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Zoom: Chefchöch 2.0

Ref. Kirche Wald

Online miteinander kochen. Das haben acht Kinder und Jugendliche mit ihrer Jugendarbeiterin Steffi Siegenthaler ausprobiert. Und gefunden, es ist wert, wiederholt zu werden! - Frau Siegenthaler erzählt:


Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

In unserer Kirchgemeinde bringen Kinder und Jugendliche ihre Ideen in ein Gefäss namens "Brainstorm" ein. Daraus ist vor zwei Jahren das Angebot entstanden, miteinander im Kirchgemeindezentrum drei Gänge zu kochen. Ich biete das Angebot normalerweise sechs Mal pro Semester von 17:00 bis 20:15 Uhr an, und zwar terminlich gebündelt, so dass "langlebigere" Zutaten nicht unterdessen schlecht werden. Es kommen meistens sechs bis acht Kinder der Mittelstufe und ein bis drei Ältere. Einige sind immer dabei, andere lassen sich ab und zu blicken. Die Daten kündige ich normalerweise per Gruppen-Chat auf Whatsapp an. Dort erreiche ich viele Kinder und Jugendliche. Einigen Jugendlichen, den Schul-Sozialarbeitenden und dem lokalen Jugendbüro gebe ich Flyer mit Daten mit.

Für die Zeit, in der uns der Lockdown erwischte, waren mehrere Koch-Treffen geplant. Das erste fiel aus. Und ich fand mich plötzlich in Zoom-Sitzungen wieder. Da kam mir der Gedanke: Warum kochen wir nicht auf Distanz zusammen, eben per Videokonferenz?

Was hat es gebraucht, um die Idee umzusetzen?

Mein Vorgesetzter, der Ressortverantwortliche für die Jugendarbeit in der Kirchenpflege, war sofort angetan. Den Zoom-Account habe ich für das Angebot angelegt, um mehr Zeit als die 40 Minuten, die frei verfügbar sind, zu haben. Das kann ich nun für weitere Angebote nutzen. Die Kids habe ich per WhatsApp gefragt, ob sie es ausprobieren wollen. Sie sollten sich bis zum Sonntag anmelden - für Donnerstag hatten wir das Event geplant. Das ist mehr Vorlaufzeit als üblich. Aber alle, die teilnehmen wollten, mussten sich mehr als sonst organisieren: Ihnen bzw. teilweise ihren Eltern habe ich das Rezept, eine Liste an Küchenutensilien und einen Einwahlcode geschickt. Für das Rezept kauften die Kinder dann vorher ein. Sie legten auch alles in der Küche parat. Die Einwahl über Zoom via Handy oder Familien-Laptop hatten wir tags zuvor miteinander getestet. Für die meisten war es die erste Zoom-Erfahrung. Die Eltern halfen in der Vorbereitung, aber beim Kochen selbst waren sie kaum zugegen.

Die ersten zwanzig Minuten waren wir beschäftigt, uns zu begrüssen und Verschiedenes zu klären. Es sollte Hörnli-Auflauf geben. Das Rezept sind wir Punkt für Punkt durchgegangen. Gut, dass ich via Zoom meinen Bildschirm mit allen teilen konnte. Manchmal habe ich alle kurz stumm geschaltet, damit ich verstanden wurde. Die Ofenzeit haben wir zum Plaudern und zum Aufräumen genutzt. Denn das hatten wir vereinbart: Die Familie soll sich über das Essen und über eine ordentliche Küche freuen können.

Bis 19:00 Uhr hatte jede und jeder das Essen parat - pünktlich zum Familien-Nachtessen. Das gab es jeweils offline. Zum Essen hin haben wir uns mit einem kirchlichen Lied eingestimmt. Das mache ich normalerweise, oder wir beten. Um 20:00 Uhr schliesslich haben wir uns noch einmal virtuell getroffen und uns verabschiedet.

Wen und wie viele haben Sie erreicht, welches Echo gab es?

Chefchöch.JPGAlle elf Kinder und Jugendliche, die ich auf Zoom erlebt habe, und ich fanden es schön, einander nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Sieben oder acht von ihnen haben mitgekocht. Das Setting war auf gewisse Art vertraut: "Wir kochen miteinander", aber doch anders. Ein Kind beispielsweise hatte nicht viel Koch-Erfahrung. Das fand ich kompliziert: Wie helfe ich aus der Ferne? Aber mir war es wichtig, dass die Eltern nicht die ganze Zeit dabei waren - es ist ja schliesslich ein Angebot für die Kinder und Jugendliche.

Es gab nur positive Resonanz: Die Familien freuten sich über ein Z`Nacht. Eines der Kinder wollte sofort wieder loslegen. In der letzten Mai-Woche biete ich es wieder an: Wenn sich mindestens sechs Kinder anmelden, starten wir. Neun Familien - also neun Bildschirm-Kacheln wird vermutlich die Obergrenze sein, die ich bewältigen kann.

Was raten Sie anderen Kirchgemeinden, die Ähnliches planen?

Nehmen Sie ein sehr einfaches Rezept, das maximal 45 Minuten dauert und rechnen Sie die doppelte Zeit ein. Ein Ofengericht hat den Vorteil, dass zwischendrin Zeit für Verschiedenes ist. Das Zubehör - also Schüsseln, Mixer etc. - sollte schon bereitstehen. Kündigen Sie es nicht zu weit im Voraus an. Kinder planen nicht so lange. Und rechnen Sie mit spontanen Ab- und Zusagen. Das ist auch beim digitalen Kochen möglich: Alle, nicht nur die, die sich angemeldet hatten, haben ja per Gruppen-Chat auch die Vorbereitungs-Aufgaben mitbekommen. Es wird nur dann schwierig, wenn ein Kind unvorbereitet spontan teilnehmen möchte. Christliches bringe ich gerne mit einem Tischgebet oder einem kirchlichen Lied vor dem Essen ein. Auf Zoom klang unser Gesang recht unkoordiniert. Da sind Gebete - eins gemeinsam oder freie, individuelle Gebete, still oder laut -  wahrscheinlich einfacher.

Was nehmen Sie daraus mit für die Nach-Corona-Zeit?

Wahrscheinlich kehren wir wieder zu unseren Koch-Events im Kirchgemeindezentrum zurück. Aber das bleibt gewiss eine Option, wenn beispielsweise ein Kind für längere Zeit krank ist oder in den Ferien ist und trotzdem gerne mitmachen möchte. Und mich freut, dass diese Aktivität den Kindern wichtig genug ist, dass sie trotz aller zusätzlicher Hürden - so etwa dem Einkaufen - mitmachen wollten.

PDF: Der beste Hörnligratin mit Gemüse


Für Fragen steht Jugendarbeiterin Steffi Siegenthaler gerne zur Verfügung:

steffi.siegenthaler@ref-wald.ch
Telefon: 078 885 64 70