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6 Durchführung

Nach aller Vorbereitung kommt der Tag, an dem sich die Gruppe trifft und das Lager beginnt. Die Vorinformationen zum Abreisetag umfassen

  • die geplante Reisezeit und
  • notwendige Verpflegung
  • einen Treffpunkt, an dem sich alle gut versammeln können und andere durch die Gruppe nicht behindert werden.

Mit Eintreffen der Kinder und Jugendlichen unterstehen diese der Aufsicht der Leitungspersonen.

6.1 An- und Abreise

Die Anreise ist die erste Herausforderung im Lager. Klare Anweisungen und kommunizierte Regeln helfen, diese Herausforderung zu meistern. Folgende Punkte und Hinweise haben sich dabei bewährt:

  • Festlegen, welche Leitungsperson zuvorderst geht und welche zuhinterst.
  • Schuhe auf Sitzen im Zug oder Bus sind tabu.
  • Abfall ist in den dafür vorgesehenen Behältern zu entsorgen bzw. Muss mitgenommen werden, wenn eine solche Möglichkeit fehlt.
  • Rollkoffer sind in den Ablagen zu versorgen und dürfen nicht im Weg stehen.
  • Jüngere Teilnehmende sollen sich an ältere oder Leitungspersonen wenden, wenn sie Hilfe bei Gepäck benötigen.
  • Andere Mitreisende sollen nicht gestört oder belästigt werden.
  • Festlegen einer Person, die jeweils die Vollzähligkeit der Gruppe nach Zwischenhalten feststellt und die Sitzplätze nach Verlassen von Zugabteil oder Bus auf zurückgelassene Gegenstände hin kontrolliert.

Für die Abreise ist die Strukturierung ebenfalls wichtig. Meistens sind nach mehreren Lagertagen alle ein wenig übermüdet und wollen nach Hause. Es sollten deswegen keine Umwege und Abstecher für den Rückweg eingeplant werden.

Der Abreisetag sollte so strukturiert sein, dass jede und jeder weiss, was sie oder er zu tun hat. Das gilt auch für das Leitungsteam. Material sollte so weit wie möglich am Vorabend gepackt sein, ebenso sollten die Teilnehmenden ihre Koffer oder Rucksäcke gepackt haben. Teilnehmende, die im Haus keine Aufgabe zu erledigen haben, sollten die Umgebung aufräumen. Es kann auch angezeigt sein, dass eine Leitungsperson mit diesen Teilnehmenden auf einen Sportplatz o. ä. geht und dort Spiele veranstaltet, sodass die Aufräum- und Putzarbeiten im Haus nicht behindert werden.

Eine Fundgrube für liegengebliebene Gegenständen und Kleidungsstücke im Eingangsbereich oder vor dem Haus hilft, diese wieder dem eigentlichen Besitzer zuzuführen. Fundgegenstände können vor dem Aufbruch, unterwegs oder notfalls im Sekretariat der Kirchgemeinde verteilt bzw. zur Abholung deponiert werden.

Bei entsprechendem Budget und um Zeit zu sparen, kann die Endreinigung des Lagerhauses der Organisation und Durchführung durch die Hausverwaltung überlassen werden. In diesem Fall muss das Haus in der Regel besenrein übergeben werden.

Materialtransport

Je nach Lage des Lagerorts, Erreichbarkeit und finanziellen Möglichkeiten kann es sinnvoll sein, Material und/oder Gepäck transportieren zu lassen. Dies kann per Bahn, kommerzielle Anbieter oder mit dem Privat- oder Mietauto erfolgen. Die Kosten dafür sind vorher zu klären, im Fall privater Organisation zusätzlich die Entschädigungen und Kilometerpauschalen sowie die Versicherungslage.nach oben

6.1.1 Beaufsichtigungspflicht

siehe 7.5 Verantwortung

6.1.2 Betreuungsschlüssel

Für Lager im Rahmen der Module des rpg empfiehlt sich folgender Betreuungsschlüssel:[1]

Je 12 Teilnehmende mindestens zwei volljährige Leitungspersonen beiderlei Geschlechts.

Es können ebenso viele Leitungspersonen unter 18 Jahren zusätzlich mitgenommen werden.

Für ein Selbstversorgerlager empfehlt es sich, bis 20 Personen einen Koch / eine Köchin mitzunehmen für jede weiteren 20 Personen eine weitere Person für die Küchenarbeit.

6.2 Zusammenleben

Ein Grund dafür, ein Lager durchzuführen, ist das soziale Lernen: mit anderen zusammenleben, sich in eine Gruppe einfügen, auf andere Rücksicht nehmen. Das fällt nicht allen Kindern und Jugendlichen leicht. Wenn verbindliche Module als Lager durchgeführt werden, ist die Motivation der Kinder- und Jugendlichen nicht bei allen gleich hoch, und das kann Widerstände auslösen.

Wo Menschen zusammenleben, kommt es immer wieder zu Konflikten, zwischen den Kindern und Jugendlichen, im Leitungsteam und zwischen Leitungsteam und Teilnehmenden. Die folgenden Hinweise wollen helfen, mögliches Konfliktpotential zu verringern und ein gelungenes Lager zu ermöglichen.nach oben

6.2.1 Lagerregeln – Grundsätzliches

Ein Lager braucht eine gute Vorbereitung und sinnvolle Regeln, damit die gemeinsame Zeit des Zusammenlebens für alle Beteiligten positiv erlebt wird. Die Regeln betreffen sowohl das Verhältnis des Leitungsteams untereinander, von Leitung und Teilnehmenden wie auch der Teilnehmenden untereinander. Das Leitungsteam braucht klare Grundregeln und Entscheidungshierarchien. Eine Grundlage für gute Zusammenarbeit ist die konsequente Handhabung der Regeln.

