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Im Gärtli der jungen Erwachsenen

Ref. Kirche Veltheim

Seit April 2020 bewirtschaften junge Leute aus der Kirchgemeinde einen Garten in Winterthur – ein Projekt, das mitten im Lockdown durchstartete. Es ging aus der Jugendleitungsausbildung (www.zak-zhref.ch) hervor. Einer der drei Initianten, Julius Labusch, erzählt:


Bitte beschreiben Sie kurz Ihr Projekt.

Gaertli3.jpegHinter dem «Gärtli» stecken Jugendleiterinnen und Jugendleiter der Kirchgemeinde Veltheim. Die Gruppe von 16 jungen Leuten bewirtschaftet einen 1500 qm Garten, den die Kirchgemeinde gepachtet hat. Wir ziehen Gemüse, essen das, was uns die Schnecken übriglassen und geniessen die Zeit miteinander. Damit es gemütlich wird, haben wir mehrere Lounges aufgetrieben.

In unserem Garten treffen sich regelmässig zudem der Meitli- und der Bubentreff. Im Sommer fanden diverse weitere Anlässe der Kirchgemeinde darin statt, z.B. ein Sing-Nachmittag für 5. und 6. Klässler (JuKi) im Juni, als das gemeinsame Singen in den Räumen noch nicht möglich war. Und im Juli haben wir die Kirchenpflege zu einem Apéro ins Gärtli geladen.

Im Herbst wollen wir den Bauwagen, den wir vom Vorpächter übernehmen konnten, so einrichten, dass wir im Winter gemeinsam drinnen sitzen können.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Von April 2019 bis März 2020 haben wir – 15 Jugendliche aus Winterthur – als eine von zwei Pilotgemeinden die Jugendleitungsausbildung (zak) absolviert. Geleitet wurde die Ausbildung von unserer Jugendarbeiterin, unterstützt von unserem Jugendarbeiter und unserem Pfarrer. Wir haben uns als Gruppe super verstanden. Das hat auch damit zu tun, dass die meisten von uns im Frühling 2019 miteinander in die Ukraine gereist sind, um ein HEKS-Projekt kennenzulernen und dort anzupacken.

Als es am Ende der Ausbildung darum ging, gemeinsam ein Projekt auszuhecken, von dem auch die Kirchgemeinde profitieren würde, kam uns die Idee mit dem Garten, der uns als Treffpunkt dienen und auch andere in die Gemeinschaft hineinnehmen sollte. Zufällig hat die Frau des Pfarrers im Frühling von einem Grundstück am Waldrand des Wolfensbergs erfahren, das zur Pacht ausgeschrieben war.

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Gaertli.JPGUnser Jugendarbeiter und unser Pfarrer, sie haben uns von Beginn an unterstützt. Mit ihrer Hilfe haben wir unsere Vision zu Papier gebracht mussten unsere Idee dann vor Jugendkommission präsentieren und verteidigen. Schliesslich hat die Kirchenpflege den Garten für uns gepachtet. Es ging immerhin um 600 Franken pro Jahr, dazu kam einmalig der Betrag von 2300 Franken für den Bauwagen, einen grossen Rasenmäher, zahlreiches Werkzeug, Festbankgarnituren usw. Wir spürten rasch, dass uns die Erwachsenen vertrauten.

Den Pachtvertrag hat unsere Kirchgemeinde unterschrieben. Wir drei Initianten haben uns verpflichtet, von der jährlichen Pacht einen Teil selbst zu zahlen. Unserer Gruppe geben wir das nicht weiter. Wir möchten, dass alle ohne Bürde und Verpflichtung zum Garten kommen können.

Was haben Sie im Garten dann gemacht?

Den Garten mussten wir zunächst von Gestrüpp befreien und einen umgestürzten Baum zu Brennholz verarbeiten. Gut war, dass wir vom Vorpächter das Werkzeug übernehmen konnten. Während des Lockdowns gab es keine Setzlinge zu kaufen. Einer von uns hat aber einen grünen Daumen und zog verschiedenes Gemüse daheim bis zur Pflanzgrösse gross.

