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Stationen-Weg

Ref. Kirche Andelfingen

Traditionell hätte der Auffahrt-Gottesdienst draussen im Grille-Park in Kleinandelfingen stattfinden sollen. Stattdessen richtete Pfarrerin Milva Weikert dort einen Stationen-Weg für Gross und Klein ein. - Sie erzählt:


Bitte berichten Sie kurz: Was haben Sie gemacht?

Ich habe drei Wege durch den Park kreiert: einen kurzen, einen langen und einen noch etwas längeren Weg, der kinderwagen-tauglich war. Einen Plan B für schlechtes Wetter gab es nicht; alles war wasserfest angelegt. An einigen Stationen bekamen Kinder separate Aufgaben. Beispielsweise wurden die Erwachsenen an einer Steigung an den Psalm 121 erinnert ("Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen"). Die Kinder wurden aufgefordert, die Stufen zu zählen.

Generell orientierte sich der Inhalt an Auffahrt. Es wurden aber auch allgemeine Lebensfragen angesprochen wie "Was ist für mich wesentlich?" oder "Wofür bin ich dankbar?". Die Stationen konnten an vier Tagen einzeln oder maximal zu fünft begangen werden. An Auffahrt selbst stand das Pfarrteam morgens vor dem Pfarrhaus für Begegnungen parat. Auch auf dem Weg gab es spontane Gespräche. Abstandhalten war dabei jederzeit möglich. - Ein solcher Weg war neu für unsere Kirchgemeinde.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

IMG_20200521_104212.jpgDie Idee entstand in der Zeit der leichten Öffnung des Lockdowns. So wollten wir an Auffahrt etwas Besonderes innerhalb des erlaubten Rahmens machen. Es sollte irgendwie Gemeinschaft am gewohnten Ort ermöglichen. Während einer Weiterbildung in Leuenberg, Basel, bin ich einmal einen ähnlichen Weg gegangen. In der Gemeinde, in der ich zuvor tätig war, haben wir jeweils eine gemeinsame Auffahrtswanderung gemacht: Eine Dreiviertelstunde marschieren bis zu einem Bauernhof, auf dem wir eine Andacht abgehalten und zu Mittag gegessen haben. Und in Andelfingen ist es üblich, dass die politische Gemeinde alle zwei Jahre eine Begehung eines unserer Dörfer organisiert. In diese wird die Kirche einbezogen: Es gibt eine Andacht, einen thematischen Teil und ein gemeinsames Essen. - So kam ich auf die Idee.

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Allen, denen ich davon erzählte, freuten sich darüber, selbst Personen in der Gemeindeverwaltung, von der ich eine Bewilligung einholte. Überzeugungsarbeit musste ich nicht leisten.

Für die Planung und Organisation habe ich doppelt so viel Zeit benötigt wie gedacht. Denn neben den Texten, die gesucht und geschrieben werden mussten, habe ich die Orte und Reihenfolge der Posten festgelegt, Blätter laminiert, Steine gesammelt etc. Den Weg habe ich via Gemeindebrief, Flyer, soziale Medien und lokaler Presse beworben. - Vermutlich hat die Vorbereitung zwei Arbeitstage beansprucht. Hinzu kam die zeitweilige Präsenz beim Weg.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

IMG_20200525_081606.jpg138 Steine wurden an einer Station bemalt. Deshalb schätze ich, dass zwischen 120 und 140 Personen den Weg begangen sind. Dank eines Presseartikels im Landboten kamen auch Menschen aus anderen Gemeinden, vereinzelt sogar aus Winterthur. Erreicht haben wir also mehr Personen als mit einem traditionellen Feld-Gottesdienst. Allerdings: Nicht-Mitglieder wurden, soweit ich weiss, nicht oder kaum erreicht. 

Wir haben viel positives Feedback erhalten, entweder mündlich oder per E-Mail. Eine ältere, leicht gehbehinderte Person traute sich selbst den kurzen Weg nicht zu. Dieser habe ich die Texte, die für die Lektüre daheim oder eine spätere Begehung auf unserer Homepage stehen, zugestellt.

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Ich werde wieder einmal Ähnliches anbieten zusätzlich zu Feld-Gottesdiensten, aber an einem anderen Datum. Ein solcher "spiritueller Weg" - draussen und mit Kontaktmöglichkeiten - kommt offenbar an. Sofern es die Lage erlaubt, werde ich vielleicht zudem den Weg gemeinsam begehen wollen in einer Art gewanderten Sonntags-Gottesdienst.

Der Weg ist niederschwelliger als ein kirchlicher Gottesdienst und doch nicht fremd für Kirchgängerinnen und Kirchgänger.


Ankündigung Stationen-Weg (PDF)

Übersicht Stationen-Weg (PDF)

Beschreibung aller Stationen (PDF)


Für Fragen steht Milva Weikert-Schwarz, Pfarrerin gerne zur Verfügung:

milva.weikert@ref-andelfingen.ch