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«Auferstehung ist leicht»

Osterbotschaft durch stillen Glanz: die Metallikonen von Josua Boesch.

Sie verkünden die Osterbotschaft durch stillen Glanz: die Metallikonen von Josua Boesch.
Seinen künstlerischen und spirituellen Weg zeichnet Theologieprofessor Simon Peng-Keller im Buch «auferstehungsleicht» nach.

von Madeleine Stäubli-Roduner


Welchen künstlerischen Weg ist Josua Boesch mit seinen Jesus-, Kreuz- und Auferstehungs-Werken gegangen?

Josua Boeschs Ikonografie hat sich aus geometrischen Grundformen und den Möglichkeiten, die ihm als ausgebildeter Gold- und Silberschmied zur Verfügung standen, entwickelt. Er wusste von Beginn an, dass er als reformierter Theologe, der er war und bleiben wollte, nicht an eine bestehende ikonografische Tradition anschliessen konnte, sondern eine eigene Bildsprache finden musste. Er fand sie einerseits in der Reduktion und Vereinfachung, andererseits im Ausloten der symbolischen Qualitäten der Metalle, mit denen er arbeitete: Gold und Silber, Messing und Kupfer. Dabei betonte er immer wieder, dass er selbst nur die Grundlagen bereit stelle und der eigentliche Künstler das Feuer sei, das den Metallen Glanz und Schönheit gebe. 

Boesch_Seiltaenzer.jpgWas geben uns seine Werke an Ostern in erschütternden Zeiten mit? Welchen Zugang zu Leiden, Tod und Auferstehung?

Die Metallikonen sind Zeichen der Hoffnung in bedrängenden und unsicheren Zeiten. Sie verkünden die Osterbotschaft durch den stillen Glanz, den sie ausstrahlen. Es ist ein zartes Evangelium, das sie bezeugen. Sie entsprechen dem biblischen Zeugnis, dass die Auferstehungserfahrung, die den ersten Christinnen und Christen geschenkt wurde, sich wie ein leiser Hauch anmeldete – ohne Pauken und Trompeten. Es ist diesen Ikonen zudem anzumerken, dass ein langer und schmerzlicher Suchprozess hinter ihnen steht. Die Spuren des Feuers sind nicht wegpoliert. 

Hat Sie dieser Suchprozess bewogen, das Buch «auferstehungsleicht» zu verfassen?

Ich habe die Metallikonen in den späten 1980er Jahren entdeckt und seit den frühen 1990er Jahren Josua Boesch regelmässig in der Toskana besucht. So bin ich immer vertrauter geworden mit dieser ikonografischen Sprache und habe ihre biografischen Hintergründe kennengelernt. Als Josua Boesch sich aus gesundheitlichen Gründen entschloss, zurück in die Schweiz zu kommen und seine Werkstatt in Italien zu lassen, merkte ich, dass der Zeitpunkt für eine Gesamtschau gekommen war. Wir haben uns während der Entstehungszeit des Buchs wöchentlich getroffen und sind seinen Weg anhand der Ikonen Schritt für Schritt durchgegangen. Faszinierend für mich war zu sehen, wie diese Ikonen die Verdichtung eines persönlichen spirituellen Wegs darstellen und sie zugleich etwas Überpersönliches haben. Sie berühren auch Menschen, die nichts über ihre Hintergründe wissen. 

Kann Auferstehung leicht sein? Warum diese Wortkombination, welche spirituelle Kraft entfaltet sie?

Das Sterben ist oft schwer, doch die Auferstehung ist leicht, denn sie wird uns geschenkt, ohne dass wir etwas dazu beitragen können und müssen. Das Wort «auferstehungsleicht» stammt von Josua Boesch selbst. Ich habe es aufgenommen, weil es sowohl die Ikonen in ihrer ästhetischen Gestalt als auch ein spirituelles Leitmotiv von Josua Boesch zur Sprache bringt. Er setzte sich intensiv mit der Kreuzestheologie auseinander, die die christliche Tradition über Jahrhunderte prägte, und empfand sie als zu einseitig. Er lebte mehr und mehr aus der Überzeugung, dem auferstandenen Christus im Heute begegnen zu können. Taizé war ihm dafür eine wichtige Inspiration. 

Boesch_Ziegelikone.jpgWie können wir mit Josua Boesch diesen Weg des Aufbruchs und des Gefunden-Werdens gerade heute gehen?

Sein Weg ist eine Ermutigung, dass es nie zu spät dafür ist, einen Aufbruch zu wagen und sich neu auf die Suche nach seiner Lebensaufgabe zu machen. Er bezeichnete sich selbst als Spätzünder, der erst mit 50 zu sich und seiner Berufung fand. Zu diesem Aufbruch gehörte für ihn nicht zuletzt die Entdeckung einer kontemplativen Spiritualität, der Heilkraft aus dem Schauen. Wir können von Josua Boesch und seinen Ikonen lernen, innezuhalten und über das Wunder des gegenwärtigen Moments und der sinnlichen Fülle, die er birgt, zu staunen. Obwohl er fast 50 Jahre älter war als ich, hatte ich in der Begegnung mit ihm nie das Gefühl, einen alten Mann vor mir zu haben, wohl weil er das Staunen nicht verlernt hatte oder es eben in der Lebensmitte neu gelernt hatte. Das finde ich umso ermutigender, als ich selbst nun über 50 Jahre alt bin.● 


Josua Boesch

Josua Boesch (1922−2012), gelernter Gold- und Silberschmied und Theologe, wirkte während 28 Jahren als reformierter Pfarrer in verschiedenen Kirchgemeinden. 1979 gab er den Pfarrberuf auf und ging auf einen künstlerisch-spirituellen Weg, der ihn in einem benediktinischen Eremitenkloster und später in einer privaten Klause in der Toskana auf Reisen nach innen zum Schöpfer einzigartiger Ikonen und Meditationen werden liess. Zudem übersetzte er das Johannesevangelium und alle Psalmen auf Zürichdeutsch. Die letzten 15 Lebensjahre verbrachte er in Zürich.


Buch und Förderverein

Anhand von 70 Ikonen, Fotos, Tagebuchnotizen und Dialogen mit dem Künstler führt Simon Peng-Keller, Professor für Spiri­tual Care an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, mit «auferstehungsleicht» in das Werk von Josua Boesch (1922−2012) ein. Er vereint Ikonen, schlichte Meditationen und biografische Elemente zu einer Gesamtschau. 

Zu Boeschs 100-jährigem Geburtstag am 15. November 2022 finden zahlreiche Ausstellungen und Gedenkanlässe statt, dazu kommen Konzerte, ein Dokfilm, ein Symposium in Kappel und weitere Neuauflagen von Büchern. Informationen bietet der Förderverein Josua Boesch unter www.josuaboesch.ch/verein

Simon Peng-Keller: auferstehungsleicht, Der ikonografische Weg von Josua Boesch. TVZ, 2022. 144 Seiten, Fr. 29.80, erscheint im Mai (Erstdruck 1999).