeit erlebnisorientiert zu arbeiten. Deshalb bietet es sich an, das Lager unter ein Thema zu stellen.

Rituale

Rituale helfen vor allem jüngeren Kindern, sich zu orientieren. Sie haben auch eine Wirkung auf das Gemeinschaftsgefühl.

Hier einige Anregungen:

  • Weckritual
    Die Kinder werden jeden Morgen auf die gleiche Weise geweckt, z. B. mit der gleichen Musik.
  • Spruch des Tages
    Kleingruppen stellen vor dem Frühstück den Spruch des Tages vor und gestalten während des Tages eine Aktivität dazu.
  • Gestaltung der gemeinsamen Essenszeiten
    Eine halbe Stunde vor und eine ganze Stunde nach dem Essen ist für das Erledigen der Ämtli, für individuelle Aktivitäten oder als Ruhezeit reserviert.
    Vor dem Lager gestaltet jedes Kind, jede/r Jugendliche sein/ihr persönliches Tischset (mit Namen versehenes, bemaltes A3-Blatt, das laminiert wird). Die Gruppe, die auftischt, bestimmt so die Tischordnung.
    Vor dem Essen wird gemeinsam ein Lied gesungen, ein Gebet gesprochen oder eine Kurzgeschichte vorgelesen.
    Nach dem Essen werden Informationen für das anschliessende Programm ausgetauscht.
  • Lager-Tagebuch schreiben
    In einer ruhigen halben Stunde vor oder nach dem Nachtessen schreiben und zeichnen die Kinder und Jugendlichen in ihr persönliches Lager-Tagebuch. Auch ein Tagesbericht, der später veröffentlicht wird, kann durch die Kinder und Jugendlichen verfasst werden. Ein Blog oder regelmässige Instagram- und Facebook-Posts können ebenfalls eine Möglichkeit sein. Jedoch sollte klar geregelt sein, wer Beiträge veröffentlicht und wer Posts senden darf.
  • Lagerlied
    Es empfiehlt sich, ein Lagerlied einzuführen und es jeden Tag um eine Strophe zu ergänzen und evtl. mit Erlebnissen aus dem Lager anzureichern.
  • Vorlesen vor dem Ins-Bett-Gehen
    Als Einstimmung auf die Nachtruhe kann eine fortlaufende Geschichte vorgelesen werden.
  • Zeit für individuelle Aktivitäten
    Es lohnt sich, jeden Tag Zeiten für individuelle Aktivitäten zu reservieren. Es ist z. B. nicht sinnvoll, jeden Abend zu verplanen. Freie Zeiten bieten den Kindern die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, zu lesen, zu spielen, zu plaudern.
  • Abschiedsritual am Abfahrtstag: Alle bilden einen Kreis, geben sich die Hand, ein Gruppenfoto vor dem Lagerhaus wird gemacht. Es kommt nicht auf möglichst grosse Kreativität an, sondern darauf, dem Abschied genügend Raum zu geben.

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2.3   Anrechnung ans rpg

Die Anrechenbarkeit eines Lagers an die geforderte Stundenzahl im rpg ist nach § 162 der rpg-Verordnung[2] folgendermassen geregelt: Ein Halbtag zählt höchstens drei Stunden, ein ganzer Tag höchstens fünf Stunden, eine Lagerwoche von mindestens fünf Tagen höchstens 20 Stunden.

2.4   Finanzen

Zu einer soliden Lagerplanung gehört die Erstellung eines Budgets. In einem ersten Schritt wird rechtzeitig ein Grobbudget erstellt, damit das Lager in das Gesamtbudget der Kirchgemeinde einfliesst. Evtl. existiert dazu in der Kirchgemeinde eine Vorlage. Andernfalls kann die zur Verfügung gestellte Excel-Datei (siehe 8.3 Lagerbudget) genutzt werden.