Auf dem Grundstück gibt es weder Wasser noch Strom, auch keine Sanitäreinrichtungen. Ein anderer von uns, ein werdender Automatiker, hat mit einem seiner Kollegen eine kleine Solaranlage auf dem Dach des Bauwagens montiert. Rund um den Bauwagen haben wir Auffanggefässe für Regenwasser aufgestellt. Auch der kleine Teich auf dem Grundstück hat geholfen. So mussten wir bisher nur wenige Male zum Brunnen laufen, um Wasser zu holen. Der Brunnen ist etwa ein halber Kilometer entfernt.

Wir haben also viel selbst gemacht und vieles aus dem gestaltet, was wir sowieso hatten. Kleinere Investitionen, so etwa Gartenerde, eine ersteigerte Gartenlounge oder die Solarlampions, haben wir als Gruppe gestemmt. Für zukünftige Investitionen wollen wir Geld verdienen und es beiseitelegen – vielleicht mit «Essen aus selbst gezogenen Zutaten» oder einem Adventskalender im Winter.

Nach ein paar Monaten haben wir gemerkt, dass wir uns organisieren müssen. So haben wir einen Vorstand aus fünf Personen gebildet. Um den Vorstand zu wählen und eine grössere Investition abzusegnen, haben wir eine Mitgliederversammlung abgehalten.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

Zurzeit sind es 16 Mitglieder, aus der Jugendleitungsausbildung stammen zwölf, vier andere sind hinzugestossen. Sie zahlen einen kleinen zweistelligen Betrag pro Jahr. Eigentlich möchten noch weitere mittun, Corona-halber haben wir im Sommer aber einen Stopp gerissen. An den Anlässen waren und sind jedoch immer auch andere junge Leute dabei, zumindest, solange die Corona-Bestimmungen das zulassen.

Die Resonanz aus unserer Kirchgemeinde ist positiv. Dank der Gemeindebeilage und weil Gruppen von Jüngeren ab und zu dort sind, haben viele Eltern davon erfahren und uns besucht. Auch so werden wir darauf angesprochen.

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Gaertli_2.jpegDie Corona-bedingten Einschränkungen haben für uns Vor- und Nachteile gebracht: Unsere Anfangs-Euphorie, unser Gemeinschaftsgefühl und unser Arbeitseifer haben davon sehr profitiert. Zu normalen Zeiten wären viele von uns anderen Freizeitaktivitäten nachgegangen. Diese fielen plötzlich weg. So entstand Freiraum für den Garten. Häufig waren wir in einer Gruppenkonstellation da, die es sonst nicht gegeben hätte. Öfter waren wir eher viele als wenige. Gleichzeitig arbeiten wir unter erschwerten Bedingungen und mussten Abstand halten. Das war auf dem grossen Gelände nicht schwierig.

Wir hoffen, dass vor allem das Gemeinschaftsgefühl über die Zeit hinweg bleibt. Und dass wir eine Zeitlang als Gruppe weiter so zusammenhalten. In ein paar Jahren wollen wir den Garten an eine nächste Generation weitergeben. Wir als Initianten sind unserer Kirchgemeinde für den Garten und das Vertrauen dankbar!

Was raten Sie anderen Kirchgemeinden, die Ähnliches tun wollen?

Die Jugendleitungsausbildung brachte uns auf die Idee. Dafür sind wir sehr dankbar. Sicher gibt es auch anderswo Jugendliche und Projekte, zu denen sie sich zusammenfinden, motivieren, engagieren und daran wachsen können. In diesem Sinne: Ich fände es schön, wenn auch andere Kirchgemeinden den Jugendlichen auch eine solche Chance geben könnten.


Für Fragen steht Julius Labusch gerne zur Verfügung: juliuslabusch@gmail.com