Besonders sensibel ist der Umgang mit Suchtmitteln. Dazu gehören die klassischen Suchtmittel wie

  • Tabak,
  • Alkohol und
  • Drogen;

aber auch der Umgang mit

  • elektronischen Medien,
  • Smartphones,
  • Spielkonsolen,
  • Kleidung,
  • Intimität/Sexualität.

All das gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen und Konflikten.

Regeln sollen vor Beginn des Lagers kommuniziert werden, bei Kindern und Jugendlichen, aber auch gegenüber den Eltern. Grundsätzlich gilt, dass zu Regeln auch Konsequenzen im Fall von Regelbrüchen gehören. Die Wirksamkeit von Regeln ist nur durch konsequente Anwendung zu gewährleisten.nach oben

6.2.2   Festlegung von Lagerregeln

Regeln sollten im Leiterteam gemeinsam für das Zusammenleben im Lager festgelegt werden. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, zu überlegen, wo die Kinder und Jugendlichen mitentscheiden können. Durch die Mitbestimmung können sie in die Verantwortung eingebunden werden. Es hilft, wenn die Regelfindung transparent gestaltet wird, Entscheidungen begründet sind und die Mitbestimmung demokratisch erfolgt.

Mögliche Mitbestimmungsfelder sind

  • Details des Tages- und Abendprogramms,
  • die Spielauswahl,
  • die Höhe des Taschengelds,
  • Rituale.nach oben

6.2.3 Regelverstösse und Massnahmen

Die Aufsichts- und Durchsetzungspflicht der Regeln hat die Lagerleitung.

Grundsätzlich ist es möglich, Kinder und Jugendliche, die das Lager erheblich stören oder die Lagerregeln fortgesetzt nicht beachten, nach Hause zu schicken. Ein gewisses Fehlverhalten muss aber toleriert werden und führt nicht sofort zur Auflösung des Lagervertrags.

Kinder und Jugendliche dürfen nie unbegleitet nach Hause geschickt werden. Dies resultiert aus der Aufsichtspflicht der Lagerleitung. In Absprache mit der Kirchenpflege sollte die Lagerleitung vor dem Lager ein Notfallszenario entwickeln und dieses den Eltern mitteilen. Bei den vorgesehenen Massnahmen ist immer die Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen.

Falls ein Kind oder Jugendlicher wegen eines schwerwiegenden Regelverstosses nach Hause geschickt werden muss, ist es zwingend, vorgängig mit den Eltern Kontakt aufzunehmen. Die Lagerleitung informiert ebenfalls die Kirchenpflege. Sind z. B. die Eltern nicht erreichbar oder in den Ferien, sodass sie ihr Kind nicht in Obhut nehmen können, muss eine andere Lösung gefunden werden. Entstehen dadurch den Verantwortlichen Mehrkosten (z. B. durch Extrabetreuung), können sie bei den Eltern eingefordert werden.

Ein Züchtigungsrecht besteht in keinem Fall. Betreuungspersonen machen sich durch Züchtigungshandlungen strafbar und werden von Amts wegen verfolgt.

Fehlverhalten im Lager eines verbindlichen rpg-Moduls führt nicht automatisch zum Ausschluss vom Modul. Solche Automatismen sollten bei den Sanktionsmassnahmen auch nicht vereinbart werden.

Die rpg-Verordnung sieht in den §§ 45–47[2] eine Vorgehensweise bei Störungen vor, die im Wesentlichen auf das Gespräch zwischen den Beteiligten setzt.nach oben

6.2.4 Suchtmittel[3]

Es wird empfohlen, für Lager mit Teilnehmenden, die noch die obligatorische Schule besuchen, sich an der Zürcher Volkschulverordnung[4] zu orientieren. Diese verbietet generell in § 54 das Rauchen, Alkohol und andere Suchtmittel für Schülerinnen und Schüler an schulischen Anlässen. Das Disziplinarreglement für Mittelschulen[5] verbietet in § 9 den Tabakkonsum bis und mit dem 9. Schuljahr, der Alkoholkonsum ist an Schulveranstaltungen nach § 9, Abs. 2 ebenfalls verboten.

Bei Lagern mit Jugendlichen über dem Schutzalter lässt sich ein generelles Verbot von Suchtmitteln nicht durchsetzen. In diesem Fall sind Regeln gemeinsam festzusetzen.

Grundsätzlich muss das Leitungsteam auch klären, wie es selbst mit Suchtmitteln umgehen will. Für einen Verzicht sprechen die Vorbildfunktion von Leitungspersonen und die Aufsichtspflicht. Die Verantwortlichen müssen dieser jederzeit nachkommen können.

Wichtige Informationen zur Suchtprävention bieten folgende Webseiten:

Im Ausland können andere Regeln gelten. Auskunft geben die Webseiten:

http://www.protection-of-minors.eu/

http://www.jugendschutz.li (Webseite wird neu gestaltet)nach oben

6.2.5 Tabak 

Es gibt keine gesamtschweizerische Gesetzesgrundlage, welche die Abgabe und den Konsum von Tabak regelt. Auf kantonaler Ebene ist der Verkauf von Tabak ab 16 Jahren bzw. ab 18 Jahren erlaubt. Für den Kanton Zürich gilt ein Abgabeverbot an Jugendliche unter 16 Jahren.