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2.4.1   Einnahmen

Wesentliche Einnahmequellen eines Lagers sind:

  •  die Teilnehmendenbeiträge
  • der Beitrag der Kirchgemeinde

Für Lager im Rahmen der verbindlichen rpg-Module ist der Teilnehmendenbeitrag möglichst gering zu halten. Als Anhaltspunkt kann dienen: Die Bildungsdirektion im Kanton Zürich legt den Elternbeitrag für Klassenlager in der Volksschule zurzeit auf Fr. 22.- pro Schüler und Schülerin und pro Lagertag fest. Zusätzliche Einnahmequellen für verbindliche rpg-Module sollten in der Regel nicht herangezogen werden.

Bei freiwilligen Lagern können höhere Beiträge berechnet werden. Auch können die Teilnehmenden durch Aktionen (siehe 2.5 Zusätzliche Einnahmequellen) einen Beitrag an die Einnahmen leisten, wenn z. B. aussergewöhnliche Reiseziele oder Programmpunkte finanziert werden müssen.

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2.4.2   Ausgaben

Wesentliche Ausgaben sind:

  •  Unterkunft
    • Angaben der Unterkunft (pro Person/Nacht) oder pauschal zwischen Fr. 10–25.- pro Nacht/Teilnehmende
    • zusätzliche Raummieten
    • Nebenkosten (Heizung, Kurtaxen, Bettwäsche, Endreinigung, Schäden etc.), soweit in den Übernachtungskosten nicht enthalten
  • Verpflegung für alle Teilnehmenden (Fr. 10–15.- pro Tag/Teilnehmende)
  • An- und Abreise
  • Ausflüge(Verkehrsmittel, Eintritte, Führungen etc.)
  • Zusätzliche Versicherungen, Ausleihgebühren
  • Entschädigungenfür Begleitpersonen. Hinweise geben hier der Leitfaden Freiwilligenarbeit und Honorararbeit sowie der Pensenrechner Katechetik
  • Materialkosten
  • Kosten für die Rekognoszierung: Entweder in die Lagerkosten eingerechnet oder separat verrechnet

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2.5   Zusätzliche Einnahmequellen

Übersteigen die Kosten die zur Verfügung stehenden Mittel, kann die Lösung in zusätzlichen Einnahmequellen bestehen:

  •  Einnahmen aus Aktionen (Kuchenverkauf, Veloputzaktion etc.)
  • Sponsoren(auch in Form von Naturalspenden)
  • Spendender Eltern (Geld- und Sachspenden)
  • Gruppenkasse (falls vorhanden)
  • Abklärung, ob das Lager die Voraussetzungen für ein J+S-Lager erfüllt. Falls dies der Fall ist, können zusätzliche Subventionen beantragt werden. Weitere Informationen unter jugendundsport.ch

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2.6   Rekognoszieren

Auch wenn das Internet viele Möglichkeiten bietet, sich einen Eindruck von Lagerort, vom Lagerhaus und der Umgebung zu machen, ist es doch unerlässlich, sich vor Ort einen Überblick zu verschaffen.

Für das Rekognoszieren ist genügend Zeit einzuplanen. Wenn möglich, sollte das Rekognoszieren mit dem Leitungsteam erfolgen, sodass alle einen Eindruck von Lagerhaus und der Umgebung haben. Hilfreich ist es, das Rekognoszieren im Team aufteilen, sodass verschiedene Rekognoszierungsaufgaben arbeitsteilig erledigt werden. Um Diskussionen im Nachhinein zu vermeiden, sollten im Vorfeld die Entschädigung und die Spesenregelung für die Rekognoszierung geklärt werden.

Bei der Besichtigung des Lagerhauses sind insbesondere folgende Punkte zu berücksichtigen:

Raumaufteilung

  • Sind Essraum und Aufenthaltsraum getrennt?
  • Gibt es zusätzliche Räume, z. B. Bastelraum, Gepäckraum, Skiraum, Veloraum?
  • Ist ein Raum für das Leitungsteam vorhanden, wo Material und Unterlagen gelagert werden können?

Schlafräume

  • Wie viele Zimmer stehen zur Verfügung?
  • Wie ist die Aufteilung der Betten auf die Schlafräume?
  • Wie ist die Zimmereinrichtung? Gibt es Schränke, Ablageflächen für das Gepäck?
  • Wie sind die Schlafplätze eingerichtet? Betten oder Matratzenlager? Sind Duvets oder Wolldecken vorhanden? Braucht es Fixleintücher und/oder Schlafsäcke?

