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Interaktiver Gebetsweg

Ref. Kirche Stäfa

Im Chor der Kirche Stäfa haben Pfarrerin Trinkner und eine Freiwillige einen österlichen Gebetsweg aufgebaut. Bis Pfingsten kann er von 9:00 bis 17:00 Uhr beschritten werden. Verschiedene Posten laden zum inneren Dialog ein. - Pfarrerin Trinkner erzählt:


Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Nach Ausrufung der ausserordentlichen Lage am Montag, 16.03.2020, und den Weisungen des Kirchenrates wussten wir, dass Kirchen geöffnet bleiben dürfen. Als Pfarrerin weise ich auf Gottes Worte in Predigten hin. Aber ich möchte häufig noch andere Sinne als das Gehör einbeziehen. So kam eins zum anderen.

Der interaktive Gebetsweg begleitet die Menschen entlang der Ostergeschichte. Beispielsweise sind Steine zu einer Klagemauer aufgeschichtet. «Last»-Steine können abgelegt, eine Kerze angezündet, Fürbitten können eingetragen werden. Es war Neuland für unsere Kirchgemeinde. Normalerweise haben wir keinen Ort, an dem eine begehbare Installation mehrere Tage aufgestellt sein kann. Denn sonst wird die Kirche ja für Gottesdienste und andere Veranstaltungen genutzt. 

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Gebetsweg_Staefa.jpgNicht viel. Die Idee kam mir gleich in den ersten Stunden. Bis zur Umsetzung vergingen fünf Tage. Am Dienstag nach dem politischen Entscheid habe ich mit einer unserer Freiwilligen telefoniert: Eigentlich stellt Verena Hohl Figuren zu biblischen Geschichten für unsere Abendgebete zur Verfügung. Da diese Zusammenkünfte abgesagt werden mussten, konnten wir aus ihrem Fundus schöpfen. Und auch für andere Posten war das Material vorhanden. Beispielsweise lagerten in der Kirche noch Steine aus dem 9. Jahrhundert – gut geeignet für die Klagemauer.

Den Einfall, den Chorraum so zu nutzen, haben Pfarrkonvent und Kirchgemeindeleitung, die beide zufällig am Donnerstag tagten, gutgeheissen. So konnte ich am Freitag alles aufstellen. Damit die Besucherinnen und Besucher sich zurechtfinden, habe ich zudem eine Broschüre geschrieben und gedruckt. Im E-Mail-Gemeindebrief, auf unserer Homepage und in unserer Gemeindebeilage zu «reformiert.» haben wir den Weg beworben.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

Gezählt haben wir die Leute nicht; ich habe mich bewusst dort nicht viel blicken lassen. Denn der Gebetsweg war ja an sich leitend. Trotzdem zeigen einige Indizien, dass die Kirche viele besuchten: Wir haben bereits viermal Broschüren nachdrucken müssen; etwa 120 Broschüren sind mitgenommen worden. Ich habe Zettel aus der Klagemauer herausgenommen, um wieder Platz für neue zu schaffen. Der Korb mit Bibelsprüchen zum Mitnehmen musste aufgefüllt werden. Das Fürbitten-Buch füllt sich. Anhand der Handschriften sehe ich, dass einige Personen sogar täglich kommen. Und das, obwohl die Kirche stein-kalt ist. Mitunter bekomme ich auch positives Feedback via E-Mail.

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Mir fällt jetzt sehr auf, dass wir alles «zugepflastert» haben. Wir Reformierte scheinen nicht gut Stille aushalten zu können, sondern füllen alles mit Aktivitäten. Damit geben wir sozusagen dem «heiligen Geist» wenig ruhige Momente, sich zu zeigen und zu wirken. Und wir scheinen der Gemeinde nicht zuzutrauen, dass sie auch ohne uns Pfarrschaft beten kann. Ich nehme mir vor, nicht einfach wieder in das reformierte Hamsterrad zurückzukehren. Ich möchte auch später unserer Kirchgemeinde Ähnliches ermöglichen.


Für Fragen steht Pfarrerin Diana Trinkner gerne zur Verfügung:

diana.trinkner@kirchestaefa.ch
Telefon: 044 926 14 70