Message

Ostergarten

Ref. Kirche Sihltal

In und um die Kirche in Langnau am Albis war im April 2020 ein für alle zugänglicher Ostergarten aufgebaut: Ein Rundweg, an dem sich an fünfzehn Stationen Texte, Bilder, Szenen mit verschiedenen Aktivitäten abwechselten. - Nadja Papis, Pfarrerin, erzählt:


Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Eine freiwillige Mitarbeiterin konnte wegen den Corona-Massnahmen ihren normalen Tätigkeiten nicht nachgehen. Sie hatte früher anderswo einen ähnlichen Garten besucht. Kurz vor Ostern trat sie damit auf das Pfarrteam zu.

Die Idee war auch charmant, weil verschiedene Sinne einbezogen wurden: So konnte Weizen in einen Topf Erde gepflanzt, ein Kreuz aus Ästen gebastelt, ein Strauch mit Osterdekoration verziert werden. Scherben oder Steine konnten zum Kreuz geschleppt und abgelegt werden, Fadenbilder liessen die Ostersymbole erfahrbar werden, Bibelszenen wurden mit Figuren nachgestellt, Kerzen zum Gedenken angezündet, meditative und theologische Texte luden zum Nachdenken ein.

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Ostergarten_2.jpgDie Freiwillige gewann uns sofort mit ihrem Einfall, nicht zuletzt, weil so vieles andere stehen blieb. Normalerweise hätten wir wohl darüber nachdenken müssen, wie Gottesdienste und Ostergarten aneinander vorbeikommen. Das Wetter spielte ebenfalls mit: Angesichts des wochenlangen Sonnenscheins brauchte es keinen „Plan B“. Also hatten wir Raum zur Verfügung.

Dann organisierte die Initiantin fast alles selbst. Sie beschaffte Material und baute acht Stationen in der Kirche und sieben Stationen draussen auf. Einiges Material bestellte sie (Postkarten, Brot-für-alle-Suppen, Erde, Samen), anderes lieh sie sich oder sammelte sie (z.B. leere Blumentöpfe,  Äste, verschiedene Bilder und Bücher). Die Texte und Bilder, welche Besucher an den Stationen mitnehmen konnte, vervielfältigte sie. Insgesamt waren die Material-Unkosten gering. Sie beliefen sich auf etwa 100 CHF. Beworben haben wir die Aktion in den Online-Gottesdiensten, auf der Homepage und mittels Flyer. Für eine Notiz in der Gemeindebeilage des "reformiert." waren wir zu spät. 

Als der Ostergarten schliesslich für Besucher geöffnet wurde, war die Initiantin täglich für Gespräche anwesend. Und sie hat die Stationen geprüft und sie bei Bedarf erneuert.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

Ostergarten_3.jpgDer Ostergarten sollte eigentlich nur eine Woche stehen bleiben, schlussendlich wurden es zweieinhalb Wochen. Gezählt haben wir die Besucher nicht, aber wir sahen, dass viele Menschen von jung bis alt den Garten besuchten, einige mehrmals, andere im Vorbeiwandern. Insgesamt war das Echo überwältigend positiv. Besonders hat den Menschen gefallen, dass sie etwas „machen“ konnten, etwas sinnlich erfahrbar war.

Ein nächstes Projekt wird gerade für Pfingsten geplant. Das Thema wird „Spurensuche“ sein, ein Labyrinth wird eine Rolle spielen. Die Freiwillige hat auch hier die Projektleitung. Wieder gibt es verschiedene Stationen und wir greifen das Thema in einem Online-Gottesdienst auf.

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Wie auch aus dem grossen Echo auf die Online-Gottesdienste nehmen wir mit, dass «Zeit» heute eine enorme Rolle spielt: «Ich kann kommen, wann ich will und wann es mir passt» trägt wesentlich zum Erfolg bei. Und: «Wenn alles andere stillsteht, habe ich Zeit für Spiritualität».

Für mich persönlich war zudem spannend, dass ein solches individuell besuchtes Projekt die Gemeinschaft trotzdem fördern kann: Ein Buch, in welches die Besuchenden hineinschreiben konnten, nahmen viele zur Hand und lasen es durch. Zudem ergaben sich unzählige Gespräche zwischen Besuchern, mit der Initiantin und mit uns vom Pfarrteam auf der Sonnenbank vor der Kirche – auf Abstand, gewiss. Mitunter kam man / frau auch auf Religiöses zu sprechen, weil der Garten etwas angestossen hatte. 

Und zuletzt: Wenn Engagement und Hingabe eine Aktion tragen, merken und schätzen das die Menschen auch. Im Gegensatz zu all den Online-Angeboten, die derzeit spriessen, war der Ostergarten vollkommen analog und doch sehr ansprechend, auch für junge Leute. Das fand ich bemerkenswert. Obwohl ich mir von der Kirche mehr moderne Formen wünschte… .


Für Fragen stehen gerne zur Verfügung:

Nadja Papis, Pfarrerin, nadja.papis@refsihltal.ch
Denise Karg, Initiantin und Freiwillige, denise.karg@outlook.com