Hier findet sich die Übersicht über die aktuellen kantonalen Regelungen.

Gemäss oben genannter Empfehlung ist das Rauchen im Lager zu verbieten. Sind die Teilnehmenden, älter als 16 Jahre und das Rauchen nicht generell im Lager verboten, sollten die Nichtraucher geschützt werden.

Es wird empfohlen, dass sich das Leitungsteam an die gleichen Regeln hält, die für die Teilnehmenden gelten. Für den Fall, dass dem Leitungsteam das Rauchen gestattet, den Teilnehmenden jedoch nicht, ist zu gewährleisten, dass die Teilnehmenden vom Tabakkonsum der Leitungspersonen nicht beeinträchtigt werden. Auch hier sollten die Raucherzonen klar gekennzeichnet und die oben genannten Bedingungen erfüllt sein.

Das Leitungsteam sollte folgende Fragen beantwortet haben und kommunizieren:

  • Wer darf rauchen, wer nicht?
  • Wann darf geraucht werden?
  • Wo darf geraucht werden?nach oben

6.2.6 Alkohol

Die Abgabe von alkoholischen Getränken ist gesamtschweizerisch geregelt. Vergorene Getränke (Bier, Wein, Most etc.) dürfen nicht an Jugendliche unter 16 Jahren verkauft oder ausgeschenkt werden. Gebrannte Wasser (Kirsch, Whiskey etc.) dürfen nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft oder ausgeschenkt werden.

Bei Teilnehmenden ist nur dann der massvolle Konsum zu gestatten, wenn alle Teilnehmenden über der Altersgrenze von 16 bzw. 18 Jahren liegen.

Art. 136 StGB[6] stellt die Abgabe von alkoholischen Getränken sowie anderer Stoffe in gesundheitsgefährdender Menge an Jugendliche unter 16 Jahren unter Strafe.

Personen in Leitungs- noch Aufsichtsfunktionen sollen keine alkoholischen Getränke konsumieren, um jederzeit ihren Verpflichtungen nachkommen zu können.

Hier finden sich weitere Informationen zum Thema durch das BAG.nach oben

6.2.7 Betäubungsmittel

Der Konsum, Besitz, Anbau oder Handel von Stoffen und Präparaten wie Heroin, Kokain, Ecstasy und Cannabis ist verboten. Sie fallen unter das Betäubungsmittelgesetz.

Die Stadtpolizei Zürich führt dazu auf ihrer Internetseite (Zugriff am 29.09.2021) aus:

Die Meinung, dass man kleine Mengen illegaler Drogen zwecks Eigenkonsums auf sich tragen darf, ist nicht zutreffend. Jeglicher Besitz von Substanzen (auch Cannabisprodukte), die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, ist grundsätzlich verboten. Die verbotenen Drogen werden von der Polizei sichergestellt und es wird eine Anzeige wegen Besitzes und/oder Konsums von Betäubungsmitteln – mit Ausnahme des Besitzes von bis zu 10 Gramm Cannabis – an die zuständige Strafbehörde erstattet, die aber in jedem Fall die Einziehung und Vernichtung der Betäubungsmittel anordnet.

Der Konsum von Betäubungsmitteln wird grundsätzlich mit einer Busse bestraft, unabhängig von der Art der Droge. In leichten Fällen kann die zuständige Strafbehörde gemäss Art. 19a Ziff. 2 BetmG[7] das Strafverfahren einstellen, von einer Strafe absehen oder eine Verwarnung aussprechen. Geht es um blossen Besitz von Drogen zum Zweck des Eigenkonsums, kann die zuständige Strafbehörde das Verfahren gemäss Art. 19b BetmG ebenfalls einstellen bzw. von einer Strafe absehen, wenn es lediglich um eine geringfügige Drogenmenge geht. Die Beurteilung der Geringfügigkeit liegt im Ermessen der richterlichen Behörde. Es gibt dafür keine gesetzlichen Grenzwerte. Einzig bei Cannabis gelten seit Oktober 2013 zehn Gramm als geringfügige Menge im Sinne von Art. 19b BetmG.

Hier finden sich Weitere Informationen zum Thema Cannabis durch das BAG.nach oben

6.2.8 Fotos

Fotos und Filme können heute überall in guter Qualität mit Smartphones gemacht werden. Der Weg vom Smartphone ins Internet ist kurz. Zu beachten ist dabei das Recht am eigenen Bild. Dies bedeutet, dass die abgebildeten Personen in der Regel darüber entscheiden, ob und in welcher Form ein Bild aufgenommen und veröffentlicht werden darf. Der Verhaltenskodex der Zürcher Landeskirche schreibt dazu:

1 Das Recht am Bild und am eigenen Wort bedeutet, dass Personen (bei Kindern deren Eltern und bei Jugendlichen sie selbst) mit Bild- und Tonaufnahmen einverstanden sein müssen. Für die Veröffentlichung im Internet bedarf es der ausdrücklichen Einwilligung. Sie setzt voraus, dass informiert wird, in welchem Kontext und für wie lange das Bild- bzw. Tonmaterial veröffentlicht wird.

