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Stricken gegen Einsamkeit

Kath. Kirche Bülach

Eine Kirche ohne Menschen friert. Stricken und häkeln wir ihr gemeinsam einen warmen Schal. - Sozialarbeiterin Christina Witschard erzählt:


Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Aufgrund der Corona-Krise fehlen vielen Menschen, vor allem Senioren, soziale Kontakte. Sie leiden unter der erzwungenen Isolation. Vermehrt entsteht das Gefühl von sinnlosen Tagen, die sich scheinbar endlos ausdehnen. Deshalb habe ichüberlegt, was ältere Personen gut und gerne von daheim aus tun können. Viele von ihnen stricken noch bis ins hohe Alter. Zudem suchte ich etwas, um mit meinen begrenzten personellen und finanziellen Möglichkeiten möglichst viele zu erreichen. Mit dem Stricken eines grossen Kirchenschals können sie ein wenig sozial Anteil nehmen: Es ist eine Aufgabe, mit der sie zu einem Teil einer Gemeinschaft werden.

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Unser Pfarrer hat die Idee von Anfang an unterstützt. Finanziell liegen die Ausgaben für Wolle und für Stricknadeln mit ca. 200.—Fr. bisher im Budget. Mir hilft ein Kurier, welchen ich zufällig in einer «arbeitslosen» Studentin fand.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

Schal_2.JPGBisher haben etwa 40 Personen am Projekt mitgestrickt. Bei schlechtem Wetter wird auffallend viel Wolle bestellt. Einige Strickende tauschen sich via Telefon zur Thematik aus: Die Aktion fördert also den sozialen Kontakt untereinander. Und mir wird von vielen gesagt, dass sie gerne mitstricken.

Unabhängig vom Stricken bieten wir eine Telefonseelsorge an. Dafür aber kann die Hemmschwelle sehr hoch sein. Ich merke: Die Strickaktion erlaubt es Menschen sich niederschwellig an uns zu wenden, obwohl der Grund des Anrufs ein anderer ist.

Initial wurde von einigen Personen der «Verschleiss» an Wolle kritisiert: "Was will die Kirche schon mit einem Schal?". Jedoch: Die Lepra-Mission Schweiz hat bereits grosses Interesse an unserem Kirchenschal geäussert. Daraus können Bandagen für Erkrankte gemacht werden. Um den Schal umzuarbeiten, werde ich auch eine Gruppe aufbauen.

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Soweit denke ich häufig nicht. Als ich das Projekt ins Leben rief, wusste niemand, wie es sich entwickeln würde. Mittlerweile wächst «mein Baby» unerwartet stark. Die freut mich einerseits sehr, ist jedoch mit viel Arbeit verbunden. Und ich muss ziemlich flexibel sein. Das Ziel, den Senioren einige soziale Kontakte zu ermöglichen sowie eine Aufgabe zu geben, ist bereits erreicht. Ich sehe mit Spannung der weiteren Entwicklung entgegen.

Für dieses und für andere Projekte gilt: Um ins Unbekannte zu hüpfen, brauche ich eine gewisse Portion Mut und eben so viel Geduld, etwas wachsen zu lassen und damit mitzulaufen.


Für Fragen steht Christina Witschard, Sozialarbeiterin gerne zur Verfügung:

christina.witschard@kath-buelach.ch