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"WunderBar"

Ref. Kirche Wädenswil

2017 angeschafft, begleitete das Piaggio-Mobil als wunderbare Kaffee-Bar Gottesdienste und manch andere Veranstaltung. Bereits 2018 war es mehr als zwanzigmal im Einsatz auf Plätzen, Märkten und in Pärken. Während der coronabedingten Einschränkungen unterstützte es das örtliche Sommerprogramm für Senioren und bereicherte während mehrerer Dienstage das Spielplatz-Geschehen. - Jugendarbeiterin Sabine Godinez berichtet:


Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

2017 hat unsere Kirchgemeinde das Piaggio-Mobil anlässlich des 250 Jahre-Jubiläums der Kirche angeschafft. Es ist multifunktional: Manchmal eine mobile Kaffeestation, dann wieder ein Marktstand oder eine Crèpebar. Das Mobil heisst "WunderBar: Ein bisschen Himmel auf Erden!" - bereits ein Gesprächsthema für sich. Oft werden nach Gottesdiensten und bei Anlässen von der WunderBar Kirchenkaffee oder Apéros serviert.

Durch die coronabedingten Einschränkungen während und nach dem Lockdown mussten wir viele Kinderangebote, die Seniorenreise und die Gemeindereise absagen. Zugleich merkten wir, dass wir trotz allen Anstrengungen viele Menschen mit unseren Telefonaten, Einkaufshilfen und digitalen Angeboten nicht erreichten bzw. ihren Bedürfnissen nach Gemeinschaft in einem sicheren Rahmen nicht entsprachen. Deshalb entwickelten die Sozialdiakoninnen Margrith Jost und Ursula Tolle während des Lockdowns für Juli die Idee eines Sommerprogramms (siehe PDF-Flyer), begleitet von der WunderBar. Alle Workshopleiterinnen sagten spontan zu. Die Angebote waren kostenlos, aber die Plätze begrenzt. Anmeldungen war wegen Corona nötig. Wo sich Leute beim Basteln näher kamen, wurden Masken getragen. Nur bei der Morgengymnastik im Park konnten Passanten und Passantinnen spontan mitmachen.

Die Teilnehmenden genossen nach solchen Workshops Kaffee und Gipfeli von der WunderBar. Diese blieb an den Tagen gleich im Park stehen. Wer vorbeikam, bekam nach Wunsch gratis Kaffee, Gebäck oder Glace und kam mit Mitarbeitenden, der Pfarrperson oder der Kirchenpflege ins Gespräch. Dann, nach den Sommerferien haben wir die WunderBar an fünf Dienstagen auf dem Spielplatz im Rosenmattpark aufgebaut. Dort boten wir meistens auch ein Begleitprogramm - Kinderspiele - an. Wer zum Konsumieren da blieb, hinterliess zwecks Contact Tracing die Kontaktdaten und konnte angeben, ob die Kirchgemeinde ihn bzw. sie damit auch auf andere Angebote aufmerksam machen durfte.

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Um einen Nachmittag mit der WunderBar zu realisieren, braucht es ein Miteinander. Nicht alle können dieses Gefährt fahren. Zudem muss eingekauft werden, je nach Standplatz braucht es eine Genehmigung der politischen Gemeinde. Steht das Gefährt auf dem Stellplatz, muss es an den Strom angeschlossen und eingerichtet werden. Es braucht ein paar Sitzbänke, Wasser und Mülleimer, und Listen für das contact tracing. Und abends muss alles wieder abgebaut und verstaut werden. So "kostet" ein dreistündiger Betrieb, der meistens zu zweit durchgeführt wird, etwa eineinhalb Stunden Vorbereitung - ohne das Begleitprogramm. Da andere Angebote ausfielen, konnten wir das innerhalb unserer normalen Arbeitspensen leisten.

Mit Plakaten, in WhatsApp-Gruppen, auf Facebook und via Handzettel haben wir auf die Daten aufmerksam gemacht.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

Auf dem Spielplatz kamen jeweils 60 bis 85 Personen zu uns. An einem Nachmittag zählten wir fünfzehn verschiedenen Sprachen. Die Altersspanne war gross. Denn neben den Familien kamen auch die Senioren vorbei, welche uns bereits vom Sommerprogramm her kannten. Schon beim zweiten Mal gab es partizipative Ansätze: Mütter organisierten einen Kleidertausch, andere steuerten Kuchen oder selbstgemachten Ice-Tee bei. Es wurden neue Kontakte geknüpft zwischen Nationalitäten; Nöte und Themenfelder wurden geteilt. Und wir bekamen Lob: «Was? So etwas macht die Kirche?», «Das solltet ihr immer anbieten..!», «Weiter so - das ist für mich Kirche im Ort», «Ich komme gerne. Dann bin ich nicht alleine. Hier finde ich Ansprache!».

Wir konnten auf Familiengottesdienste, Förderangebote und Seelsorgemöglichkeiten hinweisen und andere Menschen als sonst erreichen. Die Zeitung berichtete über uns. Das brachte nochmals mehr Publikum.

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Mit der WunderBar haben wir ein Mittel, um im öffentlichen Raum als Kirche sichtbar zu sein und für die Menschen mit ihren Bedürfnissen nach Austausch, Beheimatung und gemeinsam verbrachter Zeit niederschwellig da zu sein. Wir bieten ganz unkompliziert offene Ohren und unsere Zeit an. Im offenen Gespräch ergeben sich neue Anknüpfungspunkte, wie Menschen ganz unterschiedlich begleitet werden können. Kirche nahe bei den Menschen. Deshalb werden wir im November und im Dezember wieder einmal wöchentlich auf dem Spielplatz präsent sein - zusätzlich zu unseren normalen Angeboten, die wir dann hoffentlich weiter durchführen können. Dankbar sind wir für jede freiwillige Hand, die mithilft. Einige Mütter vom Spielplatz haben sich bereits dafür gemeldet.

Tendenziell sehe ich, dass das Verlangen nach aufsuchender Arbeit und neuen Begegnungsformen zunimmt. Dafür spricht auch, dass die Asylkoordination uns letzthin anfragte, ob wir mit ihnen im Rahmen der Frühförderung zusammenarbeiten könnten.

Was raten Sie anderen Kirchgemeinden, die Ähnliches tun wollen?

Unser Glück war, dass wir die WunderBar bereits angeschafft und in Betrieb genommen hatten. So haben wir etwas Bekanntes nur leicht umfunktionieren und nicht erst viel Geld in die Hand nehmen müssen. Und es brauchte eine zündende Idee, wie wir die WunderBar sinnvoll einsetzen. Angesichts der Distanzregeln spielten uns Wetter, Park und WunderBar gerade in die Hände, ein niederschwelliges Angebot zu "zaubern".


Für Fragen steht Sabine Godinez, Jugendarbeiterin gerne zur Verfügung:

sabine.godinez@kirche-waedenswil.ch