2 Fotos und Videos von Gemeindegliedern werden ohne Namensnennung ins Internet gestellt. Bilder von Anlässen mit Personen, die den Charakter eines Rückblicks auf einen Anlass haben, werden in der Regel nach einem Jahr entfernt. Foto- und Videoarchive bleiben maximal drei Jahre auf der gemeindeeigenen Homepage öffentlich zugänglich.

3 Filme, Computerspiele, Druckmaterialien oder andere Ton- und Bildträger werden nach pädagogischen Kriterien und altersadäquat eingesetzt.[8]

Das gilt sowohl für Fotos, die die Teilnehmenden untereinander machen, um sie dann z. B. auf Instagram oder einer anderen Plattform zu veröffentlichen, als auch für Fotos, die die Lagerleitung von Teilnehmenden macht, um sie später auf der Webseite der Kirchgemeinde zu veröffentlichen oder im Jahresbericht zu verwenden.

Mehr Informationen dazu auf der Seite des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten.nach oben

6.2.9 Smartphones

Smartphones können auf Wanderungen und Exkursionen hilfreich sein. Sie können aber auch das Lagerleben massiv stören. Die Lagerleitung entscheidet im Voraus, ob Smartphones ins Lager mitgenommen werden dürfen. Wenn ja, wird ein Zeitfenster pro Tag bestimmt, während dem die Teilnehmenden das Smartphone benutzen dürfen. Die Kinder und Jugendlichen dürfen und sollen nicht jederzeit Freunde und Eltern anrufen oder ihnen eine Nachricht schreiben können. Es ist auch eine Option, die Smartphones über Nacht einzuziehen. Die getroffenen Regeln zum Smartphone-Gebrauch sollten sorgfältig begründet und die Eltern darüber im Vorfeld informiert werden.
Wird eine generelles Verbot von Smartphones im Lager aufgestellt, muss den Eltern eine Notfalltelefonnummer abgeben werden, unter der sie die Lagerleitung jederzeit erreichen können.

Weitere Informationen und Unterstützungsangebote rund um das Thema Medienkompetenz und Präventionen bieten:

Einen Leitfaden zu Digitalen Medien in der offenen Jugendarbeit hat der Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz veröffentlicht.nach oben

6.2.10 Hausordnung

Lagerhäuser haben eine eigene Hausordnung, die zu beachten ist. In ihr ist der Umgang mit der Einrichtung, das Verhalten in der Umgebung, Nachtruhe etc. geregelt. Diese Ordnung ist durch alle Lagerteilnehmende zu beachten. Mit der Unterschrift der Lagerorganisation unter den Mietvertrag sind diese Regeln akzeptiert. Darüber hinaus kann die Lagerleitung weitere Regeln festlegen.

6.2.10.1 Ämtli

Die Leitung kann festlegen, welche Kinder und Jugendliche welche Aufgaben übernehmen. Auch aus pädagogischer Sicht ist es sinnvoll, die Teilnehmenden in die Verantwortung für das Gelingen des Lagers einzubinden. Dabei ist zu beachten, dass die Kinder und Jugendlichen mit den übernommenen Aufgaben nicht überfordert werden. Selbstverständlich ist, dass die Kontrolle und Wertschätzung der Ämtli Zeit und Personal erfordert. Beim Hausputz ist es eine Frage der zur Verfügung stehenden Zeit und des Budgets, ob die Endreinigung selbst vorgenommen oder durch den Vermieter erledigt wird.

6.2.10.2 Nachtruhe

Sofern die Nachtruhe durch die Hausordnung des Lagerhauses vorgeschrieben ist, darf diese durch die Leitung nicht überschritten werden. Dies ist besonders zu beachten, wenn der Vermieter und/oder der Hauswart im gleichen Gebäude wohnen. Im öffentlichen Raum gilt an den meisten Orten eine generelle Nachtruhe von 22.00 – 7.00 Uhr. Sie wird durch die Gemeinden geregelt. Auch sonst ist dafür zu sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen ausreichend Schlaf bekommen, da dies u. a. das Unfallrisiko verringert.

6.2.10.3 Geschlechtergetrennte Schlaf- und Waschräume

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes ist es angezeigt, geschlechtergetrennte Schlaf- und Waschräume zu bezeichnen oder allenfalls den Aufenthalt in den Waschräumen zeitlich geschlechtergetrennt zu regeln. Empfehlenswert ist zudem, den Kindern und Jugendlichen zu verbieten, sich in den Schlafräumen des anderen Geschlechts aufzuhalten (siehe auch 6.2.16 Sexualität im Lager). Zur Kontrolle ist es angebracht, die Zimmer der Leitungspersonen entsprechend zu wählen und Kontrollen durch Leitungspersonen des entsprechenden Geschlechts durchführen zu lassen.[9]

6.2.10.4 Aufenthalt in Räumen

Leitende sollten sich grundsätzlich nicht allein mit einem Kind oder einem bzw. einer Jugendlichen in einem Raum aufhalten.[10] Jedoch kann es immer wieder zu Zweiersituationen von Leitenden und Teilnehmenden kommen. Das Leitungsteam sollte miteinander klären, wie es mit solchen Situationen umgeht. So können zum Beispiel

  • nur bestimmte Räume für Einzelgespräche vorgesehen werden,
  • bestimmte Personen jederzeit Zugang zu Einzelsituation haben,
  • Gespräche immer bei geöffneter Tür stattfinden.