Sanitäre Einrichtungen

  • Wie viele Wasch-/Duschmöglichkeiten gibt es?
  • Wie viele WCs für Mädchen, Jungen und Leitende sind vorhanden?
  • Sind die sanitären Einrichtungen geschlechtergetrennt?

Küche

  • Wie ist die Küche ausgestattet? Wie gross ist der Herd? Wie viele Herdplatten sind vorhanden?
  • Wie gross ist der Backofen? Ist es ein Heissluftofen?
  • Welche Küchengeräte sind vorhanden?
  • Wie gross sind Kühlschrank und Gefrierschrank?
  • Gibt es einen Vorratsraum?
  • Ist ausreichend Geschirr und Besteck vorhanden?
  • Gibt es eine Abwaschmaschine?

Abfallentsorgung

  • Gibt es einen Container für den Haushaltsabfall oder Kehrichtsäcke?
  • Ist Abfalltrennung vorgesehen und organisiert?
  • Braucht es spezielle Abfallsäcke und Abfallmarken?

Umgebung

  • Wie ist die Erreichbarkeit des Hauses mit dem öffentlichen Verkehr? Wie ist die Parkplatzsituation?
  • Wie ist die Umgebung des Hauses? Gibt es einen Sitzplatz mit Mobiliar?
  • Ist eine Feuerstelle oder Grill vorhanden?
  • Muss der Platz mit anderen Gruppen geteilt werden?
  • Gibt es beim Haus eine Spielwiese? Ist das Aussengelände eingezäunt oder offen?
  • Führen viel befahrene Strassen am Haus vorbei?
  • Birgt die direkte Umgebung Gefahrenstellen (unübersichtliches oder steil abfallendes Gelände, nicht gesicherte Gefahrenstellen etc.)
  • Wohnen Abwart oder Vermieter im Haus oder in der Nähe?

Erkundung des Lagerorts

  • Ortsplan besorgen
  • Adressen von lokalen Arztpraxen in Erfahrung bringen. Wo ist das nächste Spital?
  • Nächstgelegene Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel erkunden.
  • Freizeiteinrichtungen (Hallenbad, Freibad, o. ä.) in der Nähe in Erfahrung bringen. Hausverwaltung oder das örtliche Tourismusbüro sind wertvolle Hilfen.
  • Ist ein Orientierungslauf geplant, dann sollten die Fotos dafür bereits aufgenommen werden.
  • Für eine örtliche Kirchenbesichtigung oder die Teilnehme an einem Gottesdienst Kontakt mit der örtlichen Kirchgemeinde aufnehmen.
  • Besonderheiten und Spezialitäten im Ort und in der Umgebung in Erfahrung bringen, die für die Gestaltung des Lagerprogramms von Interesse sein könnten.

Einkaufsmöglichkeiten

  • Wie sind die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort? Die Berücksichtigung des örtlichen Gewerbes wird empfohlen (Dorfläden, Metzgerei, Molkerei, Bäckerei etc.).
  • Bietet das örtliche Gewerbe einen Hauslieferdienst an?

Erkundung von Ausflügen

  • Wenn es zeitlich möglich ist, sollten geplante Wanderrouten abgelaufen oder zumindest die erste geplante Wanderung. Das Erfassen der Marschzeiten, Rastmöglichkeiten, Badegelegenheiten, Gefahrenstellen, Transportmöglichkeiten u. a. gehört dazu.
  • Welche Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind geeignet für einen Ausflug?
  • Gibt es spezielle Führungen und Exkursionen?

 Um die oben genannten Punkte systematisch zu erfassen, ist der Rekognoszierungsbericht von Jugend und Sport ein hilfreiches Tool.

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[1] Verordnung über die religionspädagogischen Angebote (rpg-Verordnung) LS 181.17

[2] Verordnung über die religionspädagogischen Angebote (rpg-Verordnung) LS 181.17