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Farblabor für Kinder

Ref. Kirche Rafz

Bunt umherspritzen - wer darf das schon daheim? Gut, dass es stattdessen das Farblabor gab. Die Drittklässler der Reformierten Kirche Rafz bekamen Farbe, Schutzkleidung und ein Zelt und los ging es. Was dabei herauskam, überraschte alle: Die Bilder wurden ausgestellt und versteigert. Der Erlös kam einer Familie im Ort zugute. - Die Katechetin Sabine Ganz erzählt:


Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Nach dem Lockdown, Anfang Juni 2020, war ich froh, meine Drittklässler wieder zu sehen. Anstatt die Schulbank zu drücken, sollten sie sich austoben können. Aber es galt, Abstand einhalten. Mir war nicht wohl dabei, immer an die Regeln erinnern zu müssen. So kam mir die Idee, die Kinder einzupacken - in Maleranzügen, Handschuhen und mit Gesichtsvisieren und Helmen. Und was gibt es besseres, als dann mit Farben herumzuspritzen! Das Farblabor war geboren - ein Zelt mit drei Wänden, einem abgedeckten Boden, viel Arbeitsfläche, verschiedenen Farben und anderen Materialien.

Die Kinder durften alles, einzig der Boden ausserhalb des Zeltes musste sauber bleiben. Nach anfänglichem Zögern haben die Kinder die Farben auf die Papiere gespritzt, geworfen, gesprayt, verteilt, gemalt... . Es entstanden Gemeinschaftswerke, so toll, das hatte ich nicht erwartet. Die Kinder und ich beschlossen: Auch andere sollen sie sehen. Das warf Fragen auf: Wo und wie könnten wir ausstellen, wer genehmigt das? Bei einem nächsten Treffen gaben die Kinder den Bildern Namen, ich schnitt farbige Rahmen zurecht. Zusammen mit der Pfarrerin organisierte ich Anfang Juli 2020 dann die Ausstellung im Kirchenraum. Den Auftakt dazu machte ein Gottesdienst. Die Bilder hingen dort für eine Woche mit der Möglichkeit, sie still zu ersteigern: Wer wollte, konnte auf einem Talon Namen und Preis schreiben. Das höchste Gebot gewann. Das Geld, insgesamt mehr als 1000 CHF, kam über das Sozialamt einer Rafzer Familie zugute.

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Innenraum.JPGDas Farblabor habe ich innerhalb der Katechetik-Arbeit initiiert. Als Farben habe ich die Reste genutzt, die die Kirchgemeinde hatte. Genügend Papier war auch vorhanden. Zelt und Flipchart hatte ich privat. Gekauft habe ich einzig einiges der Schutzkleidung, manches habe ich auch gebastelt.

Für die Ausstellung haben die Pfarrerin und ich ich eine Projektskizze zu Handen unserer Kirchenpflege geschrieben. Die wurde genehmigt. Ich habe Flyer (hier als PDF verfügbar) im Dorf aufgehängt, an die Eltern verschickt und die Ausstellung im Kirchenraum aufgebaut und wieder abgebaut.

Um die Familie zu finden, die das Geld gut gebrauchen kann, habe ich das Sozialamt kontaktiert. Mir selbst sind die Empfänger nicht bekannt.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

Sechs meiner sieben Drittklässler haben am Farblabor teilgenommen. Wollte ich es mit mehr Kindern machen, wäre der Aufwand nicht in meinem Pensum zu stemmen. Ausserdem wären die Kosten für Farben und Schutzkleidung dann doch merklich.

Wie viele Personen die Ausstellung besucht haben, weiss ich nicht, da wir eine offene Kirche hatten. Fünfzehn Personen haben auf die Bilder mitgeboten. Zehn Bilder sind versteigert worden. Als ich diese bei den Gewinnern vorbeibrachte, hörte ich durchweg Lob: "Schön, mal etwas anderes zu erleben." und: "Wir freuen uns, dass das Geld im Dorf etwas Gutes bewirkt."

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Das Erlebnis war eines meiner Highlights dieses Jahr: Die Beschränkungen haben mich besonders erfinderisch werden lassen. Zudem hatte ich - weit mehr als im normalen Alltag - Freiheiten. Sonst bin ich im Trott des Jahresplans drin. Und ich muss zugeben: Hätte ich alles von Beginn an so gedacht und durchgedacht, hätte ich mich vermutlich nicht auf den Weg gemacht. Ursprünglich war das Ziel des Farblabors ja einzig, den Kindern Tobespass zu ermöglichen. Und ich bin mir auch sicher: Hätte ich den Kindern von Beginn an gesagt: "Wir machen daraus eine Ausstellung und versteigern die Bilder", dann wären die Bilder ganz anderes geworden. Die Bilder sind ja alles Gemeinschaftswerke; sie sind vier- bis fünflagig, weil die Kinder ganz konstruktiv und kooperativ sich gegenseitig inspiriert und ergänzt haben.

Für die Zukunft wünsche ich mir punktuell ähnliche Freiräume: Etwas anfangen zu können, ohne bereits das Resultat kennen zu müssen. Ich würde gerne Projekte klein beginnen und dann gemeinsam mit ihnen wachsen.

Was raten Sie anderen Kirchgemeinden, die nun gerne ähnliches initiieren würden?

Bleibt offen und lasst Euch ein auf die Überraschungen und Wendungen unterwegs!


Für Fragen steht Sabine Ganz, Katechetin gerne zur Verfügung:

ref-katechetik-rafz@shinternet.ch