Bei Kontrollgängen oder Aufsuchen der Schlafräume durch Leitungspersonen ist auch zu beachten, dass diese nicht unangemeldet die Räume betreten, sondern mindestens anklopfen. Auch das Sitzen auf dem Bett, z. B. für ein Gute-Nacht-Ritual oder das Vorlesen einer Geschichte, sollte vorher im Leitungsteam thematisiert werden.

Waschräume und Garderoben werden nur betreten, wenn es aus Aufsichtsgründen notwendig ist (Gewalt, Sachbeschädigung, Unfall o. ä.).

Weitere Information bietet der Leitartikel 2017 «Risikosituationen transparent gestalten» der Fachstelle limita.

6.2.10.5 Freizeit, Ausgang

Die Lagerleitung hat die Kompetenz, Regelungen zu Freizeit und freiem Ausgang zu erlassen. Die Regelungen können gemeinsam vorgängig mit den Kindern und Jugendlichen erarbeitet werden. Sofern den Kindern und Jugendlichen ein freier Ausgang zugestanden wird, ist es sinnvoll, einen Bereich und allenfalls auch die Einrichtungen zu bezeichnen, die besucht werden dürfen. Wird z. B. im Rahmen eines Lagers eine Stadtbesichtigung geplant, so kann den Kindern und Jugendlichen erlaubt werden, sich in Gruppen frei zu bewegen. Dabei sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen (siehe auch 7.5 Verantwortung).nach oben

6.2.11 Heimweh

Je nach Alter sind manche Kinder das erste Mal längere Zeit ohne Eltern unterwegs. Plötzlich stellt sich Heimweh in Form von Bauchweh, Kopfweh oder Fieber ein. Oft sind es kleine Dinge, die das Heimweh auslösen: die ungewohnte Umgebung, unbekannte Geräusche, das Schlafen in Mehrbettzimmern etc.
Manchmal sind es auch die Eltern selbst, die Mühe damit haben, dass ihr Kind zum ersten Mal auswärts übernachtet. Sie telefonieren unter Umständen täglich. Es ist deshalb sinnvoll, Telefonregeln und -zeiten einzuführen. Mit Aufmerksamkeit und Zuwendung (vor allem am Abend, wenn die Kinder ins Bett gehen sollen und die alltäglichen Rituale fehlen) kann dem Kind geholfen werden, das Heimweh zu überwinden (zu beachten: 6.2.10.4 Aufenthalt in Räumen).nach oben

6.2.12 Hygiene

Da der Lagerleitung die Gesundheitsvorsorge übertragen ist, kann sie Vorgaben über die Hygiene machen. So ist es zulässig, z. B. Regeln aufzustellen, wie oft die Kinder und Jugendlichen duschen müssen. Der Verhaltenskodex der Zürcher Landeskirche schreibt dazu:

1 Gemeinsame Körperpflege (Waschen, Baden, Duschen etc.) insbesondere mit Kindern und Jugendlichen, ist nicht erlaubt.

2 In Badeanstalten, Sportstätten und Unterkünften werden geschlechtergetrennte Garderoben benutzt. Es wird darauf geachtet, dass kirchliche Mitarbeitende insbesondere Kindern und Jugendlichen nicht nackt begegnen.

3 Das Fotografieren oder Filmen während des Duschens, beim An- und Auskleiden oder in unbekleidetem Zustand ist allen untersagt. Verbote in Badeanstalten, Sportstätten und Unterkünften sind zu beachten.

4 Sind körperliche Berührungen bei Kindern oder pflegebedürftigen Personen, z. B. zur Hilfe bei der Hygiene, ausnahmsweise notwendig, setzt dies deren Zustimmung sowie jene der gesetzlichen Vertretung voraus. Erfordert eine Hilfestellung oder eine medizinische Versorgung eine Berührung des Intimbereichs, wird die gesetzliche Vertretung sowie die zuständige Person spätestens im Nachgang informiert. Solche Hilfestellungen erfolgen in der Regel im Beisein einer Drittperson. Sind regelmässig Pflegehandlungen notwendig, werden diese durch Fachpersonen vorgenommen.[11]

6.2.13 Kleidung

Kleidungsvorschriften sind in den letzten Jahren vermehrt zu einem Thema geworden. Einige Schulen haben diesbezüglich Kleiderordnungen und Empfehlungen erlassen, oftmals in Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern.

Grundsätzlich gilt, dass Kleidung dem Programm des Lagers angemessen sein muss. Im Schwimmbad ist Badekleidung zu tragen, auf einer Wanderung muss die Bekleidung entsprechend sein. Werden Gedenkstätten oder Kirchen besichtigt, ist auch hier auf passende Kleidung zu achten. Zuweilen werden dazu auch an den Orten selbst Vorschriften erlassen. Unbedeckte Schultern, zu kurze Hosen, bauchfreie T-Shirts, Tops und Flip-Flops sind mancherorts unerwünscht.

Es wird empfohlen, sich über angemessene Kleidung im Vorfeld Gedanken zu machen, was toleriert wird und was nicht. Entsprechend sind Kinder und Jugendlichen zu informieren und das Einverständnis der Eltern einzuholen.

