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Kirche on Tour

Ref. Kirche Stäfa

Für Pfarrer Stollwerk hat Glauben Begegnungscharakter. Deshalb sind er und der Sigrist, ein Alphornbläser, zu Ostern zu den Leuten gegangen: Sie haben Quartiere und Seniorenwohnheime besucht und mit einer kleinen, liturgisch gestalteten Einlage Ostergrüsse der Reformierten Kirche Stäfa überbracht. - Pfarrer Stollwerk erzählt:


Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Unserem Sigristen Christian Gerber fiel dies ein. Dass er bei mir auf offene Ohren stiess, wusste er. Denn ich mache so etwas gerne. Schon als Theologiestudent habe ich auf der Strasse musiziert. Dann, als Seelsorger für Touristen, dazumal angestellt von der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland), habe ich in italienischen Städten auf dem Trottoir Werbung für deutschsprachige Gottesdienste am Urlaubsort gemacht. Und nicht zuletzt knüpft die Idee an eine „Stäfner“ Tradition an: Ein- bis zweimal im Jahr gehen wir als Pfarrteam mit engagierten Freiwilligen zu den Menschen an «weltliche» Lokalitäten wie etwa dem Supermarkt. Dort laden wir ein zu Kaffee, Kuchen, einem Gespräch oder gemeinsamer Musik. Gänzlich neu bei unserer Ostertour war der Verkündigungsaspekt. 

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Pfarrer.pngVor allem etwas Organisation. Wir identifizierten zwölf Quartiere in unserer Gemeinde, in denen viele Leute auf Balkone oder in Vorgärten treten können. Hinzu kamen zwei Seniorenwohnheime. Je Ort inklusive Ortswechsel planten wir dreissig Minuten ein und dachten uns einen etwa viertelstündigen Ablauf aus: «Alphornstück – Ostergruss des Pfarrers und Kurzinput – Alphornspiel – (Gebet) – Segen – Alphornspiel oder Gesangsbeitrag der Pfarrperson». Bei den Rede-Impulsen war es mir wichtig, «kurz und knackig» zu bleiben, am besten mit einer Anekdote zum Schmunzeln gewürzt. Um auf die Distanz von allen gehört zu werden, haben wir einen Akku-Verstärker mit Mikrofon sowie ein Alphorn eingesetzt. Eine Trompete wäre auch geeignet gewesen. Wir legten eine Fahrtroute fest und hatten ein Auto zur Verfügung. Und wir hatten das Glück der individuellen Freiheit, zu zweit im öffentlichen Raum so unterwegs sein zu dürfen. Gegenwärtig ist diese ja in vielen Ländern nicht gegeben. Selbstverständlich hatten wir vorher die kirchlichen Gremien, die politische Gemeinde und die Polizei informiert und die rechtliche Lage abgeklärt. Per Zeitungsannonce haben wir unser Vorhaben und den Quartier-Fahrplan am Mittwoch vor Ostern bekannt gegeben.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

An den vierzehn Orten haben wir insgesamt etwa 700 – 900 Menschen angetroffen. Zu unserer Überraschung wurden wir vielerorts bereits erwartet. Teilweise wurden Schweizer Fahnen geschwenkt. Überwältigend waren auch die Reaktionen aus den Seniorenwohnheimen. Einige Menschen weinten vor Dankbarkeit. Die Aktion wurde vielfach fotografiert oder gefilmt und per Facebook geteilt. Die Presse informierte im Vorfeld wertschätzend darüber. Die Bitte um Wiederholung wurde vielfach geäussert.

Als weitere Resonanz baten in der Woche nach Ostern acht Personen um Seelsorge bzw. Gespräche. Aus einem Quartier erhielt ich am nächsten Sonntag ein Kurzvideo, das zeigte, wie die Anwohner ein solches Treffen selbst im Quartier organisierten. Der in der Kirche installierte Gebetsweg wurde verstärkt frequentiert. Für die Seniorenwohnheime gestalten nun mehrere Vereine „Gartenkonzerte“. Insofern hat die Aktion auch andere mobilisiert.

Für Pfingsten planen wir eine nächste Folge. Dieses Mal werden wir mit einer Pferdekutsche und Trompeten unterwegs sein. Wir hoffen auf die zusätzliche Mitwirkung von Mitgliedern der Kirchenpflege und einem Saxofon spielenden Pfarrkollegen. Die Andachten werden an acht Brunnen im Ort stattfinden. Jedoch soll grundsätzlich diese Art der Begegnung etwas Besonderes bleiben. Denn: „Repetitio non placet.“ Was zu oft geschieht, nutzt sich in seiner Wirkung ab.

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Wenn Kirche überraschend und in origineller Weise auftaucht, wird sie zum positiven Stadtgespräch. Zugleich führt es zu neuen Kontakten. Kirche gehört auf die Strasse, auf die Plätze und in die Quartiere.

Zu Pfingsten lancierte Pfarrer Michael Stollwerk mit weiteren aus der Kirchgemeinde Stäfa eine ähnliche Aktion. Hier - ein PDF des Gemeindeberichts - können Sie mehr dazu nachlesen.

Für Fragen steht Pfarrer Michael Stollwerk gerne zur Verfügung:
michael.stollwerk@kirchestaefa.ch

Weiterführender Link:
https://www.kirchestaefa.ch/bericht/1880