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Aktion Weihnachts-Päckli

Ref. Kirche Furttal

"Für die Aktion Weihnachtspäckli im November benötigen wir warme gestrickte Kleidung. Wolle dazu haben wir gesammelt und bringen Ihnen die gewünschte Menge gerne nach Hause. Melden Sie sich." - So rief Sozialdiakonin Patricia Perosce im März auf. Sie erzählt:


Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Seit ein paar Jahren macht die Kirchgemeinde Furttal bei der Aktion Weihnachtspäckli mit, ein gemeinsames Projekt verschiedener Hilfswerke. In unserer Gemeinde beteiligen sich Menschen jeglichen Alters. Fürs Stricken jedoch hatten sich im letzten Oktober vor allem SeniorInnen gefunden. Nach einem gemeinsamen "Strickstart" trafen sie sich hie und da im Begegnungscafé der Kirchgemeinde. Die nötige Wolle kam durch Spenden und durch Restbestände eines Wollladens zusammen.

Nach dem Lockdown musste sich die Kirchgemeinde neu sortieren. Schnell war klar, dass wir unsere Kräfte auf Gottesdienste, Seelsorge und Diakonie konzentrieren werden. Bei der Diakonie fragten wir uns: Wer ist besonders herausgefordert und wie können wir da diakonisch spürbar sein? Wir haben verschiedene Projekte initiiert. Eines davon ist das vorzeitige Stricken für die Aktion Weihnachtspäckli. Denn Zeit haben und etwas Kreatives, Sinnvolles machen, motiviert viele. So habe ich gleich nach dem Lockdown im Furttaler Extrablatt zum "Strickstart daheim" aufgerufen. 

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Unsere "Corona Einsatz Gruppe" (Vertretung verschiedener Gremien) hat die Idee sofort gutgeheissen. Wolle hatte ich noch. Einmal in der Woche liefere ich Material an die, die nachfragen. Initial dachte ich, dass dies die Freiwilligen des Projektes "Alltagshilfe" übernehmen würden. Aber die Materialwünsche verteilen sich über die Wochen gut. So fahre ich selbst herum und nutze die Gelegenheit für kurze Türgespräche nach BAG-Regeln. Insgesamt kostet es uns als Kirchgemeinde also keinen Rappen mehr.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

Gestricktes.jpgIch erhielt und erhalte viele Anrufe. Gegenüber letztem Jahr hat sich die Zahl der Strickenden in etwa verdoppelt. Sie verteilen sich über das ganze Furttal. Erste Resultate habe ich schon gesehen und Woll-Nachschub geliefert.

Mich freut, dass bei den Woll-Lieferungen an der Haustür auch Alltagsthemen und seelsorgerliche Themen angesprochen werden. Mitunter erfahre ich, ob Unterstützung in anderen Bereichen hilfreich wäre und kann eventuell Dienste vermitteln.

Allgemein: Die Gemeindeglieder schätzen das "Spürbar-sein" der Kirche, obwohl alle miteinander zurzeit auf Distanz agieren. Ich höre immer wieder, dass Leute selbst Neues ausprobieren, um sich auszutauschen. Es entstehen Vorplatz - Balkon Gespräche: Fürs bessere Verstehen telefonieren die Leute dabei. Oder sie gehen auf breiten Waldwegen mit zwei Meter Abstand miteinander spazieren. ​Zur Pause bringt jede und jeder den Kaffee selbst mit. ​Die von der Kirche organisierte Einkaufshilfe schafft neue Bekanntschaften. Oft sind diese auch über diese Hilfe hinaus füreinander da.

Zudem nehme ich wahr, dass das geistige Leben in neue persönliche Bahnen mit festen Strukturen kommt. Die offene Kirche wird für die Tagesstruktur genutzt. Man trifft sich so in gewahrter Distanz zum gemeinsamen stillen Gebet in den Kirchenbänken. Die Tageslosungen werden dazu eingesetzt. Das alles stimmt mich dankbar.

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Die gestrickten Sachen werde ich im November wieder einsammeln: Am liebsten bei einer gemütlichen Strickrunde bei Kaffee, Kuchen und Austausch über die vergangenen Monate. Oder ich werde dies wieder mit kurzen Türgesprächen verbinden.

Update November 2020: Anfang November wurden an drei Orten im Furttal die Weihnachtspäckli Inhalte entgegen genommen. Insgesamt konnten 155 Päckchen mit mindestens drei warmen Kleidungsstücken und 6 110-Liter-Säcke der Ostmission übergeben werden, ca. 40 Päckchen mehr als im vergangenen Jahr. Die Ostmission berichtete, dass der Transport über die verschiedenen Grenzen gelungen sei und die Päckchen nun vor Ort verteilt werden würden.

Verbundenheit funktioniert auch über Distanz. Sich dabei als Teil von etwas Grösserem zu fühlen ist wunderbar und hilft gegen Einsamkeit. Bei den  nächsten "Strickanlass-Ausschreibungen" werde ich ebenfalls an die Menschen denken, die nicht mehr ausser Haus gehen können. Diesen Personen werde ich wieder Verteilbesuche anbieten.

Grundsätzlich sind wir alle gerade Lernende und Ausprobierende. Wie wir in der neuen Realität Kirche und Gemeinde sein wollen und können beschäftigt uns. Mir kommen dabei manchmal Stellen aus der Bibel in den Sinn. So denke ich an das Wort «metanoia»,  sinnbildlich für eine Neuorientierung, eine Veränderung der inneren Einstellung, eine Kehrtwende im Leben. Die Coronavirus-Pandemie wirkt bei manchen Aspekten als Katalysator. So lernen wir als Kirche, vermehrt auch mit digitalen Medien zu arbeiten. Und wir sind aufgefordert zu durchdenken, was der Kern von gelebter Gemeinde ist und wie wir das künftig unter anderen äusseren Umständen umsetzen können. Es werden spannende, herausfordernde, richtungsweisende Monate folgen.

Was raten Sie anderen Kirchgemeinden, die nun gerne ähnliches initiieren würden?

Sie brauchen die Welt nicht neu erfinden. Gehen Sie vom Bestehendem aus und überlegen Sie, wie sich das allenfalls mit anderem verknüpfen lässt.

Und: Beim Stricken sind bis jetzt alle Frauen kompetenter als ich. Insofern darf man auch auf die Fertigkeiten, Ideen und kreativen Umsetzungen der einzelnen Personen bauen. Strickanleitungen sind da eigentlich unnötig. Ansonsten tauschen sie sich auch mal gegenseitig am Telefon aus.

Fragen wie: "Wie kann dieses Angebot gestreut werden? Wie erfahren Interessierte davon?" stellen sich. Bei uns eigneten sich das Kirchenblatt, das Lokalblatt, sowie die Mund zu Mund Propaganda gut, die Zielgruppe zu erreichen.


Für Fragen steht Patricia Perosce, Sozialdiakonin gerne zur Verfügung:

patricia.perosce@kirche-furttal.ch