Diesbezüglich aufgestellte Regeln gelten auch für das Leitungsteam. Der Verhaltenskodex der Zürcher Landeskirche hält dazu ausdrücklich fest[12]:

Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist die Kirchenpflege befugt, verbindliche Kleidervorgaben zu machen. Kirchliche Mitarbeitende kleiden sich angemessen.nach oben

6.2.14 Krankheit/Unfälle

Für die folgenden Punkte sind die Vorgaben des Verhaltenskodex zu beachten.[13]

Krankheiten

Die Eltern sollten im Vorfeld darauf hingewiesen werden, dass die Kinder zum Zeitpunkt der Abreise ins Lager frei von akuten und ansteckenden Krankheiten sein sollen, um Epidemien im Lager zu vermeiden. Sollte ein Kind zum Zeitpunkt der Abreise erkrankt sein, ist die Möglichkeit zu prüfen, ob es ins Lager nachreisen oder später gebracht werden kann.

Fieber/Durchfall/Erbrechen

Es kann der Fall eintreten, dass Kinder und Jugendliche während des Lagers erkranken. Kinder und Jugendliche mit Fieber sollten, wenn möglich, in einem Einzelzimmer untergebracht werden. Sie sollten auch dort nicht ständig Besuch von anderen Lagerteilnehmenden erhalten, um mögliche Ansteckungen zu vermeiden. Das kranke Kind, der bzw. die kranke Jugendliche muss überwacht werden. Die Eltern müssen benachrichtigt werden. Bei Durchfall und Erbrechen ist genügend Flüssigkeit zu verabreichen. Je nach Lagerort kann das kranke Kind von den Eltern abgeholt werden.

In folgenden Fällen muss ein Arzt gerufen bzw. aufgesucht werden:

  • Wenn sich der fieberhafte Zustand nach einem Tag verschlechtert.
  • Wenn die Temperatur am zweiten Tag immer noch 39 Grad übersteigt.
  • Wenn das Kind länger als zwei Tage Durchfall hat und erbricht.
  • Wenn sich die Bauchschmerzen in wenigen Stunden verstärken.
  • Wenn das Kind fantasiert oder in Ohnmacht fällt.
  • Wenn im Lager eine Epidemie ausbricht.

Zecken

Zecken können verschiedene Krankheiten wie Lyme-Borreliose oder Hirnentzündung übertragen. Sie kommen in der ganzen Schweiz bis zu einer Höhe von ca. 2000 Metern ü. d. M. vor und leben vorwiegend in Laubwäldern, an Waldwegen und Waldrändern. Zecken stechen am liebsten an warmen, dünnen Hautpartien wie Achselhöhlen, Schultern, Nacken, Haaransatz, Kniekehle, Armbeuge. Bei Kindern können Zeckenstiche auch am Kopf sein.

Kinder werden oft von Zecken gebissen, da sie beim Wandern und Spielen an Sträuchern und Büschen entlang streifen, wo die Zecken sitzen und auf ihren «Wirt» warten.

Weitere Informationen: Website des Bundesamtes für Gesundheit.

 Am Körper gefundene Zecken müssen möglichst rasch entfernt werden.

  • Dazu mit einer Pinzette die Zecke nahe an der Haut fassen und gerade herausziehen, danach die Haut desinfizieren.
  • Keine Substanzen wie Öl oder Klebstoff auf die Zecke streichen.
  • Stichstelle, Ort und Datum des Stichs notieren (kann aus versicherungstechnischen Gründen relevant sein).
  • Information an die Eltern über den Zeckenstich und den Ort.

 Wenn innerhalb von drei Wochen nach dem Zeckenstich folgende Beschwerden auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden:

  • Rötung am Einstichort oder an einer anderen Stelle (etwa faustgross)
  • Grippeartige Beschwerden
  • Schwindel
  • Gelenk- und Kopfschmerzen

Weitere Informationen: Schulärztlicher Dienst der Stadt Zürich.

Unfälle

Die oberste Priorität ist, Unfällen vorzubeugen, z. B. durch sinnvolle und ungefährliche Routenwahl, durch genügend Aufsicht, durch angemessene Belastung der Kinder, durch ein abwechslungsreiches Programm und ein grosszügiges Zeitbudget.

 Falls sich trotzdem ein Unfall ereignet, ist Folgendes zu beachten:

  • Es gilt: Ruhe bewahren, Übersicht gewinnen, nachdenken, handeln.
  • Es dürfen sich nicht alle Erwachsenen um das verletzte Kind kümmern, die anderen Kinder und Jugendlichen müssen auch beaufsichtigt werden.
  • Ein Leiter oder eine Leiterin begleitet das verletzte Kind ins Spital oder zum Arzt.
  • Die Eltern werden umgehend benachrichtigt.
  • Die anderen Kinder und Jugendlichen werden ins Lagerhaus zurückgeführt und beruhigt. Je nach Ereignis sollte Zeit für Fragen und für den Austausch sein.

 Ein Arzt sollte konsultiert werden bei:

  • tiefen Wunden und Bisswunden
  • Verdacht auf Vergiftungen (Notfallnummer 145, Webseite: https://toxinfo.ch/)
  • Husten, der länger als drei Tage anhältnach oben

6.2.15 Medikamente

Bei der Abgabe von Medikamenten ist Vorsicht geboten. Grundsätzlich sollten nur die Medikamente verabreicht werden, die von den Eltern mitgegeben werden (siehe 4.3 Information und Teilnehmenden-Blatt und 8.4) oder ärztlich verordnet worden sind. Im Notfall sollten Medikamente nur nach Rücksprache mit den Eltern verabreicht werden, um Unverträglichkeiten auszuschliessen, oder – falls die Eltern nicht erreicht werden können – ein nicht rezeptpflichtiges Medikament verabreicht werden. Idealerweise wird auch hier der Rat einer Fachperson eingeholt und auf jeden Fall Dosierungsanleitungen und Packungsbeilagen beachtet.nach oben

6.2.16 Sexualität im Lager

Auch beim Thema Sexualität im Lager sollten im Leitungsteam klare Regeln abgemacht und kommuniziert sein. So sollten z. B. bestehende Paarbeziehungen im Leitungsteam offengelegt und der Umgang damit besprochen sein.

