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Pfarrer Sieber wird 90

Der Kirchenrat gratuliert Pfarrer Ernst Sieber zu dessen 90. Geburtstag am 24. Februar.

Der «Bruder der Menschen am Rand» wird 90

«Tut um Gottes Willen etwas Tapferes»: Wie kein Zweiter lebte Pfarrer Ernst Sieber während Jahrzehnten das Motto der Zürcher Reformation. Und wie diese begeht der eigenwillige Theologe dieses Jahr ein Jubiläum. Ernst Sieber, der zum 80. Geburtstag von der Zürcher Stadtregierung eine Ehrenmedaille «für besondere Menschen» erhielt, der mit 86 von Stadtpräsidentin Corine Mauch für sein Lebenswerk das Zürcher Staatssiegel bekam und dem ein Zürcher Lehrmittel ein ganzes Kapitel widmet ‒ diese lebende Ikone der reformierten Kirche wird am 24. Februar 90 Jahre alt.

Das dem populären Pfarrer gewidmete Kapitel im Lehrmittel trägt den Titel «Bruder der Menschen am Rand». Das bringt Siebers Mission schlicht und schön auf den Punkt. Er zeigt mit seinem pionierhaften Wirken und Schaffen seit je, welches die Essenz der christlichen Kirche ist: in der Nachfolge Jesu zum Bruder der Bedürftigen zu werden und sich allen Menschen in ihren Lebenssituationen zuzuwenden. Der christlichen Nächstenliebe wieder mehr Nachachtung zu verschaffen, dies war stets Siebers Anliegen. Auch im hohen Alter ist er überzeugt, es sei «höchste Zeit», auf eine solidarische Gemeinschaft hinzuarbeiten, Arme und Kranke nicht auszugrenzen, sondern in voller Wertschätzung zu integrieren.

Siebers Verkündigung geschieht in Wort und Tat. Exemplarisch leben dies die Sozialwerke, welche auf seine Gründungen zurückgehen, und setzen damit einen Standard für das Wirken der Kirche. Neben seinem eindrücklichen sozialen Lebenswerk hat der schöpferisch tätige Pfarrer selber Bilder geschaffen und sich selbst zum landesweit bekannten Bild gemacht, mit Schal und Schlapphut, ähnlich den huttragenden Reformatoren. Vielen ist er unvergessen als Fernsehpfarrer und Nationalrat, der während seiner Kurzpredigten einen Bilderrahmen zum Kreuz umbaute.

Wer sich selbst so kantig profiliert, eckt in einem schweizerisch-bescheidenen Kontext mitunter an; wer Pionierhaftes wagt, stösst an Grenzen, dies musste auch Ernst Sieber zeitweilig erfahren. An seinem Kurs konnte er nicht immer unbeirrt festhalten, aber die von ihm gegründeten Sozialwerke stehen heute auf solidem Fundament, dank der Unterstützung breiter Kreise aus Kirche, Politik, Medien und Wirtschaft und dank der vielen engagierten Mitarbeitenden. Und die Marke „Sieber“ bleibt erhalten. Sie weist über seine inspirierte und inspirierende Persönlichkeit hinaus auf eine Kirche als Gemeinschaft, deren Vorbild er bleiben wird. In diesem Sinne gratuliert der Kirchenrat Pfarrer Ernst Sieber zu seinem 90. Geburtstag, dankt ihm für sein nachhaltiges Schaffen und wünscht ihm Gesundheit, Kraft und alles Gute.