In der Regel müssen geschlechtergetrennte Schlaf- und/oder Waschräume in einer Unterkunft vorhanden sein. Sind in der Unterkunft gemischte Schlafräume vorgesehen (z. B. bei einer Übernachtung in einer Berghütte), dann muss dies in der Ausschreibung aufgeführt werden.

Der Verhaltenskodex der Zürcher Landeskirche legt fest:

2 Die Lagerleitungen legen in Absprache mit der Kirchenpflege vor Beginn eines Lagers die Regeln für das Lager sowie allfällige Sanktionen fest und kommunizieren sie sowohl den Eltern wie auch den teilnehmenden Jugendlichen. Dabei wird entsprechend dem Alter der Teilnehmenden auch der Umgang mit Intimität und Sexualität thematisiert.

3 Sexuelle Handlungen und Intimitäten von kirchlichen Mitarbeitenden mit Kindern und Jugendlichen sind verboten. Sie werden angezeigt und haben gegebenenfalls personal-, disziplinar- und strafrechtliche Konsequenzen.[14]

6.2.16.1 Strafrechtliche Bestimmungen

Unter 16-Jährige stehen im Schutzalter und dürfen keine sexuellen Handlungen vornehmen. Diese bleiben jedoch straflos, wenn beide Parteien weniger als drei Jahre Altersunterschied aufweisen. Alle Formen sexueller Handlungen gegen den Willen von Jugendlichen oder Erwachsenen sowie sexuelle Belästigungen in Form von Worten oder Handlungen unterstehen dem Strafgesetz[15]. Massgeblich sind folgende Artikel:

  • Art. 187 Sexuelle Handlungen mit Kindern
  • Art. 188 Sexuelle Handlungen mit Abhängigen
  • Art. 189–191 Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Schändung
  • Art. 198 Sexuelle Belästigung

Die Lagerleitung ist verantwortlich, alle im Lager Mitarbeitenden über Prävention und Intervention zu informieren sowie bei vermutetem oder bestätigtem Verdacht auf sexuelle Ausbeutung oder Handlungen Schritte einzuleiten, um Kinder oder Erwachsene bestmöglich zu schützen.

6.2.16.2  Meldepflicht

Eine Meldepflicht besteht nach Art. 314d ZGB[16] für folgende Personen, wenn konkrete Hinweise dafür bestehen, dass die körperliche, psychische oder sexuelle Integrität eines Kinds gefährdet ist und sie der Gefährdung nicht im Rahmen ihrer Tätigkeit Abhilfe schaffen können:

  1. Fachpersonen aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Pflege, Betreuung, Erziehung, Bildung, Sozialberatung, Religion und Sport, die beruflich regelmässig Kontakt zu Kindern haben.
  2. Personen, welche in amtlicher Tätigkeit von einem solchen Fall erfahren.

Die Meldepflicht erfüllt auch, wer die Meldung an die vorgesetzte Person richtet.

Die Meldungen sind zu richten an eine der Stellen der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden im Kanton Zürich (www.kesb-zh.ch)

Weitere Informationen zum Thema finden sich:

6.2.17 Social Media 

94 % der Jugendlichen haben ein Profil in einem sozialen Netzwerk. Neben dem generellen Umgang mit Smartphones sollte daher auch der Umgang mit Fotos und Videos und deren Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken thematisiert werden (siehe auch 6.2.8 Fotos). Grundsätzlich sollten keine Veröffentlichungen im Internet ohne ausdrückliche Einwilligung erfolgen, insbesondere keine Archivierungen von Bildmaterial.

Hinweise dazu gibt die nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenzen jugendundmedien.ch.

WhatsApp hat im Zuge neuer europäischer Datenschutzbestimmungen 2018 die Altersgrenze auf 16 angehoben. Daher ist für unter 16-Jährige im WhatsApp-Chat zu beachten: Wer für Lager einen Gruppenchat einrichten will, sollte beachten, dass in der Schweiz die Eltern für die Einwilligung zur Nutzung von WhatsApp ihrer Kinder unter 16 Jahren zuständig sind. Falls ein Kind noch kein WhatsApp-Profil hat und eines eröffnen müsste, wird empfohlen, eine von den Eltern unterschriebene Einverständniserklärung einzuholen. Wenn ein Kind bereits WhatsApp nutzt, können die Leiterpersonen davon ausgehen, dass eine Zustimmung der Eltern vorliegt.

Für die meisten Messenger-Dienste gilt eine Altersgrenze von 13 Jahren. Eine gute Übersicht findet sich bei klicksafe.de. Klicksafe.de stellt auch übersichtliche Kurzzusammenfassungen der AGBs der bekanntesten Online-Dienste kostenlos zur Verfügung.nach oben

6.2.18 Cybermobbing, Sexting, Pornographie

Immer wieder berichten die Medien von Cybermobbing im Blick auf Kinder und Jugendliche. Inzwischen ist an manchen Schulen dieses Thema zum grössten Präventionsthema avanciert.

Cybermobbing ist Mobbing im Internet. Dabei wird eine Person absichtlich und über eine längere Zeit immer wieder über digitale Medien schikaniert, z. B. mit SMS, Chat-Nachrichten und Einträgen in Online-Diensten (Instagram, TikTok etc.).

Weitere Informationen unter:

Die Wortschöpfung «Sexting» setzt sich aus den englischen Wörtern «sex» und «texting» zusammen. Bei Sexting werden erotische Selbstaufnahmen (Fotos oder Videos) via Smartphone oder Internet verschickt. Auch das Verschicken von erotischen oder pornografischen Mitteilungen gehört dazu. Die Inhalte werden über Plattformen wie etwa Facebook, WhatsApp und Snapchat an eine Person oder an eine Gruppe gesendet.

Mehr Informationen unter:

Über die digitalen Medien kommen Kinder und Jugendliche schon früh mit sexuellen und pornografischen Inhalten in Kontakt. Die Studie EU-Kids Online (2019) zeigt, dass 68 % der schweizerischen Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren bereits sexuelle Inhalte im Internet gesehen haben.

Strafrechtlich besonders zu beachten ist der Art. 197 StGB[17]. In Ziffer 1 heisst es dort zur Pornographie:

Wer pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen, Abbildungen, andere Gegenstände solcher Art oder pornografische Vorführungen einer Person unter 16 Jahren anbietet, zeigt, überlässt, zugänglich macht oder durch Radio oder Fernsehen verbreitet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Das Rechtshandbuch für Jugendarbeitende «Alles, was Recht ist » erläutert dazu: «Strafbar macht sich bspw. also, wer einem 14-jährigen Kind auf dem Mobiltelefon ein pornographisches Bild zeigt, oder der Lagerleiter, der nicht einschreitet, wenn Kinder im Ferienlager pornographisches Material anschauen.»[18]

Weitere Informationen unter:

6.2.19 Taschengeld

Das Mitgeben von Taschengeld kann rechtlich nicht verhindert werden. Eine Möglichkeit ist, im Vorfeld mit der Gruppe die Höhe des Taschengelds für das Lager auszuhandeln oder Empfehlungen auszusprechen. Beides sollte in den Elterninformationen kommuniziert werden.nach oben

6.3   Krisen

Kommt es in einem Lager zu einem schweren Unfall oder einem anderen schwerwiegenden Vorfall, so kann sich dieser zu einer Krise entwickeln. Krisen mangen kann nur, wer sich darauf vorbereitet. Das Krisenkommunikationskonzept der Landeskirche bietet dazu eine Hilfestellung.

Für die konkrete Bewältigung eines Notfalls ist die Notfall-App (zh.ch) der Bildungsdirektion des Kanton Zürich hilfreich.nach oben

6.4   Lohn und Arbeitszeit

Nach § 142 Abs. 3 VVO zur PVO[19] sind grundsätzlich höchstens 14 Stunden pro Arbeitstag anrechenbar. Als Richtwert für die Arbeitszeit pro Lagertag empfiehlt sich ein Ansatz von 11 Stunden. Die Regelungskompetenz dafür liegt bei der Kirchgemeinde. Grundsätzlich sollte die anrechenbare Arbeitszeit für alle Berufsgruppen und Honorarkräfte gleich geregelt werden. Die Kirchgemeinde übernimmt in der Regel für alle Leitungspersonen Kost und Logis. Fragen der Entschädigung von Begleitpersonen und Küchenteam sind im Leitfaden Freiwilligen und Honorararbeit geregelt.nach oben


[1] Zum Vergleich: J+S empfiehlt bis 24 Teilnehmende zwei Leitungspersonen, ab 25 Teilnehmende und für je 12 zusätzlich Teilnehmende eine weitere Leitungsperson.

[2] Verordnung über die religionspädagogischen Angebote (rpg-Verordnung) LS 181.17

[3] Zu den Punkten 6.2.4 – 6.2.6 vgl. auch: Verhaltenskodex für die kirchliche Tätigkeit – Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 9–11.

[4] Volksschulverordnung (VSV), LS 412.101

[5] Disziplinarreglement der Mittelschule, LS 413.211.1

[6] Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB) SR 311.0

[7] Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (BetmG) SR 812.121

[8] Verhaltenskodex für kirchliche Tätigkeiten – Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 8.

[9] Verhaltenskodex für die kirchliche Tätigkeit – Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 10

[10] Verhaltenskodex für die kirchliche Tätigkeit – Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 9 Abs. 5.

[11] Verhaltenskodex für die kirchliche Tätigkeit – Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 4.

[12] Verhaltenskodex für die kirchliche Tätigkeit – Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 9 Abs. 4.

[13] Verhaltenskodex für die kirchliche Tätigkeit – Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 4.

[14] Verhaltenskodex für die kirchliche Tätigkeit – Vom respektvollen Umgang in der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Nähe und Distanz sowie Schutz der körperlichen, sexuellen, seelischen und spirituellen Integrität, Ziff. 10.

[15] Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB) SR 311.0

[16] Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB) SR 210

[17] Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB) SR 311.0

[18] Aus: okaj zürich, Kantonale Kinder- und Jugendförderung (Hg.). Alles was Recht ist. Rechtshandbuch für Jugendarbeitende. 4. überarb. Aufl. 2017. Orell Füssli Verlag, Zürich, S. 135.

[19] Vollzugsverordnung zur Personalverordnung 181.401